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Freie Universität bei Initiative „Pro Geisteswissenschaften“ erfolgreich

Freie Universität erhält als bundesweit einzige Hochschule drei Zusagen der Fritz Thyssen Stiftung und VolkswagenStiftung

Nr. 187/2008 vom 13.06.2008

Die Freie Universität Berlin hat bei der Vergabe von Stipendien im Rahmen der Initiative „Pro Geisteswissenschaften“ der Fritz Thyssen Stiftung und VolkswagenStiftung die bundesweit meisten Förderzusagen erhalten. Von den 20 unterstützten Projekten entfallen drei auf die Freie Universität, wie die beiden Stiftungen mitteilten. Durch ein Dilthey Fellowship wird das Vorhaben „Die Klanglandschaft der Großstadt“ von Dr. Daniel Morat vom Friedrich-Meinecke-Institut unterstützt. Ein weiteres Dilthey Fellowship geht an Dr. Annette Gilbert vom Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft für das Thema „Wenn der Rahmen zum Thema wird. Das Spiel mit den Grenzen ästhetischer Wahrnehmung in den Künsten des 20. Jahrhunderts“. Mit einem Opus Magnum gefördert wird Professor Dr. Peter-André Alt vom Institut für Deutsche und Niederländische Philologie für das Buchprojekt „Ästhetik des Bösen“.

Details zu den geförderten Projekten:

Projekt „Wie klingt die Großstadt?“
Wer an heißen Tagen in Hannover, Hamburg, Frankfurt oder Berlin bei offenem Fenster schlafen möchte, der kennt sie zur Genüge: die Geräusche der Großstadt. Es brummt und rauscht, knattert und schallt ununterbrochen, tags wie nachts. Diesem akustischen Spektakel wird Dr. Daniel Morat an der Freien Universität Berlin mit seinem Dilthey Fellowship nachspüren: Wie lässt sie sich beschreiben, die Klanglandschaft der Großstadt? Damit setzt er bewusst akustische Reize ins Zentrum, um der Dominanz des Visuellen in der Moderne deren auditive Dimension entgegenzustellen. Bei seinem Projekt konzentriert sich der Historiker auf die beiden Weltmetropolen Berlin und New York in der Hochzeit der Urbanisierung zwischen 1880 und 1930. Denn die rasanten industriellen und technischen Entwicklungen dieser Epoche führten zu einschneidenden Änderungen der Seh- und Hörgewohnheiten. Daniel Morat nimmt sich seines Themas aus vier Perspektiven an. Es geht ihm neben der Entwicklung und Wahrnehmung des Lärms in den Städten auch um die schönen Klänge: Insbesondere die populäre Tanzmusik und Orte der Vergnügungskultur wie der Jahrmarkt stehen hierbei im Fokus seines Interesses. Auch zahlreiche neue akustische Medien traten in dieser Zeit ihren Siegeszug an, zum Beispiel Grammophon, Telefon und Radio. Ihrem Verhältnis zum Stadtraum gilt der dritte Untersuchungsbereich. Im vierten Teilprojekt wird Daniel Morat zudem das öffentliche Sprechen in der Stadt näher beleuchten, sei es als politische Rede oder in Form der interkulturellen Sprachenvielfalt.
Kontakt:
Dr. Daniel Morat, Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin
E-Mail: daniel.morat@fu-berlin.de

 

Projekt „Was sich zeigt: Das Verhältnis von Kunstwerk und Rahmen“
Was wäre ein Kunstwerk ohne seinen Rahmen? Wie beeinflussen die Rahmenbedingungen die Wahrnehmung des Gerahmten? Inwieweit ist die Einrahmung „bloßes“ Beiwerk oder im Gegenteil sogar Voraussetzung für das Erkennen des „Eigentlichen“? Dass Rahmungen häufig unterschätzte, dabei aber höchst wirkmächtige Größen sind – von dieser Hypothese geht Dr. Annette Gilbert bei ihrem Dilthey-Projekt aus, das am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin beheimatet sein wird. Anhand von Beispielen aus Literatur und bildender Kunst möchte sie eine Analyse der Rahmung vornehmen, und zwar sowohl konkret für das einzelne Kunstwerk als auch allgemein als wichtige Kategorie der ästhetischen Kommunikation. Welche ästhetische Kraft und Potenz haben verschiedene Strategien der Rahmung? Und wie haben sie sich in der Kunst und Literatur des 20. Jahrhunderts seit der Avantgarde entwickelt? Diese Fragen stellt die Literaturwissenschaftlerin ins Zentrum, da die Rahmung insbesondere seit Anbruch der Moderne zunehmend zum Gegenstand der Reflexion künstlerischer Theorie und Praxis wurde. Die Künstlerinnen und Künstler erforschen seither in ihren Werken deren ureigene Voraussetzungen. Rahmungen gelangten im Kunstwerk selbst zur Darstellung und konnten sogar zum eigenständigen Werk werden; oder aber sie wurden immer ungreifbarer gestaltet und fast zum Verschwinden gebracht. Aufgehen sollen die Ergebnisse in einer Publikation und einer Ausstellung mit Begleitkatalog.
Kontakt:
Dr. Annette Gilbert, Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin, E-Mail: a_gilbert@gmx.de

 

Projekt „Von der Ästhetik des Bösen in der modernen Literatur“
Das Böse fasziniert den Menschen seit jeher. Gerade in der modernen Literatur hat es in den vielfältigsten Erscheinungsweisen seinen Platz. Während es dem Menschen lange Zeit in der allegorischen Personifikation des Teufels begegnete, gewann mit der Romantik die Imagination des Bösen als unsichtbare Kraft an Gewicht – nicht zuletzt beeinflusst durch Ideen aus der Naturphilosophie, Anthropologie und Psychologie. Das Böse wurde nun – etwa in der „gothic novel“ – in der Seele des Menschen lokalisiert. Zugleich entwickelte es jenseits seiner moralischen eine besondere ästhetische Qualität, die ihm bisher unbekannte Attraktivität verschaffte: Das Werk, das das Böse darstellt, zeigt sich von ihm selbst gefesselt. Dieser spezifisch modernen Ästhetik des Bösen möchte Professor Peter-André Alt von der Freien Universität Berlin mit seinem „opus magnum“ nachspüren. Literarische Texte können das Böse stärker als andere Künste in zahlreichen Facetten vorführen. Vor allem können sie dem Auge verborgene psychische Prozesse konkreter beschreiben, als es Abbildungen etwa in der Malerei zu leisten vermögen. Wie wird das Böse in der Literatur dargestellt, in welchen Formen und Typen tritt es auf? Welche Funktion hat es für die neuzeitliche Bewusstseinsgeschichte? Und welche Widersprüche ergeben sich aus der Spannung zwischen Moral und Ästhetik? Diesen Fragen geht der Literaturwissenschaftler mit Blick auf die deutschsprachige, aber auch angloamerikanische und romanische Literatur ab 1800 nach.
Kontakt:
Prof. Dr. Peter-André Alt, Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität, Telefon: 030 / 838-59200, E-Mail: altpa@zedat.fu-berlin.de

 

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:

• Kommunikations- und Informationsstelle der Freien Universität Berlin,
Telefon: 030 / 838-73180, E-Mail: kommunikationsstelle@fu-berlin.de

• VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung, Telefon: 0511 / 8381-380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

• Fritz Thyssen Stiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hendrikje Gröpler, Telefon: 0221 / 2774-9613, E-Mail: fts@fritz-thyssen-stiftung.de