Neun Kilometer Bücher in Bewegung

Die Erziehungswissenschaftliche Bibliothek schließt vom 13. bis 19. August ihren bisherigen Standort und zieht für die Dauer der Sanierung in die Van't-Hoff-Straße 6

10.08.2012

Viele der Fachzeitschriften und Bücher der Erziehungswissenschaftlichen Bibliothek sind bereits umgezogen: an die Van't-Hoff-Straße 6. Dort startet der Betrieb am 20. August
Viele der Fachzeitschriften und Bücher der Erziehungswissenschaftlichen Bibliothek sind bereits umgezogen: an die Van't-Hoff-Straße 6. Dort startet der Betrieb am 20. August Bildquelle: Jan Hambura
Die Erziehungswissenschaftliche Bibliothek schließt vom 13. bis 18. August und zieht während der Sanierung in die Van't-Hoff-Straße 6
Die Erziehungswissenschaftliche Bibliothek schließt vom 13. bis 18. August und zieht während der Sanierung in die Van't-Hoff-Straße 6 Bildquelle: Marina Kosmalla
Die Bauarbeiten an der Fabeckstraße sind bereits in vollem Gange, damit die Erziehungswissenschaftliche Bibliothek ab 2015 wieder am gewohnten Standort zur Verfügung steht
Die Bauarbeiten an der Fabeckstraße sind bereits in vollem Gange, damit die Erziehungswissenschaftliche Bibliothek ab 2015 wieder am gewohnten Standort zur Verfügung steht Bildquelle: Marina Kosmalla

Nach fast 30-jährigem Bestehen ist eine Sanierung der Bereichsbibliothek Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik und Psychologie unumgänglich geworden: Die Fußbodenheizung muss instandgesetzt, der Estrich und die Bodenbeläge erneuert, die Oberlichtverglasung energetisch verbessert, und ein Sonnenschutz für das Glasdach eingebaut werden. Hierfür müssen die 400.000 Bände vorübergehend ein neues Zuhause finden. Der Benutzerbereich zieht in die Van't-Hoff-Straße 6, in die Etagen über der Vegetarischen Mensa. Am 20. August startet der Betrieb am neuen Standort.

Am heutigen Freitag hat der Umzug des Benutzerbereichs und der Verwaltung in die Van’t-Hoff-Straße 6 begonnen. Der gesamte Bestand der Erziehungswissenschaftlichen Bibliothek (EWI) wird den Studierenden auch am Interimsquartier zur Verfügung stehen. Die Bücher im Freihandbestand sind weiterhin so nutzbar wie bisher. Die Werke, die durch die Flächeneinschränkung keinen Platz im Lesesaal finden, können aus dem Magazin bestellt werden.

„Im Interesse unserer Benutzer haben wir den Umzug so geplant, dass der Benutzungsbetrieb in der Rost- und Silberlaube so lange wie möglich aufrecht erhalten werden konnte und die Schließung so kurz wie möglich andauert“, sagt Nina Johannsen, promovierte Altphilologin und Leiterin der EWI-Bibliothek. Bis Mittwoch, 15. August, werden der Freihandbestand, die Rechercheterminals, der Copy-Shop, die Ausleihverbuchung und die für die Benutzung zuständigen Mitarbeiter umziehen. „Am Donnerstag und Freitag werden wir dafür sorgen, dass alles wieder läuft, um sicherzustellen, dass wir am 20. August mit einem reibungslosen Betrieb starten können.“

Ehrgeizige Ziele

Die Planung des Umzugs und die ersten Arbeiten haben schon früh begonnen. Im Oktober letzten Jahres – als Nina Johannsen die Leitung der Bibliothek übernahm – waren die Anfänge schon gemacht, wie zum Beispiel die Planung der Räumlichkeiten, Arbeitsplätze und Regalbestückung im Interimsquartier. Ende letzten Jahres wurden dort schon Baumaßnahmen durchgeführt. Denn anders als die Bibliothek der Rechtswissenschaften, die während der Sanierung ihres Lesesaals ebenfalls die Räumlichkeiten über der Mensa nutzte, zieht die EWI-Bibliothek auch mit der bibliothekarischen Verwaltung ein. Daher sind einige Flächen des Gebäudes zu Büros umgebaut worden.

