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„Hier wird eine Ikone gefeiert”

Filmvorführung am 3. Juli, 18 Uhr: Die amerikanische Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde / Ausstellung im John-F.-Kennedy-Institut

03.07.2014

Julia Mayer leitet die Bibliothek des John-F.-Kennedy-Instituts, in der die Audre-Lorde-Ausstellung gezeigt wird.
Julia Mayer leitet die Bibliothek des John-F.-Kennedy-Instituts, in der die Audre-Lorde-Ausstellung gezeigt wird. Bildquelle: Krishan van der Kooi

„Black lesbian feminist mother poet warrior“. So bezeichnete sich die US-amerikanische Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde selbst. Im Sommersemester 1984 hielt sie am John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität als Gastprofessorin Vorlesungen. Drei Jahrzehnte später zeigt eine Ausstellung in der Bibliothek des Instituts Portraits der Aktivistin, die sich für die Rechte von Schwarzen, Frauen und Homosexuellen einsetzte. Am 3. Juli zeigt das John-F.-Kennedy-Institut die Dokumentation „Audre Lorde – The Berlin Years, 1984 to 1992“.

1984 lud Dagmar Schultz, die damals selbst am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien lehrte, die amerikanische Aktivistin und Frauenrechtlerin Audre Lorde zu einer Gastprofessur an die Freie Universität ein. Die Schriftstellerin bot damals drei Kurse an: „Contemporary Black Women’s Literature“, „The Poet as Outsider“ und „Contemporary Women’s Poetry“.

Zwischen Schultz und der „Kriegerin”, wie sich Audre Lorde selbst nannte, entstand eine Freundschaft. „Zwischen 1984 und 1992, dem Jahr, indem sie starb, verbrachte Audre Lorde jedes Jahr mehrere Wochen in Berlin“, sagt Birgit Rehse, Leiterin des Universitätsarchivs der Freien Universität.

Prägende Figur

Die Aktivistin hatte großen Einfluss auf die afro-deutsche Bewegung, gab vielen Schwarzen in Deutschland und Europa ein neues Selbstverständnis und Zugehörigkeitsgefühl. „Sie hat mitangeregt, dass afro-deutsche – ein Begriff, der damals erst geprägt wurde – Frauen sich stärker mit ihrer Identität auseinandergesetzt haben. Dass sie sich gefragt haben: Was bedeutet es eigentlich, afro-deutsch zu sein?“, sagt Rehse.

Audre Lorde schrieb Gedichte, Romane und Zeitungsbeiträge. Sie hielt Lesungen und Seminare, war eine charmante, lebendige Person. Das zeigt die kleine Foto-Ausstellung in der Bibliothek des John-F.-Kennedy-Instituts. Porträts, die in privaten Momenten entstanden sind, aber auch eine Aufnahme, die Lorde vor Studierenden im Hörsaal zeigt. Die meisten dieser Fotos machte Dagmar Schultz, regelmäßige Weggefährtin Lordes in deren Berliner Jahren.

Freundin, Weggefährtin, Verlegerin

„Dagmar Schultz war nicht nur persönlich als Mensch an Lorde interessiert, sondern auch in ihrer Funktion als Verlegerin im Orlanda-Frauenverlag und als Wissenschaftlerin“, sagt Birgit Rehse. In dem Film „Audre Lorde – The Berlin Years, 1984 to 1992“ stellt Schultz die Person, aber auch das Wirken der US-amerikanischen Frauenrechtlerin vor – mit Bildern, Video-, aber vor allem Tonaufnahmen.

Den Nachlass aus der Berliner Zeit der 1992 an Brustkrebs verstorbenen Lorde hat Schultz nach Abschluss der Filmarbeiten an das Universitätsarchiv der Freien Universität übergeben. „Die enge Verbindung zwischen Dagmar Schultz und Audre Lorde ist Grundlage für das, was wir jetzt im Archiv haben“, sagt Rehse. Persönliche Briefe, Bilder, Zeitungsinterviews, sogar Tonaufnahmen von Seminaren, die Lorde an der Freien Universität hielt, sind Teil der 250 Archivalien umfassenden Sammlung.

„Es war vor allem damals selten, dass gleich ein ganzes Seminar aufgezeichnet wurde“, weiß Rehse. Doch gerade diese Aufnahmen betonten den außergewöhnlichen Charakter der Lehrveranstaltungen: „Audre Lorde hat die Studierenden dazu ermutigt, selbst Gedichte zu schreiben und vorzutragen. Sie fragte oft nach deren Gefühlen. Man hört sogar in der Aufnahme die Irritation der Studenten heraus“, erzählt Rehse.

„Audre Lorde war eine Vollblut-Aktivistin, die kraftvolle, persönliche Gedichte schrieb“, sagt Julia Mayer, Leiterin der Bibliothek des John-F.Kennedy-Instituts. Das komme in der Ausstellung und im Film „Audre Lorde – The Berlin Years, 1984 to 1992“, der am 3. Juli um 18 Uhr gezeigt wird, eindrucksvoll zur Geltung. „Hier wird eine Ikone gefeiert“, fasst Birgit Rehse zusammen.

Weitere Informationen

Filmvorführung „Audre Lorde – The Berlin Years, 1984 to 1992”

  • 3. Juli, 18 Uhr s.t.
  • Raum 340, John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität, Lansstraße 7-9, 14195 Berlin, U.-Bhf. Dahlem-Dorf (U3)

Ausstellung zu Audre Lorde

Bibliothek des John.-F.-Kennedy-Instituts der Freien Universität, Lansstraße 7-9, 14195 Berlin, U.-Bhf. Dahlem-Dorf (U3)