Freie Universität Berlin


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66 Jahre Freie Universität Berlin

Einladung zum Gründungstag am 4. Dezember: Verleihung der Ernst-Reuter-Preise und Vorstellung der Deutschlandstipendiaten

28.11.2014

Am 4. Dezember 1948 erfolgt im Steglitzer Titania-Palast die feierliche Gründung der Freien Universität.
Am 4. Dezember 1948 erfolgt im Steglitzer Titania-Palast die feierliche Gründung der Freien Universität. Bildquelle: Landesbildstelle Berlin
Nach Ernst Reuter und in Erinnerung an ihn, den ehemaligen Oberbürgermeister von Berlin, wurde der Gründungstag der Freien Universität benannt.
Nach Ernst Reuter und in Erinnerung an ihn, den ehemaligen Oberbürgermeister von Berlin, wurde der Gründungstag der Freien Universität benannt. Bildquelle: Fritz Eschen
Im Henry-Ford-Bau (hier ein Bild aus den späten 1950er Jahren) findet die Feier zum Ernst-Reuter-Tag am 4. Dezember statt.
Im Henry-Ford-Bau (hier ein Bild aus den späten 1950er Jahren) findet die Feier zum Ernst-Reuter-Tag am 4. Dezember statt. Bildquelle: Reinhard Friedrich / Quelle: Universitätsarchiv der Freien Universität Berlin
Gunter Gebauer, emeritierter Philosophieprofessor der Freien Universität, ist Jury-Vorsitzender des Ernst-Reuter-Preis-Komitees.
Gunter Gebauer, emeritierter Philosophieprofessor der Freien Universität, ist Jury-Vorsitzender des Ernst-Reuter-Preis-Komitees. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Dass es die Freie Universität gibt, ist auch dem ehemaligen Oberbürgermeister West-Berlins Ernst Reuter zu verdanken: Er hat sich 1948, unterstützt von den amerikanischen Alliierten, Berliner Politikern und gemeinsam mit Studierenden und Professoren, maßgeblich für die Neugründung einer Universität im Westteil Berlins eingesetzt. Auslöser war die Verfolgung systemkritischer Studierender an der damaligen Universität Unter den Linden im sowjetischen Sektor der geteilten Stadt. Frei von politischem Einfluss wollten Studierende und Wissenschaftler an der Freien Universität lernen, lehren und forschen. Am Ernst-Reuter-Tag werden alljährlich vier herausragende Dissertationsprojekte ausgezeichnet, zudem werden die Deutschlandstipendiaten der Freien Universität vorgestellt. Campus.leben sprach mit dem Juryvorsitzenden des Ernst-Reuter-Preis-Komitees, Philosophieprofessor Gunter Gebauer.

Herr Professor Gebauer, was bedeutet der Ernst-Reuter-Tag für die Freie Universität und warum wird er gefeiert?

Ernst Reuter war einer der Gründungsväter der Freien Universität. Er unterstützte die jungen Leute, die der damaligen Berliner Universität Unter den Linden den Rücken gekehrt hatten, stellte Mittel und Räume zur Verfügung. Nach dem Krieg und nach der Teilung der Stadt standen in Dahlem eine ganze Reihe von Villen und ehemaligen Gebäuden der alten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, der Vorgängerin der heutigen Max-Planck-Gesellschaft, leer. Sie konnten von den Gründern für den Aufbau einer neuen Universität im Westteil der Stadt genutzt werden. In ihren Anfängen hatte die Freie Universität eine Außenseiterposition, die sie durch sehr gute Berufungen und den Aufbau bedeutender Bibliotheken kompensieren konnte, und nach 1968 hing ihr der Ruf an, eine linke Uni zu sein. Sie hat sich inzwischen zu einer der besten Universitäten Deutschlands entwickelt, mit einigen Fakultäten, die in Europa eine Spitzenposition einnehmen. Das darf man ruhig feiern.

Am Ernst-Reuter-Tag werden vier herausragende Dissertationen geehrt. Wie werden die Preisträger ausgewählt?

Es werden jedes Jahr etwa 60 – 80 mit summa cum laude ausgezeichnete Dissertationen für den Ernst-Reuter-Preis eingereicht. Ausschlaggebend für die Juryentscheidung ist nicht nur die Note, sondern auch der wissenschaftliche Innovationscharakter der Arbeiten. In diesem Jahr haben wir eine Dissertation aus der Psychologie, der Literaturwissenschaft, der Mathematik und der Chemie ausgewählt.

Worum geht es in den ausgezeichneten Dissertationen?

Die literaturwissenschaftliche Arbeit befasst sich mit dem Pikaresken – einer Form, die im 16. und 17. Jahrhundert in Spanien entstanden ist und als literarische Untergattung bis heute vorkommt – als Literatur eines Prekariats, wie wir heute sagen würden.

In der Arbeit aus der Psychologie, die wir ausgezeichnet haben, entwickelt der Verfasser eine valide Methode zur Messung von Veränderungen in sozialen Gruppen, beispielsweise in Schulklassen. Es handelt sich um die erste Methode, die nachweislich Messfehler vermeidet, die also tatsächliche Veränderungen misst.

Ein weiterer Preis geht an einen jungen Mathematiker, der einen Beweis in der mathematischen Differentialgeometrie erbracht hat, der bereits jetzt für große internationale Aufmerksamkeit sorgt.

Schließlich haben wir eine Arbeit aus der Chemie ausgezeichnet, in der es darum geht, künstliche Moleküle herzustellen, die in der Lage sind, sogenannte biomimetische Reaktionen mit Sauerstoff zu katalysieren, was für die technische Nutzung vielversprechend ist.

Alle vier Arbeiten sind wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung der Forschung auf ihrem Gebiet und eröffnen Anwendungen über die Wissenschaft hinaus.

Warum setzen Sie sich für die Alumniarbeit an der Freien Universität ein?

Ich bin seit mehr als dreißig Jahren als Professor an der Freien Universität tätig. Mittlerweile bin ich emeritiert, forsche aber weiter und biete Kolloquien an. Im Grunde bin ich so liiert mit der Freien Universität, dass sie immer noch einen großen Platz in meinem Leben einnimmt. In der Kommission haben wir zwar viel Arbeit, aber wir machen sie gern. An dieser Stelle möchte ich einmal erwähnen, dass Simone Graetsch-Schröder, die die Auswahl der Ernst-Reuter-Preisträgerinnen und –Preisträger vorbereitet, einen ganz hervorragenden organisatorischen Job macht.

Ich bin immer stolz wenn ich sehe, welch fantastische Dissertationen an unserer Universität entstehen. Es ist ein sehr schönes Gefühl, dass wir solche Wissenschaftler haben.

Die Fragen stellte Nora Lessing

Weitere Informationen

Ernst-Reuter-Tag 2014 – Gründungsjubiläum der Freien Universität Berlin

Zeit und Ort

  • Donnerstag, 4. Dezember 2014, 18 Uhr
  • Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin, Garystr.35, 14195 Berlin (U-Bhf. Thielplatz, U3)
  • Anmeldung bis zum 1. Dezember unter einladung@fu-berlin.de

Über den Ernst-Reuter-Tag

Informationen zum Deutschlandstipendium an der Freien Universität