3,2 Milliarden Jahre alte Mikroben in Südafrika entdeckt – Versteckten sich Mikroorganismen vor Strahlung in Hohlräumen?

Gemeinsame Studie der Freien Universität Berlin, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und der Universität Lausanne

Nr. 007/2016 vom 12.01.2016

Deutsche und Schweizer Wissenschaftler haben in extrem alten Gesteinen aus den Bergen des Barberton Grünsteingürtels Südafrikas erstmals eine Anpassung von fossilen Mikroorganismen an damalige Umweltbedingungen beschrieben. Die Wissenschaftler untersuchten langgestreckte schmale Hohlräume in Sandsteinen, die etwa 3.2 Milliarden Jahre alt sind und zu den ältesten guterhaltenen Küstensedimenten gehören. An der Studie beteiligt waren Forscherinnen und Forscher der Freien Universität Berlin, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und der Universität Lausanne. Die Ergebnisse wurden im Januar in der renommierten Fachzeitschrift Geology publiziert.

Martin Homann, Doktorand am Institut für Geologische Wissenschaften der Freien Universität Berlin, entdeckte  in den ehemals luft- oder wassergefüllten Hohlräumen nach unten wachsende, tropfsteinähnliche, dunkle Säulen mit kohlenstoffhaltigen Laminationen, sogenannte Mikrostromatolithe. "Zunächst dachten wir, wir hätten die Proben verkehrt herum orientiert", erläutert Homann. "Nachdem wir jedoch sichergestellt hatten, dass die Säulen wirklich nach unten, nicht nach oben gewachsen waren, wurde uns klar, dass die Mikroben in einer Art Höhle gewachsen sein mussten.“ Der geologische Kontext, die Form der Mikrostromatolithe, die Zusammensetzung des Kohlenstoffs und das Auftreten von stäbchenförmigen Mikrofossilien belegen, dass die Hohlräume einst von einer mikrobiellen Gemeinschaft bewohnt wurden, erklärt Martin Homann.

„Hohlräume waren plausible Lebensräume für Mikroorganismen in der Frühzeit der Erde“, sagt Christoph Heubeck, ehemaliger Professor für Geologie an der Freien Universität Berlin und Betreuer der Doktorarbeit von Martin Homann. In derartigen Mikrohabitaten hätten die Mikroben Schutz gegen die damals viel höhere UV-Strahlung gefunden. Zudem riskierten mikrobielle Matten häufiger als heute auszutrocknen, weil die Gezeiten in der Frühzeit der Erde stärker waren. Martin Homann vermutet, dass nur gut angepasste Mikroorganismen in diesem schwierigen Umfeld überleben konnten und dass der Sand über den langgestreckten Hohlräumen von abgestorbenen mikrobiellen Matten verklebt war. Die ältesten bisher bekannten Spuren von in Hohlräumen lebenden Mikroben waren 500 Millionen Jahre jünger – 2,7 Milliarden Jahre alt – und stammten aus Australien.

Weitere Informationen

Die Publikation

Martin Homann, Christoph Heubeck, Tomaso R.R. Bontognali, Anne-Sophie Bouvier, Lukas P. Baumgartner, Alessandro Airo (2016): “Evidence for cavity-dwelling microbial life in 3.22 Ga tidal deposits”, in: Geology, V. 44, No. 1, S. 51–54. Doi: 10.1130/G37272.1

Kontakt

Martin Homann, Doktorand am Institut für Geologische Wissenschaften,
Telefon: 030 / 838-70190, E-Mail: martin.homann@fu-berlin.de