Beste Aussichten für den Wissenschaftsstandort Berlin-Dahlem

Forscher und Industrie arbeiten unter einem Dach im Forschungscampus MODAL

Nr. 373/2012 vom 10.12.2012

Am Wissenschaftsstandort Dahlem ist am Montag ein neuer Forschungsverbund zur Erforschung komplexer datenintensiver Prozesse eröffnet worden. Partner des auf 15 Jahre angelegten Projekts MODAL (Mathematical Optimization and Data Analysis Laboratories) sind das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin, die Freie Universität Berlin und Vertreter der Industrie. Ziel ist es, die Erkenntnisse in marktfähige Produkte etwa in Verkehrs- und Energielogistik und in Medizin einfließen lassen und neue innovative Konzepte zu entwickeln, die zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Berlin beitragen sollen. Das Vorhaben wird im Rahmen der Förderinitiative „Forschungscampus – öffentlich-private Partnerschaft für Innovationen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt. Bis zu 20 Millionen Euro sind als Förderung anvisiert. Bundesministerin Annette Schavan hatte den Zuschlag für den Forschungscampus Ende September bekannt gegeben. Er hatte sich als einer von zehn Wettbewerbsgewinnern aus 96 Bewerbungen durchgesetzt.

MODAL bündelt vorhandene exzellente Forschung und schafft neue Synergien am Wissen-schaftsstandort Berlin-Dahlem. Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, erklärte anlässlich der heutigen Eröffnungsveranstaltung: „Der Forschungscampus MODAL bündelt wissenschaftliche Kompetenzen in der angewandten Mathematik und ermöglich so in enger Interaktion mit der Industrie, konkrete Problemlösungen zur erarbeiten.“ MODAL startet zunächst mit vier Themenkomplexen. In diesen vier sogenannten Laboratorien werden mathematische Modelle sowie dazu gehörige Lösungsmethoden für komplexe datenintensive Prozesse entwickelt, etwa in Verkehrs- und Energielogistik und in Medizin entwickelt:

  • Das BahnLab (Industriepartner Deutsche Bahn) arbeitet an der vollständigen Unterlegung der Planungs- und Steuerungsprozesse des Eisenbahnsystems durch leistungsfähige mathematische Optimierungsverfahren.
  • Im GasLab (Industriepartner Open Grid Europe) werden Verfahren zur optimierten Steuerung von Gasfernleitungsnetzen entwickelt. Hiermit wird ein wesentlicher Beitrag zur Umsetzung der Energiewende geleistet.
  • Das MedLab (Industriepartner SAP-Innovationszentrum) erforscht neue innovative Analysemethoden zur Früherkennung von schweren Krankheiten, wie Krebs oder Diabetes mittels kostengünstiger und unkomplizierter Blutuntersuchungen.
  • Das SynLab (Industriepartner GAMS) integriert die in den anderen Laboratorien entwickelten Modellierungs- und Lösungsverfahren zu Programmen, mit denen komplexe diskret-kontinuierlich-stochastische Problemstellungen schneller und besser modelliert und optimiert werden können.

Durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Industriepartnern soll erreicht werden, dass diese neu entwickelten Methoden schnell in vorhandene Abläufe in der Wirtschaft integriert werden können. So entsteht ein direkter Austausch von Expertise zwischen Forschung und Praxis, und die Möglichkeiten einer zeitnahen Nutzung und Verwertung von Forschungsergebnissen werden verbessert.

Es ist geplant, den Forschungscampus als eine eigenständige Aktiengesellschaft (MODAL AG) zu betreiben und damit die Zusammenarbeit mit den Industriepartnern zu vereinfachen und als Anlaufstelle für neue Industriekontakte zu dienen.

Das Konrad-Zuse-Zentrum hat im Bereich der Zusammenarbeit von Mathematik, Wirtschaft und Industrie eine nationale und internationale Vorreiterrolle inne. Die intensive Kooperation mit den Mathematikern der Freien Universität  Berlin hat sich seit Jahren im Rahmen des DFG Forschungszentrums MATHEON bewährt und wird durch die Einrichtung von MODAL auf eine neue Ebene gehoben. Diese einzigartige Bündelung von Kompetenzen setzt weit über die Berliner Forschungslandschaft hinaus neue Maßstäbe in der Zusammen-arbeit von Industrieunternehmen und mathematischen Forschungseinrichtungen.

Weitere Informationen

  • Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik, Annerose Steinke, Administrative Geschäftsführerin, Telefon: 030-841 85 100, E-Mail: a.steinke@zib.de
  • Freie Universität Berlin, Stabsstelle Presse- und Kommunikation, Carsten Wette, Telefon 030 / 838-73189 E-Mail: carsten.wette@fu-berlin.de