Ein ehrgeiziges Ziel wurde schon im Vorfeld erreicht, über das sich Nina Johannsen besonders freut: „Wir ziehen nur mit Bestand in die Van’t-Hoff-Straße, der nach der Regensburger Verbundklassifikation (RVK) aufgestellt ist. Darauf haben wir uns seit gut einem Jahr konzentriert und die Bestände, die wir mitnehmen wollten, vorrangig bearbeitet.“ Die RVK ist eine Aufstellungssystematik zur sachlichen Erschließung von Beständen in wissenschaftlichen Bibliotheken. Sie wurde an der Universitätsbibliothek Regensburg entwickelt und wuchs zum größten Klassifikationsverbund im deutschsprachigen Raum an. „Die einheitliche Systematisierung vereinfacht die Orientierung am neuen Standort sehr“, sagt Johannsen. „Die verschiedenen Signatursysteme, die wir in der EWI bisher hatten, haben manchmal doch für Verwirrung bei den Benutzern gesorgt. Seit ihrem Bestehen hat die Bereichsbibliothek nach und nach die Bibliotheken der Psychologie, Japanologie, Sinologie, Evangelischen Theologie, Religionswissenschaft und Koreastudien in ihrem Haus aufgenommen, sowie die Bestände der Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung – jeweils mit einer eigenen Systematik.“

Gut erreichbar auch die Magazinbestände

Den Grundbestand in der Van’t-Hoff-Straße bildet die aktuelle Forschungsliteratur mit Erscheinungsjahr ab 2000 sowie wichtige Referenzliteratur. Darüber hinaus konnten Institute und Arbeitsbereiche Themen oder auch einzelne Titel aus früheren Jahren benennen, die für die laufende Arbeit benötigt werden. Am weiteren Bestandsaufbau im Interimsquartier wirken alle Bibliotheksbenutzer aktiv mit – durch das Konzept des „patron-driven collection building“. Das bedeutet, dass Literatur aus dem Magazinbestand, die häufig nachgefragt wird, in den Freihandbereich aufgenommen wird und dort zum Gebrauch verbleibt.

„Während der gesamten Planungszeit funktionierte die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Instituten, deren Teilbibliotheken in der EWI untergebracht sind, und der Technischen Abteilung, die unter anderem passende Ausweichstandorte finden musste, meistens sehr gut“, sagt Johannsen. „Insgesamt haben wir etwa neun Kilometer Bücher, die wir bewegen müssen.“ Gelagert werden die Bestände in Magazinräumen, die gut erreichbar sind, sodass bestellte Bücher den Nutzer schnell erreichen: Ziel ist es, dass an einem Tag bestellte Bücher am darauffolgenden Öffnungstag zur Verfügung stehen. Wer freitags bestellt, hat das Buch am Montag in der Hand.

Flexiblere Ausleihe und Öffnungszeiten während der Übergangszeit

Ursprünglich war der Umzug für März vorgesehen, da die Sanierung an den benachbarten Neubau für die Kleinen Fächer gekoppelt ist. „Als sich dann herausstellte, dass sich der Beginn der Sanierungsarbeiten innerhalb des Gebäudes bis in den September verschiebt, haben wir alles daran gesetzt, den Umzug möglichst weit hinauszuschieben“, sagt Johannsen. Denn leider sind Einschränkungen im Buchbestand und auch in der Zahl der Benutzerarbeitsplätze aus Platzgründen unvermeidlich. „Nach unserer Benutzerzählung sind am Standort in der Rost- und Silberlaube nie mehr Plätze gleichzeitig besetzt als demnächst in der Van’t-Hoff-Straße 6 zur Verfügung stehen werden. Aber es macht natürlich einen Unterschied, ob rings herum noch 120 Plätze frei sind oder nur 20.“

Zum anderen wurde nicht direkt nach Vorlesungsende geschlossen, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, sich auf Klausuren vorzubereiten und Hausarbeiten abzuschließen. Zudem wurde ab dem 1. August eine Sonderausleihe eingerichtet: Wer nicht mehr in der EWI arbeiten wollte, weil es zu unruhig war, hatte seitdem die Möglichkeit, Bücher bis zum 21. August auszuleihen, bis nach dem erfolgten Umzug.

Regelmäßige Informationen über den Stand der Arbeiten

Um die Nutzer über Planung und Termine auf dem Laufenden zu halten, wurden seit Ende letzten Jahres Flyer ausgelegt und die Bibliotheks-Website regelmäßig aktualisiert. „Manche Einschränkungen ließen sich trotz aller vorbereitenden Maßnahmen leider nicht verhindern, da können wir nur um Verständnis bitten.“ Kleine Reminiszenzen an die EWI-Bibliothek wird es im Übergangsquartier geben: Auch in der Vant’t-Hoff-Straße gibt es Pflanzbecken und im oberen Stockwerk ein Glasdach.

Ab 2015 soll die Erziehungswissenschaftliche Bibliothek wieder am gewohnten Standort zur Verfügung stehen.