Übersetzen zwischen Deutschland und Israel

Übersetzerin Anne Birkenhauer tritt zum Wintersemester 2014/2015 die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität an

Nr. 108/2014 vom 04.04.2014

Die in Jerusalem lebende Übersetzerin Anne Birkenhauer wird im Wintersemester 2014/2015 die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung bekleiden. Ihre Antrittsvorlesung wird Anne Birkenhauer am 27. Oktober 2014 in der Akademie des Jüdischen Museums Berlin halten.

Anne Birkenhauer, 1961 in Essen geboren, studierte Judaistik und Germanistik an der Freien Universität Berlin. Seit 1989 lebt und arbeitet sie in Israel. Sie war als wissenschaftliche Assistentin in der Abteilung für Jüdische Geschichte an der Hebräischen Universität in Jerusalem tätig. Darüber hinaus war sie Herausgeberin der deutschen Ausgabe der Zeitschrift Ariel - Zeitschrift für Kunst und Kultur in Israel und des Jüdischen Almanach des Leo Baeck Instituts. Birkenhauers übersetzerische Laufbahn begann Ende der achtziger Jahre mit einem Gedichtband von Dan Pagis. Das Spektrum ihrer Prosaübersetzungen ist groß: Neben klassischen literarischen Autoren wie Jaakow Shabtai, Jehoshua Kenaz, Gabriela Avigur-Rotem und Aharon Appelfeld, übersetzte sie auch moderne experimentelle Prosa, etwa von Yuval Shimoni und Yoel Hoffmann. Aber auch jüngere Autoren, bei denen ganz unterschiedliche, oft ethnisch geprägte Register der Umgangssprache übertragen werden müssen (Sarah Shilo, Daniella Carmi, Eshkol Nevo) gehören zu ihrem Repertoire. Für ihre Übersetzung des Romans Eine Frau flieht vor einer Nachricht erhielt sie 2010 gemeinsam mit dem Autor David Grossman den Internationalen Literaturpreis Albatros und 2011 den Jane Scatcherd-Preis. Seit 2011 leitet sie, zusammen mit dem Übersetzer Gadi Goldberg, die Hebräisch-Deutsche Übersetzerwerkstatt, die im Rahmen des ViceVersa-Programms regelmäßig in Deutschland und Israel stattfindet.

Die vom Deutschen Übersetzerfonds und der Freien Universität Berlin 2007 ins Leben gerufene August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur ist die erste Professur für Poetik der Übersetzung im deutschsprachigen Raum. Sie wird in alljährlich im Wintersemester am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft neu vergeben. Anne Birkenhauer ist als achte Inhaberin der Professur und folgt damit auf Frank Günther, Burkhart Kroeber, Stefan Weidner, Susanne Lange, Olaf Kühl, Rosemarie Tietze und Elisabeth Edl.

Der anspruchsvolle Titel der Professur - Poetik der Übersetzung - ist Programm. Ihr Zweck sind nicht übersetzungspraktische Fingerübungen für Literaturwissenschaftler, sondern die kritische Reflexion eigener und fremder Übersetzungsmethoden sowie die vergleichende Textanalyse. Zudem soll die Professur ein exponierter Ort der historischen Reflexion von Methoden und Theorien literarischen Übersetzens werden. Der Deutsche Übersetzerfonds und das Peter-Szondi-Institut verstehen die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur als einen markanten Schritt zu einer Aufwertung der literarischen Übersetzung als einer eigenständigen künstlerischen Leistung. Die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur soll dazu beitragen der immer noch verbreiteten Unterschätzung des literarischen Übersetzens als eines zweitrangigen „Kunsthandwerks“ entgegengewirkt.

Die Einrichtung der Gastprofessur wurde durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ermöglicht. Seit 2009 wird sie aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Zeit und Ort

  • Montag, den 27. Oktober 2014, 19.30 Uhr
  • Akademie des Jüdischen Museums Berlin, Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin. U-Bahnhof Hallesches Tor (U1)

Weitere Informationen

  • Jürgen Jakob Becker, Deutscher Übersetzerfonds, Telefon: 030 / 81 69 96 25, E-Mail: becker@lcb.de
  • Dr. Georg Witte, Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Telefon: 030 / 838 – 564 22, E-Mail: witte@zedat.fu-berlin.de