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Wie ein großes Klassentreffen

Beim Festakt zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft von Sciences Po und dem Otto-Suhr-Institut kamen Studierende, Alumni, Professoren und Politiker aus Frankreich und Deutschland zusammen

29.10.2014

Eng mit Sciences Po verbunden: Frédéric Mion, Direktor der Pariser Hochschule (li.), und Politikprofessor Alfred Grosser, der schon durch seine Biografie die gelungene Kooperation der politikwissenschaftlichen Institute verkörpert.
Eng mit Sciences Po verbunden: Frédéric Mion, Direktor der Pariser Hochschule (li.), und Politikprofessor Alfred Grosser, der schon durch seine Biografie die gelungene Kooperation der politikwissenschaftlichen Institute verkörpert. Bildquelle: Thomas Arrive, Sciences Po
Beim abendlichen Empfang in der französischen Botschaft am Pariser Platz begrüßte der Französische Botschafter Philippe Etienne (2. v. l.) Studierende, Ehemalige und Professoren von Sciences Po und dem Otto-Suhr-Institut der Freien Universität.
Beim abendlichen Empfang in der französischen Botschaft am Pariser Platz begrüßte der Französische Botschafter Philippe Etienne (2. v. l.) Studierende, Ehemalige und Professoren von Sciences Po und dem Otto-Suhr-Institut der Freien Universität. Bildquelle: Thomas Arrive, Sciences Po
Für Sabine von Oppeln, die die Kooperation von Sciences Po und dem Otto-Suhr-Institut von Beginn an begleitet hat, war das Jubiläum etwas ganz Besonderes. „Ich habe mich ein bisschen gefühlt, als hätte ich selbst Geburtstag.“
Für Sabine von Oppeln, die die Kooperation von Sciences Po und dem Otto-Suhr-Institut von Beginn an begleitet hat, war das Jubiläum etwas ganz Besonderes. „Ich habe mich ein bisschen gefühlt, als hätte ich selbst Geburtstag.“ Bildquelle: Verena Blindow

Strahlende Gesichter, herzliche Umarmungen und ein fröhliches Gemisch aus Deutsch und Französisch – der Henry-Ford-Bau gleicht an diesem Freitagabend im Oktober einem großen Klassenzimmer, in dem sich alte Schulkameraden nach langer Zeit wiedersehen. Ganz unbegründet ist dieser Eindruck nicht, treffen hier doch Generationen von Studierenden, Dozenten und Hochschulmitarbeitern des Institut d’Etudes Politiques in Paris, kurz Sciences Po, und des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft (OSI) der Freien Universität Berlin aufeinander. Gemeinsam mit Gästen wie dem renommierten Politikwissenschaftler Alfred Grosser und dem französischen Botschafter Philippe Etienne feiern sie das 30-jährige Bestehen der Kooperation beider Institute.

„Mit 30 Jahren ist man sehr erwachsen – aber auch sehr jung.“ Mit diesen Worten leitet Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität, die „sehr exzeptionelle Feierlichkeit“ im Hörsaal des Henry-Ford-Baus ein. Es sei ein Alter, in dem man bereits vieles erlebt und noch viel Neues vor sich habe. Dass dieses für die Partnerschaft des Institut d'Etudes Politiques in Paris, kurz Sciences Po, und des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft (OSI) der Freien Universität im wörtlichen Sinn gilt, zeigt der Blick in die Ränge: Dort sitzen Erstsemester neben Alumni, Professoren neben Studierenden verschiedener Jahrgänge. Frédéric Mion, Direktor von Sciences Po, der selbst an der Pariser Hochschule studiert hat, schließt sich dem Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft seines Vorredners an: „In 30 Jahren, im Jahr 2044, werden hier noch viel mehr Menschen gemeinsam feiern.“

Schwierigen Verhandlungen und Bedenken zum Trotz

Grund zum Feiern gibt es allemal, denn die Kooperation der beiden politikwissenschaftlichen Institute war lange nicht selbstverständlich. In den frühen achtziger Jahren hatte Gerhard Kiersch, ehemaliger Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, die Idee, mit Sciences Po ein Austauschprogramm zu initiieren. Ein gewagter Schritt, galt das Pariser Institut doch als Elite-Einrichtung, die für viele französische und erst recht für ausländische Studierende schwer zugänglich war. Dazu kamen große Unterschiede im Lehr- und Lernbetrieb und den Kulturen beider Länder.

Doch trotz der schwierigen Verhandlungen und anfänglicher Bedenken glückte der Vorstoß, erzählt Sabine von Oppeln: „1984 war es so weit: Beide Hochschulen richteten gemeinsam einen integrierten Studienaustausch ein.“ Die Politologin war zu der Zeit wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Gerhard Kiersch und an den Anfängen beteiligt. Zusammen mit deutschen und französischen Studierenden hat sie 1987 ein Memorandum entwickelt, das zeigen sollte, wie ein gemeinsamer, integrierter Studiengang aussehen könnte.

