Verabschiedung des Kunsthistorikers Thomas W. Gaehtgens

Öffentlicher Festakt am Montag, 17. Juli, um 18 Uhr

Nr. 148/2006 vom 13.07.2006

Anlässlich der Emeritierung des Kunsthistorikers Professor Dr. Dr. h. c. Thomas W. Gaehtgens veranstaltet die Freie Universität Berlin am Montag, dem 17. Juli 2006, um 18 Uhr einen öffentlichen Festakt. Die Laudatio hält Professor Dr. Werner Busch (Freie Universität Berlin), den Festvortrag über "Degas und Miss Lala" übernimmt Professor Dr. Werner Hofmann. Bereits am Sonntag, dem 16. Juli, findet ein Colloquium zum Thema "Geschichte als Gegenwart. Zeitgeschichte in Darstellungen des 20. und 21. Jahrhunderts" statt. Das Symposium konzentriert sich auf vier Aspekte der modernen und zeitgenössischen Historienmalerei: Gattung – Gedächtnis – Erinnerung – Gegenwart. Zu dem Colloquium, das ehemalige Schüler von Thomas W. Gaehtgens veranstalten, sind Journalisten herzlich willkommen. Wir bitten Medienvertreter freundlich um vorherige Anmeldung bei Priv.-Doz. Dr. Martin Schieder unter mschied@zedat.fu-berlin.de.

Thomas W. Gaehtgens, 1940 in Leipzig geboren, studierte Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Philosophie und Archäologie an der Universität Bonn, wo er 1966 promovierte. 1972 folgte die Habilitation im Fach Kunstgeschichte an der Universität Göttingen. Seit 1980 ist Gaehtgens Professor für Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Die Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit liegen in der französischen und deutschen Kunst und Kunstgeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts. Gaehtgens hat zu Protagonisten der Malerei – etwa Jacques Louis David, Delacroix, Manet, Menzel, Beckmann – geforscht und publiziert. Auch zur europäischen Sammler-, Mäzenaten- und Museumsgeschichte sowie zum deutsch-französischen Kulturtransfer hat er zahlreiche Bücher, Aufsätze, Sammelband- und Katalogbeiträge geschrieben und herausgegeben. Gaehtgens' besonderes Interesse für die Kunsttheorie und -kritik zeigt sich insbesondere in den von ihm herausgegebenen Quellen-Editionen unter anderem zur Historienmalerei, zu den Kunstbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich in der Moderne, zu Johann Joachim Winckelmann, Wilhelm von Bode und Ludwig Justi. Darüber hinaus hat er auch zahlreiche Ausstellungen organisiert, zum Beispiel "Bilder aus der Neuen Welt. Amerikanische Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts" (1988) und "The Age of Watteau, Chardin and Fragonard. Masterpieces of French Genre Painting" (2003).

Von herausragender Bedeutung ist die internationale Perspektive seiner wissenschaftlichen Arbeit. Der von Thomas W. Gaehtgens 1992 in Berlin organisierte 28. Internationale Kongress für Kunstgeschichte "Artistic Exchange" hatte – drei Jahre nach dem Fall der Mauer – wegweisenden Charakter, da er die Kunst in Mittel- und Osteuropa in den Mittelpunkt stellte.

Auf Gaehtgens' Initiative wurde 1997 mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung das Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris gegründet, dem er als Direktor vorsteht. Das Deutsche Forum will die deutsche Frankreichforschung bündeln und das Interesse der französischen Geisteswissenschaften an der Auseinandersetzung mit deutscher Kunst und Kultur fördern. Es hat sich inzwischen als ein führendes internationales Forschungsinstitut der Kunstgeschichte etabliert und ist in diesem Jahr in die "Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland" aufgenommen worden.

Aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen, seiner Verdienste um die internationalen, vor allem deutsch-französischen Wissenschaftsbeziehungen und seiner kontinuierlichen Förderung von Nachwuchswissenschaftlern ist Professor Thomas W. Gaehtgens mit zahlreichen wissenschaftlichen und politischen Ehrungen ausgezeichnet worden: 1999 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 2004 die Ehrendoktorwürde des renommierten Courtauld Institute of Art der University of London. Gaehtgens ist zudem zum Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres und zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt worden.

Von 1992 bis 1996 war Thomas W. Gaehtgens Präsident des Comité International d'Histoire de l'Art (CIHA), von 1998 bis 1999 Inhaber der Chaire européenne am Collège de France. Gaehtgens ist unter anderem Vorsitzender des Fördervereins Freunde der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten e. V., des Kuratoriums des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München sowie Mitglied unter anderem des Wissenschaftlichen Beirats des Institut National d'Histoire de l'Art (INHA), des Conseil d'Orientation du Musée de l'Europe, der International Association of Research Institutes in the History of Art (RIHA), des Internationalen Kunstkritikerverbandes, der Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz, sowie des Kuratoriums der Museumsinsel Berlin.

Anmeldung für das Colloquium – ausschließlich für Journalisten:
Priv.-Doz. Dr. Martin Schieder, Tel.: 030 / 838-53818, E-Mail: mschied@zedat.fu-berlin.de

Termin & Ort des öffentlichen Festaktes zur Verabschiedung:
Montag, 17. Juli 2006, 18.00 Uhr
Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin, Hörsaal B, Koserstraße 20, 14195 Berlin, U-Bhf. Podbielskiallee (U3)

Weitere Informationen

Ulrike Boskamp, Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-53818, E-Mail: ulrikeboskamp@compuserve.de