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Mit Superman in der Bibliothek

Die Bibliothek des John-F.-Kennedy-Instituts hat eine neue Comic-Sammlung

03.12.2014

Comics lesen in der Instituts-Bibliothek: Am John-F.-Kennedy-Institut ist das jetzt möglich.
Comics lesen in der Instituts-Bibliothek: Am John-F.-Kennedy-Institut ist das jetzt möglich. Bildquelle: Julia Mayer/JFKI
Der renommierte Cartoonist Keith Knight kam zur Eröffnung der neuen Comic-Sammlung an das JFKI.
Der renommierte Cartoonist Keith Knight kam zur Eröffnung der neuen Comic-Sammlung an das JFKI. Bildquelle: JFKI

Was haben Batman, Captain America und Superman gemeinsam? Die Comic-Helden kommen alle in der Bibliothek des John-F.-Kennedy-Instituts der Freien Universität zusammen. Diese wächst zu einer der umfangreichsten wissenschaftlichen Sammlungen amerikanischer Comics in Deutschland heran. Dank einer Schenkung der Comic Arts Collection an der Michigan State University gehören nun auch Comics in Heftform zum Bestand der Bereichsbibliothek. Zur Eröffnung der neuen Sammlung kam der Zeichner und Cartoonist Keith Knight aus San Francisco nach Dahlem.

Wer in Berlin zu amerikanischen und kanadischen Comics forschen wollte, musste sich bislang mit deutschen Übersetzungen zufriedengeben oder weite Wege auf sich nehmen, um einen Blick auf Original-Ausgaben werfen zu können. Die Bibliothek am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien (JFKI) hat diese „Versorgungslücke“ jetzt geschlossen.

Ein Grundbestand aktueller und historischer US-amerikanischer Comics und Graphic Novels konnte bereits 2013 mit Unterstützung der Einstein-Stiftung angeschafft werden. Jetzt sind noch einmal gut vierhundert Comics in Heftform dazu gekommen.

„Wir haben den Anspruch, unseren Studierenden und Wissenschaftlern einen gut sortierten Forschungskorpus zu Comics anzubieten“, sagt Julia Mayer, Leiterin der Bibliothek am JFKI. Die neuen Exemplare sind ein Geschenk der Comic Art Collection an der Michigan State University, die sich von mehrfach vorhandenen Comics trennen wollte, darunter vor allem Superheldencomics der Verlage Marvel, DC und Dark Horse. Auch in Zukunft soll regelmäßig „Nachschub“ aus Michigan kommen, sodass der Bestand stetig vergrößert wird.

Das neue Comic-Format in der Bibliothek brachte auch Herausforderungen mit sich, sagt Julia Mayer: „Comics sind eigentlich nicht zur Archivierung geschaffen.“ Das bedruckte Papier sei von schlechter Qualität und müsse deshalb in speziellen Hüllen vor dem Auseinanderfallen geschützt werden. Deshalb sind die Werke in Heftform auch nur im Präsenzbestand der Bibliothek einsehbar.

Cartoonist Keith Knight über Polizeigewalt

Unter dem Titel „They Shoot Black People, Don’t They?“ („Sie schießen auf schwarze Menschen, nicht wahr?“) stellte der renommierte Cartoonist Keith Knight seine Cartoons bei der Eröffnung der Sammlung vor. Seit mehr als 20 Jahren Cartoons thematisiert der in San Francisco lebende Künstler in seinen Zeichnungen Gewalt und Diskriminierung (amerikanischer) Polizisten gegenüber Minderheiten.

Nach den Geschehnissen in der Kleinstadt Ferguson, bei der ein Polizist einen unbewaffneten schwarzen Teenager erschoss, ist das Thema von trauriger Aktualität. „Am liebsten wäre mir, ich müsste diese Comics nicht mehr zeichnen“, sagte er.

„Zwischen Komödie und Tragödie“

Knights Comics basieren auf Erfahrungen, die er selbst gemacht hat, oder die an ihn herangetragen wurden. Eines seiner Cartoons zeigt die Hand einer weißen Person – die Finger geformt zum Victory-Zeichen, eine Handgeste für Sieg oder Erfolg. Im nächsten Bild werden die Finger in gleicher Form gezeigt – nur, dass es diesmal die Hand einer schwarzen Person ist.

Wie das Handzeichen dann interpretiert werde, erläuterte Knight in seinem Vortrag: „Nicht als Victory-, sondern als ein Gang-Zeichen.“ Er berichtete von einem Fall, in dem die Polizei Alarm geschlagen habe, weil drei schwarze Teenager nach einem erfolgreichen Basketballspiel mit dem Victory-Zeichen für die Lokalpresse posiert hätten. Auch die Schulleitung habe plötzlich in den Jungs nicht mehr nur die siegreichen Sportler gesehen, sondern Gang-Mitglieder und habe sie aus der Basketballmannschaft rausgeworfen. In seinen Cartoons versucht Keith Knight, die Absurdität von Rassismus zu entlarven: „Es ist ein schmaler Grat zwischen Komödie und Tragödie.“