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Aktuelle Forschungsprojekte

Todesfälle von DDR-Bürgern bei Fluchtversuchen über Ostblockstaaten

Der Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin untersucht im Rahmen des Forschungskonsortiums "Grenzregime" gemeinsam mit den Universitäten Greifswald und Potsdam Todesfälle von DDR-Bürgern bei Fluchtversuchen über Ostblockstaaten und über die Ostsee sowie die Rechtsbeugung des DDR-Justizministeriums gegen Ausreisewillige. Die Forschungsteams der drei Universitäten wenden sich den Schicksalen von Menschen zu, die den gefährlichen Weg aus der SED-Diktatur in die Freiheit wagten und dafür ihr Leben oder langjährige Haftstrafen riskierten. Die Biografien der in Berlin und an der innerdeutschen Grenze ums Leben gekommenen Flüchtlinge sind umfangreich dokumentiert. Der Verbund "Grenzregime" schließt eine Forschungslücke, indem er  Todesfälle von DDR-Bürgern bei Fluchtversuchen über Ostblockstaaten und über die Ostsee sowie die Funktion des DDR-Justizministeriums im SED-Staat und die Willkürjustiz gegen Ausreisewillige und Flüchtlinge untersucht.

Die Verbundforschung der drei Universitäten wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund drei Millionen Euro gefördert. Das BMBF hat in einem wettbewerblichen Verfahren aus über 100 Bewerbungen 14 Forschungskonsortien ausgewählt, die in den nächsten vier Jahren mit einer Fördersumme von 40 Millionen Euro unterstützt werden, um eine stärkere Verankerung der DDR-Forschung in der deutschen Hochschul- und Forschungslandschaft zu garantieren.

Das Teilprojekt des Forschungsverbundes SED-Staat befaßt sich mit den Todesfällen von DDR-Bürgern an den Grenzen der osteuropäischen Anreinerstaaten des Eisernen Vorhangs. Recherchen im deutschen Archivgut und Zeitzeugenbefragungen erfolgen durch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsverbundes SED-Staat. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, dem ehemaligen Jugoslawien, Albanien, Griechenland und Österreich untersuchen als Kooperationspartner des Forschungsprojekts die dortigen Überlieferungen zu Todesfällen von DDR-Bürgern.

Die drei Teilprojekte sind auf vier Jahre angelegt. Sie werden die Ergebnisse ihrer Untersuchungen in zwei biografischen Handbüchern zu den bei Fluchtversuchen über osteuropäische Staaten und die Ostsee ums Leben gekommenen DDR-Bürger sowie in einer Monopgrafie über das DDR-Justizministerium und justizielle Willkürmaßnahmen gegen Ausreisewillige und DDR-Bürger, deren Fluchtversuche gescheitert sind.  Das Center für Digitale Systeme (CeDiS) in der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin wird Zeitzeugeninterviews und Forschungsergebnisse der drei Teilprojekte auf einer Webseite im Internet für die politische Bildung zur Aufklärungsarbeit über das geteilte Deutschland und die SED-Diktatur aufbereiten. Mit mehreren Grenzlandmuseen und Erinnerungsstätten ist dazu eine Zusammenarbeit vereinbart.

E-Mail: eiserner-vorhang@campus.fu-berlin.de

Internetseite: https://www.eiserner-vorhang.de/

Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Schroeder. Dr. Jochen Staadt
Mitarbeiter: Prof. Dr. Stefan Appelius, Dr. Carina Baganz, Alexander Heinert, Uta Schulz, Enrico Seewald;
Studentische Hilfskräfte: Sooahn Kim, Hannes Puchta
Laufzeit: 1. November 2018 - 31. Oktober 2022
Zuwender: Bundesministerium für Bildung und Forschung


