Freie Universität Berlin


Service-Navigation

„Wie schwer, sich daran zu erinnern“

Ausstellungseröffnung am 25. Oktober um 18 Uhr / 90-jähriger ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener zum Zeitzeugengespräch an der Freien Universität

22.10.2012

Tausende sowjetische Kriegsgefangene auf freiem Feld in den besetzten Ostgebieten, August 1942.
Tausende sowjetische Kriegsgefangene auf freiem Feld in den besetzten Ostgebieten, August 1942. Bildquelle: BArch, Bild 183-B21845
Boris Popow spricht am 26. Oktober im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs über sein Schicksal als sowjetischer Kriegsgefangener.
Boris Popow spricht am 26. Oktober im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs über sein Schicksal als sowjetischer Kriegsgefangener. Bildquelle: Nadin Klomke

„Nicht arbeitende Kriegsgefangene haben zu verhungern“, erklärte Eduard Wagner, Quartiermeister im Oberkommando des deutschen Heeres, im November 1941 den Generälen an der Ostfront. So kam es: Fast 60 Prozent der insgesamt 5,7 Millionen sowjetischen Soldaten, die während des Russland-Feldzuges in deutsche Gefangenschaft gerieten, überlebten die Haft nicht. Die Ausstellung "Russenlager" und Zwangsarbeit. Bilder und Erinnerungen sowjetischer Kriegsgefangener, die am 25. Oktober um 18 Uhr an der Freien Universität eröffnet wird, dokumentiert Einzelschicksale, die sich hinter der großen Zahl verbergen. Einer, der überlebt hat, ist der 90-jährige Boris Popow. Er wird bei der Ausstellungseröffnung anwesend sein.

Die Ausstellung, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Vereins "KONTAKTE – KOHTAKTbI" konzipiert worden ist, wird im Foyer des Hörsaals 1a in der Habelschwerdter Allee 45 gezeigt. Der Verein kämpft seit Jahren für die Anerkennung der sowjetischen Kriegsgefangenen als Opfer des NS-Regimes durch den deutschen Bundestag. „Während zivile Zwangsarbeiter als NS-Opfer angesehen werden, haben Kriegsgefangene kein Anrecht auf Entschädigung“, sagt Sibylle Suchan-Floß von "KONTAKTE – KOHTAKTbI".

Dem Anliegen schließt sich Fabian Bennewitz an. Der 23-Jährige ist Mitglied des Allgemeinen Studierendenausschusses (AstA) der Freien Universität. Der AStA hat die Station der Ausstellung gemeinsam mit der Fachschaftsinitiative Geschichte und mit Unterstützung des Universitätspräsidenten Professor Peter-André Alt in Dahlem organisiert.

Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung

Gezeigt werden historische Fotografien, die das Leid der Gefangenen in den Zwangsarbeitslagern dokumentieren ebenso wie aktuelle Porträts von Überlebenden. Aufgenommen hat sie der Berliner Fotograf Lars Nickel in Russland und Armenien.

Der ehemalige sowjetische Kriegsgefangene Boris Popow ist einer der Porträtierten. Der 93-Jährige aus Minsk wird anlässlich der Ausstellungseröffnung am 25. Oktober an der Freien Universität sein, einen Tag später ist er Gesprächspartner im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs. Es ist Teil eines ausführlichen Rahmenprogramms zur Ausstellung mit Workshops, Vorträgen und einer Lesung. Am 29. November wird der Film „Wie schwer, sich daran zu erinnern“ gezeigt.

„Wir danken Boris Popow sehr, dass er für die Ausstellung noch einmal nach Deutschland zurückkehren wird – in das Land, durch das ihm so viel Leid zugefügt worden ist“, sagt Fabian Bennewitz. „Wir sind sehr glücklich, dass uns "KONTAKTE – KOHTAKTbI" und Boris Popow dieses Zeitzeugengespräch ermöglichen." Durch die Ausstellung solle ein Thema in die Öffentlichkeit gebracht werden, das bisher in der deutschen Bevölkerung nicht hinreichend präsent sei, sagt Bennewitz.

Professor Peter-André Alt ist dankbar dafür, dass die Freie Universität Gelegenheit hat, die Ausstellung auf dem Campus zu zeigen: „Dokumentiert wird hier eine historische Schuld, die durch die Geschichtsforschung ins Gedächtnis unserer Gegenwart gehoben wird.“

Weitere Informationen

Termine

  • 25. Oktober bis 6. Dezember 2012: "Russenlager" und Zwangsarbeit. Bilder und Erinnerungen sowjetischer Kriegsgefangener"
  • 25. Oktober 2012, 18 Uhr: Ausstellungseröffnung (Silberlaube, Hörsaal 1a, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin (U-Bhf. Thielplatz, U 3)
  • 26. Oktober 2012, 16 Uhr: Zeitzeugengespräch und Vortrag (Silberlaube, Raum K 24/21), Gespräch mit Boris Popow, ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener aus Minsk; "Die Repatriierung der sowjetischen Kriegsgefangenen", Vortrag von Dmitri Stratievski, M. A.
  • 8. November 2012, 10–16 Uhr: Workshops (Silberlaube, Raum J24/14, ab 14 Uhr Raum K25/11)
  • Finissage: 6. Dezember 2012, 18 Uhr (Silberlaube, Hörsaal 1a)

Im Internet