Städtebau gegen die Hitze

19.02.2014

Wissenschaftler aus vier Ländern erforschen die Folgen des Klimawandels für Millionenstädte

Kairo, Istanbul und Nairobi, das sind drei Megacitys mit bis zu 16 Millionen gezählten Einwohnern und noch mehr ungezählten in den wild wachsenden Siedlungen am Stadtrand. Verkehrschaos ist Alltag, und in Sommermonaten ist die Hitze in der Stadt fast unerträglich. Der Klimawandel wird die Probleme der rasant wachsenden Metropolen in den nächsten Jahrzehnten noch verstärken. Wie aber lässt sich das Mikroklima dort verbessern?

Dazu forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Ägypten, Kenia und der Türkei. Durch Gespräche mit Stadtplanern und anderen Akteuren vor Ort entwickeln sie Empfehlungen, wie diese drei Riesenstädte lebenswerter werden könnten. „Das Erfahrungswissen der Menschen vor Ort ist sehr wichtig“, erklärt Sahar Sodoudi, Professorin für Stadtklima an der Freien Universität, die von deutscher Seite mit ihrer Kollegin Ines Langer an dem Projekt beteiligt ist. „Sie wissen, wie viel Wasser Bäume wirklich brauchen und welche Arten besonders schattenspendend sind.“

Alle Empfehlungen sollen am Ende auch umsetzbar sein. Mikroklima-Modellrechnungen werden mit Messdaten verglichen, die in den Städten erhoben werden, um die heißesten Stellen zu orten und Schritte einzuleiten, mit denen die Wärme dort reduziert werden kann. Möglich sind beispielsweise kühlende Dächer oder der Anstrich von Fassaden mit weißer Farbe. Die Wissenschaftler überprüfen nun die Auswirkung der geplanten Maßnahmen mithilfe von Klimasimulationen für die Zukunft, die auf einem „Supercomputer“ gerechnet werden.

Das Wissen der Menschen vor Ort wird eingebunden

Regionales Wissen und moderne Forschung dienen so einem gemeinsamen Ziel. Von besonderem Interesse sei es, dass die drei zu erforschenden Städte in unterschiedlichen Klimazonen liegen, sagen die Meteorologinnen. Neben ihrer Expertise fließt das Fachwissen von Stadt- und Landschaftsplanern ein. Komplexe Probleme bedürfen komplexer Lösungen, deshalb sind die vielen verschiedenen Perspektiven in dem „EU-Projekt ERAfrika“ gebündelt.

Die Zahl der Einwohner in Kairo sei von 20 Millionen im Jahr 2006 auf 35 Millionen im Jahr 2012 angestiegen, was zu einem drastischem Anstieg der durch Menschen verursachten Wärme geführt habe, berichtet Sahar Sodoudi. Durch welche nachhaltigen städtebaulichen Maßnahmen können die Effekte des Klimawandels und der städtischen Wärmeinseln reduziert werden? „Wir empfehlen, bei einer Stadterweiterung auf Grünflächen zwischen den Stadtteilen zu achten“, sagt Sahar Sodoudi. Diese ermöglichten ganz nebenbei auch die Selbstversorgung der Stadtbewohner, erklärt Ines Langer: „Wie bei deutschen Schrebergärten.“