Ehemalige Nationalsozialisten im DDR-Bildungswesen

Viele Bundesministerien haben in den vergangenen Jahren die Vergangenheit ihrer Vorläuferinstitutionen in der Zeit des Nationalsozialismus untersuchen lassen einschließlich der Frage, inwiefern die nach 1949 tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Nationalsozialismus verstrickt waren. Viel weniger untersucht ist dies für die zentralen Behörden der DDR-Verwaltung. Entgegen der offiziellen Propaganda integrierte der SED-Staat schon bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges ehemalige Nationalsozialisten in Politik und Gesellschaft, in dem er ihnen berufliche und politische Aufstiegschancen bot. So waren bisherigen Recherchen zufolge zum Beispiel von knapp 6.000 SED-Funktionären in der Ministerialbürokratie Anfang der 1950er Jahre etwa 1.000 frühere Nationalsozialisten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dem Projekt sollen nicht nur die Frage beantworten, wie viele ehemalige Nationalsozialisten ihre Arbeit unter neuen Prämissen fortsetzten und wie sie sich politisch-ideologisch anpassten. Rekonstruiert werden soll auch der Umgang der staatlichen Institutionen und der herrschende Partei SED mit ehemaligen Nazis in Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen. Darüber hinaus soll die Frage beantwortet werden, ob und warum dieser Personenkreis als unverzichtbar angesehen wurde.

Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Schroeder. Dr. Jochen Staadt
Mitarbeiter: Dr. Petra Rentrop-Koch, Olga Shtyrkina, Saskia Weise-Pötschke, Maximilan Zorn; Studentische Mitarbeiterin Sara Elkmann
Laufzeit: 1. November 2017 - 31. Oktober 2020
Zuwender: Bundesministerium für Bildung und Forschung


"Die andere Galerie“ – unterdrückte Kunst aus der DDR

Die Geschichte der bildenden Kunst in der DDR ist bis heute nicht vollständig geschrieben. Die Restriktionen, unter denen Kunst in diesem totalitären Staat entstand, sind bislang in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Es wird als gegeben hingenommen, dass einzelnen Künstlern eine mehr oder weniger prominente Rolle zufiel, und dass diese bekannten Staatskünstler auch die kunsthistorisch bedeutenderen Werke geschaffen hätten. Tatsächlich aber wurden Künstler, die sich um der Freiheit ihrer Arbeit willen dem Diktat der Partei entzogen, behindert und benachteiligt: Eine breitere Öffentlichkeit erreichten sie nur in Ausnahmefällen. Eine umfassende Würdigung der „anderen“, zurückgedrängten DDR-Künstler steht aus. Die Erinnerung an diese Ausgegrenzten und ihre Arbeiten soll im Zentrum des geplanten Forschungsprojekts stehen. Es dient der Vorbereitung einer Ausstellung mit Werken von unterdrückten DDR-Künstlern.

Projektleitung: Dr. Jochen Staadt
Mitarbeiterin: Felicitas Fey
Laufzeit: 31.01.2016 – 31.01.2018
Zuwender: Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin


Fluchtweg Bulgarien

Die meisten Fluchtversuche von DDR-Bürgern erfolgten nach dem Bau der Mauer nicht etwa über die innerdeutsche Grenze, die Ostsee oder die Transitstrecken – sondern über Drittländer. Der Fluchtweg über Drittländer schien vielen DDR-Bürgern weniger gut bewacht und damit sicherer zu sein, während man aus Berichten westlicher Medien wusste, dass es an der innerdeutschen Grenze und an der Berliner Mauer bereits zu zahlreichen Todesfällen gekommen war. Im Zuge der Erforschung des Fluchtwegs Bulgarien wird untersucht, warum DDR-Bürger versuchten, über Bulgarien in den Westen zu gelangen, welche Fluchtwege sie nutzten und wie die Zusammenarbeit des Ministeriums für Staatssicherheit mit dem Bulgarischen Innenministerium (MWR) organisiert war. Darüber hinaus werden die Biographien der bei Fluchtversuchen in der Volksrepublik Bulgarien getöteten DDR-Bürger dokumentiert, soweit diese bisher namentlich bekannt sind.