Das Studienprogramm aktiv mitgestalten

Die Früchte ihrer Arbeit erlebt Sabine von Oppeln seitdem im täglichen Umgang mit den Studierenden und den französischen Partnern. Doch auch für sie ist der feierliche Abend etwas ganz Besonderes. „Das 30-jährige Jubiläum der Partnerschaft mit Sciences Po bedeutet in meinem Fall auch 30 Jahre meiner Berufstätigkeit“, sagt die Politologin. Welche Rolle Sabine von Oppeln für die deutsch-französische Partnerschaft spielt, machen an diesem Abend alle Festredner deutlich. Sie betonen ihr Engagement und ihre Verdienste, und die Alumni bedanken sich mit einem bunten Blumenstrauß ganz persönlich bei ihrer Mentorin. Von dem großen Zuspruch ist die Wissenschaftlerin sichtlich gerührt: „Ich habe mich ein bisschen gefühlt, als hätte ich selbst Geburtstag.“

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Frédéric Mion, Direktor von Sciences Po, Sabine von Oppeln, Professorin für Politikwissenschaft, und Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin (v.l.n.r.).
Frédéric Mion, Direktor von Sciences Po, Sabine von Oppeln, Professorin für Politikwissenschaft, und Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin (v.l.n.r.). Bildquelle: Thomas Arrive, Sciences Po
Wie kann eine deutsch-französische Zusammenarbeit in Europa aussehen? Darüber diskutierten Politiker, Studierende und Ehemalige unter der Moderation des Journalisten Alois Berger.
Wie kann eine deutsch-französische Zusammenarbeit in Europa aussehen? Darüber diskutierten Politiker, Studierende und Ehemalige unter der Moderation des Journalisten Alois Berger. Bildquelle: Thomas Arrive, Sciences Po

Die enge Verbundenheit der Studienprogramm-Teilnehmer heben auch die Festredner hervor. Professor Peter-André Alt spricht von einer „lebendigen, transnationalen Partnerschaft“. Frédéric Mion betont, dass es die Studierenden sind, die die Werte der Kooperation verkörpern. Und Philippe Etienne, Französischer Botschafter, fordert die jungen Menschen beider Nationen auf, Bande zu knüpfen. Christina Heicappell zufolge ist dies bereits geglückt. Die Vorsitzende des Ehemaligenvereins „Association Gerhard Kiersch Verein“ (AGKV) erinnert in ihrer Ansprache daran, dass jeder der Anwesenden seine ganz persönliche Geschichte mit Sciences Po und dem OSI verbinde.

Beitrag zur Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland

Politikprofessor Alfred Grosser, einer der ganz großen Vertreter der deutsch-französischen Freundschaft, verkörpert die gelungene Kooperation: Als deutscher Jude war Alfred Grosser während der Nazi-Zeit gezwungen, nach Frankreich zu flüchten. Er wurde dort zum Professor für Politikwissenschaft an Sciences Po ernannt und intensivierte nach dem Zweiten Weltkrieg die Kontakte mit dem Otto-Suhr-Institut – als Beitrag zur Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich. Gerhard Kiersch, der aus diesen Kontakten schließlich die Partnerschaft der politikwissenschaftlichen Institute erwachsen ließ, war Grossers Schüler. Der heute 89-jährige Alfred Grosser mahnt, dass Deutschsein auch bedeute, „darüber nachzudenken, was einem die Vergangenheit auferlegt“. Er ermuntert die Anwesenden, europäisch zu denken.

Welche Perspektiven die deutsch-französische Zusammenarbeit in Europa haben kann und was die Absolventen von Sciences Po und dem Otto-Suhr-Institut dazu beitragen können, steht im Zentrum der Podiumsdiskussion, die sich an die Festreden anschließt. Es diskutieren Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt und Beauftragter der Bundesregierung für die deutsch-französische Zusammenarbeit, Nicole Fontaine, ehemalige Präsidentin des EU-Parlaments und ehemalige französische Industrieministerin, sowie Studierende und Alumni des deutsch-französischen Studienprogramms. Moderiert wird der Runde Tisch von dem Journalisten Alois Berger aus Bonn, der 15 Jahre lang für verschiedene Medien wie die taz, den Deutschlandfunk und den WDR aus Brüssel berichtet hat. Über die rege Diskussion, die nicht nur auf dem Podium stattfindet, sondern auch in den Zuschauerrängen, freut Sabine von Oppeln sich besonders. Verwundert über die vielen Wortmeldungen ist sie jedoch nicht. „Immerhin sind hier alle Experten für deutsch-französische und europäische Politik.“

Seinen gelungenen Abschluss fand der Jubiläumstag mit einem abendlichen Empfang in der französischen Botschaft am Pariser Platz. Mit mehr als 200 Personen war die Abendveranstaltung gut besucht. Viele Ehemalige waren extra angereist, aus Brüssel oder Paris. Und manche nutzten die Gelegenheit gleich für ein Wochenende in Berlin. Wie bei einem großen Klassentreffen.

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