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Dabei sein ist (fast) alles

Studentin und Ruderin Julia Richter tritt bei den Olympischen Spielen an

27.07.2012

Zwischen Hörsaal und Training: Julia Richter (1. von vorn) tritt bei den Olympischen Spielen in London an.
Zwischen Hörsaal und Training: Julia Richter (1. von vorn) tritt bei den Olympischen Spielen in London an. Bildquelle: Thomas Affeldt
Julia Richter (li.) und ihr Team holten bei den Ruder-Europameisterschaften 2010 die Silbermedaille.
Julia Richter (li.) und ihr Team holten bei den Ruder-Europameisterschaften 2010 die Silbermedaille. Bildquelle: OSP

Das harte Training und die Entbehrungen der Vergangenheit haben sich für sie ausgezahlt: Wenn heute Abend in London die 30. Olympischen Spiele eröffnet werden, dann wird Julia Richter Teil des Spektakels sein. Die Studentin der Freien Universität gehört zu den 392 Athletinnen und Athleten der deutschen Olympiamannschaft, die in der britischen Hauptstadt um eine Medaille kämpfen werden. Für die Ruderin geht damit ein langgehegter Traum in Erfüllung.  

Wer sich vor einigen Wochen mit Julia Richter unterhalten hat, konnte immer wieder dieses eine Wort hören: Planung. Training, Lesen, Lernen, das ganze Leben – alles nach Plan. Wenn ihre Kommilitonen morgens aufstanden, um an die Universität zu fahren, hatte Julia Richter meist schon die erste Trainingseinheit hinter sich gebracht: Ein bis zwei Stunden Laufen oder Krafttraining zwischen sechs und acht Uhr morgens gehörten für die Top-Ruderin zum Alltag – auch, dass sie als Studentin nach dem Frühsport wie alle anderen das Seminar oder die Vorlesung besuchen musste.

Nur am Abend habe sie manchmal gemerkt, dass die Kombination aus Spitzensport und Studium trotz optimaler Planung sehr anstrengend ist: „Wenn ich um neun oder zehn Uhr zu Hause war, wusste ich zwar, dass ich vielleicht noch einen Text hätte lesen müsste“, sagt Julia Richter. „Aber dazu war ich dann manchmal physisch gar nicht mehr in der Lage.“

Ihr erklärtes Ziel: ein Platz auf dem Treppchen

Julia Richter studiert an der Freien Universität Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Doch in diesem Semester musste sie in ihrem Studium etwas kürzertreten: Heute beginnen in London die Olympischen Spiele – und die Studentin ist dabei. Seit Langem war dies der große Traum der 23-Jährigen.

Um für die Vorbereitung optimal trainieren zu können, hatte sie ein Urlaubssemester genommen. „Mit den vielen gemeinsamen Trainingseinheiten und Wettkämpfen wäre das nicht mehr möglich gewesen“, sagt sie. Ihr erklärtes Ziel: sich bei den Spielen einen Platz auf dem Treppchen zu erkämpfen, wie sie es schon 2010 bei der Ruder-Weltmeisterschaft in Neuseeland mit dem Doppel-Vierer geschafft hat und 2011, als sie mit ihren Kolleginnen Gold gewann bei der Weltmeisterschaft im slowenischen Bled.

 „Spitzensportler sind sehr gut organisiert und zielstrebig“

Für Jörg Förster, den Spitzensportbeauftragten und Leiter der Zentraleinrichtung Hochschulsport der Freien Universität, ist die Lebensplanung der Olympiahoffnung vorbildlich – aber eben auch typisch Spitzensportler, wie er findet. „Spitzensportler sind sehr gut organisiert und zielstrebig“, sagt Förster, „die besten Voraussetzungen, um auch im Studium erfolgreich zu sein.“ Selbstverständlich sei es jedoch nicht, dass eine solche „duale Karriere“ tatsächlich gelinge.

Denn nicht immer reiche der Wille der Sportler alleine, um diesen Kraftakt zu bewältigen. Oft müssen Prüfungen wegen Lehrgängen verschoben werden oder Klausurentermine umdisponiert. Häufig fragen die Sportler ihn dabei um Unterstützung. Bisher seien Dozenten, Dekane und Professoren immer sehr kooperativ und hilfsbereit gewesen.

Wichtig sei, sagt Förster, in den Studienordnungen Wege zu finden, um die besonderen Belastungen der Sportlerinnen und Sportler mit den Studienanforderungen in Einklang zu bringen – zum Beispiel vor Olympischen Spielen. Das gehe nicht ohne die Expertise der Ansprechpartner in den Fachbereichen, die sich mit den einzelnen Studienordnungen genau auskennen. Und auch nicht ohne ihre Hilfsbereitschaft.

Keine Frage, dass sie alle der jungen Studentin ganz fest die Daumen drücken für eine Medaille – ebenso wie das Team von campus.leben!