Projektleitung: Dr. Jochen Staadt
Mitarbeiter: Prof. Dr. Stefan Appelius
Laufzeit: 15.03.2015 – 31.12.2015
Zuwender: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur


Die Opfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze. Ein Forschungs- und Dokumentationsprojekt

Das Schicksal der Opfer des DDR-Grenzregimes an der ehemaligen innerdeutschen Grenze war – im Gegensatz zu den Todesopfern an der Berliner Mauer – noch nicht grundlegend erforscht. Ein von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters und den Ländern Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen gefördertes Forschungsprojekt hat alle Todesfälle an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze untersucht und Biografien der Todesopfer publiziert. Das biografische Handbuch, das die Ergebnisse des Forschungsprojektes enthält, ist im Peter Lang Verlag und bei der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen.

Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Schroeder, Dr. Jochen Staadt
Mitarbeiter: Dr. Jan Kostka, MA Mandy Palme; Studentische Mitarbeiterin: Lisa Herbst; Freie Mitarbeiter: Prof. Dr. Stefan Appelius, Inge Bennewitz, Dr. Jan Gülzau, Andreas Neumann, Conny Rubach, Uta Schulz, Erik Zurth, Gerhard Schätzlein, Joachim Heise.
Zuwender: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Bundesländer Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Laufzeit: 15.07.2012 – 31.12.2016


Deportierte deutsche Zivilverschleppte in der Sowjetunion (1944-1956)

Ein deutsch-russisches Kooperationsprojekt.

Projektleitung: Ute Schmidt; Mitarbeiter, Kooperationspartner: Prof. Dr. Sergej Kretinin (Staatliche Universität Voronez), Dr. habil. Nikita Petrov (Stellvertretender Leiter der Forschungsabteilung von „Memorial Moskau“), Dr. habil. Pavel Poljan (Freiburg/Moskau, Mitarbeiter des Geographischen Instituts der Akademie der Wissenschaften in Moskau und Dozent), Prof. Dr. Michail Suprun (Pomorische Staatliche Universität Archangelsk); Laufzeit: 15.4.2007 - 31.12.2009; Zuwender: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.


Die Berliner Hochschulen in den Jahren der Teilung

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen Maßnahmen der politischen Repression und Widerstandshandlungen gegen das SED-Regime an den Berliner Hochschulen aber auch die trotz der Teilung fortbestehenden Beziehungen zwischen Studenten und Hochschulangehörigen in beiden Teilen Berlins. Im Mai 2010 fand an der Freien Universität eine Tagung zum Thema "Repression, Opposition und Widerstand an den Hochschulender SBZ/DDR" statt, deren Beiträge im Februar 2011 in Band 16 der Studien des Forschungsverbundes SED-Staat erschienen sind.

Projektleitung: Klaus Schroeder, Jochen Staadt; Mitarbeiter: Steffen Alisch, Siegward Lönnendonker, Stefan Wolle; Studentische Hilfskraft: Benjamin Schröder; Laufzeit: Seit 1. September 2004; Zuwender: Freie Universität.


Das Diplomatische Corps in der DDR

Eine Untersuchung am Beispiel der Botschaften Frankreichs, Großbritanniens, der USA, Österreichs und der Schweiz.

Projektleitung: Jochen Staadt; Mitarbeiter: Enrico Seewald

Schlagwörter

  • SED, DDR, SED-Staat, Forschungsverbund, FU, Freie Universität Berlin, Geschichte, Mauer, Teilung, Zeitgeschichte, Stasi, MfS, Polizei, Geschichtsbild, West-Berlin, Einflussnahme, Schüler, Weimarer Republik, Drittes Reich, Bundesrepublik, Zivilverschleppte, Sowjetunion, UdSSR, Kalter Krieg