Antibiotikaresistente Erreger beim Geflügel bekämpfen

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert an der Freien Universität Berlin angesiedelten Forschungsverbund „EsRAM“ zur Reduktion antibiotikaresistenter Erreger beim Geflügel mit 2,46 Millionen Euro / fünf Pressefotos

Nr. 064/2016 vom 09.03.2016

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert einen an der Freien Universität Berlin koordinierten neuen Forschungsverbund, in dem Antibiotika-resistente Erreger beim Geflügel erforscht und zurückgedrängt werden sollen. Bundesminister Christian Schmidt übergab am Dienstag in Berlin die Förderbescheide über insgesamt 2,46 Millionen Euro an den designierten Koordinator des Verbunds, den Direktor des Instituts für Tier- und Umwelthygiene im Zentrum für Infektionsmedizin der Freien Universität, Prof. Dr. Uwe Rösler, und an die Vertreter der anderen Projektpartner. An dem bundesweit arbeitenden Verbund EsRAM beteiligt sind neben der Freien Universität die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Universität Leipzig, das Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim, das Bundesinstitut für Risikobewertung Berlin und das Friedrich-Loeffler-Institut Jena. Hauptpartner der Wirtschaft sind der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. sowie zwei international agierende Unternehmen im Bereich der Biologika-Forschung. Die Abkürzung EsRAM steht dabei für „Entwicklung stufenübergreifender Reduktionsmaßnahmen für antibiotikaresistente Erreger beim Mastgeflügel. Die Förderung läuft über drei Jahre.

Bundesminister Christian Schmidt erklärte: „Wir können die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen nur verhindern, wenn Human- und Veterinärmedizin eng zusammenarbeiten, und deshalb habe ich mit meinem Kollegen, Bundesminister Hermann Gröhe den von der Weltorganisation für Tiergesundheit OIE, der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO geforderten und in Deutschland seit 2008 etablierten One-Health-Ansatz gestärkt und ausgeweitet. Mit der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes haben wir in Deutschland bereits ein System zur Antibiotikaminimierung in der Nutztierhaltung etabliert. Ein weiterer Baustein zur Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen ist die Forschung. Deshalb investiert mein Ministerium in die Entwicklung konkreter Maßnahmen und Produkte, mit denen die Entstehung und Übertragung antibiotikaresistener Keime bei der Geflügelfleischproduktion reduziert werden können.“

Berichte über antibiotikaresistente Erreger in der Nutztierhaltung häufen sich in den vergangenen Jahren. Betroffen ist hierbei auch die Mastgeflügelhaltung, in der insbesondere resistente Erreger aus der Familie der Enterobakterien, kurz ESBL, vorkommen sowie Methicilin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA.

Nachdem im Rahmen der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) der Bundesregierung in verschiedenen Forschungsprojekten die Ursachen und epidemiologischen Grundlagen der sich ausbreitenden Resistenzproblematik erforscht worden sind, sollen im Verbundprojekt EsRAM Verfahren und Maßnahmen zur Reduktion der Entstehung und des Transfers antibiotikaresistente Erreger in der Masthähnchen-Produktion und der Geflügelfleischkette entwickelt werden. Vorangebracht werden sollen insbesondere neue und verbesserte Verfahren und Technologien zur Brutei-Desinfektion sowie zur Brutei-Hygiene. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erarbeiten ferner Verfahren zur Keimreduktion von Mist und Spülwässern aus der Geflügelhaltung; sie entwickeln und optimieren Haltungsparameter, Hygienemaßnahmen und Fütterungsschemata zur Senkung des Vorkommens von ESBL beim Masthähnchen. Ziel ist es darüber hinaus, Präbiotika, Probiotika und phytogene Zusatzstoffe mit dem Ziel zu entwickeln, die Kolonisierung des Darms mit den resistenten Erregern zu reduzieren und die Darmgesundheit von Masthähnchen zu fördern. Etablierte Verfahren für die Schlachtung und Verarbeitung von Mastgeflügel sollen optimiert, und neue Verfahren sollen entwickelt werden, um den Transfer Antibiotika-resistenter Erreger während der Schlachtung und Verarbeitung einzudämmen. Die Forscherinnen und Forscher entwickeln darüber hinaus ein elektronisches, datenbasiertes Bewertungsinstrument zur synergistischen Produktionsstufen-übergreifenden Minderung antibiotikaresistenter Erreger in der gesamten Geflügelfleischkette. Übergeordnetes Ziel ist es dabei, Geflügelfleisch mit einem deutlich reduzierten Gehalt antibiotikaresistente Erreger zu produzieren.

An der Freien Universität arbeiten in dem Verbund Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Tier- und Umwelthygiene, des Instituts für Fleischhygiene und -technologie, des Instituts für Geflügelkrankheiten, des Instituts für Lebensmittelhygiene und des Instituts für Tierernährung. Der Forschungsverbund EsRAM ist ein erstes wichtiges überregionales Verbundforschungsvorhaben im Rahmen des derzeit im Bau befindlichen Tierärztlichen Zentrums für Resistenzforschung (TZR) der Universität. Dieses Forschungszentrum wird im Rahmen der Förderlinie gemäß Artikel 91.b GG aus Bundesmittel und durch das Land Berlin finanziert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im TZR widmen sich der Erforschung und Bekämpfung von Antiinfektiva-Resistenzen in der Nutztierhaltung und der Tiermedizin.

Pressefotos:

(Die Nutzung der Fotos ist honorarfrei bei Nennung der jeweiligen Quelle)



  • Abbildung 1:
    V. l. n. r.: Bundesminister Christian Schmidt – Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Prof. Dr. Uwe Rösler – Freie Universität Berlin (Projektkoordinator)
    Bildquelle: BMEL/ Photothek/ Thomas Koehler


  • Abbildung 2:
    V. l. n. r.: Leo Graf von Drechsel – Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V., Bundesminister Christian Schmidt – Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Prof. Dr. Uwe Rösler – Freie Universität Berlin (Projektkoordinator)

    Bildquelle: BMEL/ Photothek/ Thomas Koehler


  • Abbildung 3:
    V. l. n. r.: Leo Graf von Drechsel – Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V., Dr. Juliane Bräunig – Bundesinstitut für Risikobewertung, Dr. Hans-Christian Philipp – Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, Bundesminister Christian Schmidt – Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Prof. Dr. Christa Ewers – Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Uwe Rösler – Freie Universität Berlin (Projektkoordinator), Dr. Thilo Borchardt – EW Nutrition GmbH, Prof. Dr. Thomas Amon – Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e. V.
    Bildquelle: BMEL/ Photothek/ Thomas Koehler


  • Abbildung 4:
    Erreger aus der Familie der Enterobakterien (kurz ESBL) bildende Escherichia coli auf einer Kultur-Petrischale
    Bildquelle: Institut für Tier- und Umwelthygiene der Freien Universität Berlin


  • Abbildung 5:
    Probenahme im Stall
    Bildquelle: Institut für Tier- und Umwelthygiene der Freien Universität Berlin

Weitere Informationen

Uwe Rösler, Univ.-Prof. Dr., Institut für Tier- und Umwelthygiene im Zentrum für Infektionsmedizin am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-51830,. E-Mail: uwe.roesler@fu-berlin.de

Im Internet

www.vetmed.fu-berlin.de/einrichtungen/institute/we10/