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Ab ins Weltall

Wissenschaftlich begleitet: Die Retrospektive „Weltraumkino“ im Zeughauskino

04.04.2011

Szene aus dem Film "Frau im Mond" des Regisseurs Fritz Lang aus dem Jahr 1929. Der Film wurde im Rahmen der Retrospektive Weltraumkino vorgeführt.
Szene aus dem Film "Frau im Mond" des Regisseurs Fritz Lang aus dem Jahr 1929. Bildquelle: Horst von Harbou / Deutsche Kinemathek

Vierzig Jahre bevor Apollo 11 die rund 400.000 Kilometer Richtung Mond zurücklegte und Neil Armstrong den Erdtrabanten betrat, nahm der Regisseur Fritz Lang das Szenario filmisch vorweg. Im Herbst 1929 hatte der Stummfilm „Frau im Mond“ im Berliner UFA-Palast Premiere. Das Zeughauskino zeigte nun das dreistündige Epos im Rahmen der Filmreihe „Weltraumkino“, von Stephan von Bothmer am Flügel begleitet.

Rund zwei Stunden und einige dramatische Verwicklungen vergehen, bis das Raketenschiff „Friede“, das der Ingenieur Wolf Helius (Willy Fritsch) nach seiner Assistentin Friede Velten (Gerda Maurus) benannt hat, für den Flug zum Mond vor seiner Werft bereitsteht. Um den Raketenstart spannender zu inszenieren, ließ Fritz Lang die letzten Sekunden herunterzählen und erfand damit den Countdown.

Der erste deutsche Science-Fiction-Film

Frau im Mond gilt als der erste veritable deutsche Science-Fiction-Film und ist nach Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum vielleicht der zweitwichtigste der Weltraumkinogeschichte überhaupt, zumindest aus westeuropäischer Perspektive“, sagt Alexander Geppert, der an der Freien Universität zur Kulturgeschichte des europäischen Weltraums forscht.

Der Historiker führte in den letzten Stummfilm von Fritz Lang ein. Vier Jahre Vorbereitungszeit benötigte der Film, dessen Drehbuch von Langs Ehefrau Thea von Harbou stammt. Gedreht wurde der Film von Januar bis September 1929 in Neubabelsberg.

Die UFA berief für die Filmproduktion einen wissenschaftlichen Beirat, an dessen Spitze der Begründer der Raketentechnik Herman Oberth stand. „Fritz Lang arbeitete mit den maßgeblichen Experten der frühen Weltraumbewegung, sodass die Grenzen zwischen Science und Fiction von Anfang an verschwammen“, sagt Geppert. Der Historiker leitet die Emmy-Noether-Forschergruppe „Die Zukunft in den Sternen: Europäischer Astrofuturismus und außerirdisches Leben im 20. Jahrhundert" an der Freien Universität.

Den Mondflug denkbar gemacht

Der Raketenstart sollte so realistisch wie möglich erscheinen – obwohl eine Mondmission erst viel später realisiert wurde. Die Nachwirkungen der fiktionalen Mondfahrt kamen der Weltraumbewegung in den 1920er und 30er  Jahren zupass. „Frau im Mond“ machte die Idee, den Weltraum zu erkunden in der Weimarer Zeit nicht nur denkbar, sondern auch populär –  und war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Vision einer Mondrakete später von Oberths Schüler Wernher von Braun realisiert werden konnte.

Bevor die Frau im Mond, Friede Velten, mit bleibeschwerten Stiefeln das Weltraumschiff verlässt, kommt ihr der verschrobene Professor Georg Manfeldt (Klaus Pohl) zuvor. Der findet schnell heraus, dass die Atmosphäre auf dem Mond Sauerstoff enthält, weshalb er seinen Weltraumanzug ablegen kann. Diesen Kniff habe sich Fritz Lang überlegt, da man sonst die behelmten Akteure voneinander nicht hätte unterscheiden können, sagt Geppert.     

Die Retrospektive „Weltraumkino“ läuft noch bis zum 8. Mai und spiegelt das Weltraumkino in seiner ganzen Bandbreite wider. Ein Schwerpunkt liegt auf den Filmen der 1950er bis 1970er Jahre. Wissenschaftler, Doktoranden und Studierende führen in die Thematik ein und stellen alle Filme vor.

Weitere Informationen

Veranstaltungsort:

Zeughauskino, Deutsches Historisches Museum, (Zeughausgebäude Eingang Spreeseite), Unter den Linden 2, 10117 Berlin; Kinokasse: 030 / 20 30 47 70;
Öffnungszeit: eine Stunde vor Beginn der ersten Vorstellung;
Kinoeintrittspreis: 5 Euro für alle Vorstellungen

Das Programm im Internet:

www.geschkult.fu-berlin.de/v/Weltraumkino
www.dhm.de/kino/weltraumkino.html