Neue Hoffnung für das Universitätsklinikum Benjamin Franklin

Freie Universität und Regierender Bürgermeister einigen sich auf Expertenkommission

Nr. 38/2002 vom 04.02.2002

Im Streit um die Zukunft des Universitätsklinikums Benjamin Franklin (UKBF) zeichnet sich eine Lösung ab: Eine unabhängige Expertenkommission soll bis Juni Vorschläge erarbeiten, wie die 98 Millionen Euro in der Berliner Hochschulmedizin bei Beibehaltung einer exzellenten Wissenschaft eingespart werden können. Das ist das Ergebnis eines Spitzentreffens zwischen Vertretern des Senats, der Koalitionsfraktionen und Wissenschaftlern im Roten Rathaus, die am heutigen Montag drei Stunden lang konferierten. Von Seiten der Freien Universität nahmen deren Präsident, Prof. Dr. Peter Gaehtgens, und der Dekan des Fachbereichs Humanmedizin, Prof. Dr. Martin Paul, teil.

Der Präsident der Freien Universität äußerte sich positiv zu dem nun gefundenen Kompromiss: "Ich bin sehr zufrieden, dass nun eine neutrale und ergebnisoffene Expertenkommission einberufen wird", sagte Gaehtgens. Nur so ließe sich die Qualität der Berliner Hochschulmedizin künftig sichern. Auch Dekan Martin Paul vom Fachbereich Humanmedizin der FU bewertete die Vereinbarung positiv und sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung". "Endlich wird das Feld den Experten überlassen", sagte Paul. In dem Konflikt um das UKBF sei "nun eine Öffnung eingetreten".

Präsident Gaehtgens und Paul kündigten an, dass die Sammlung von Solidaritäts-Unterschriften für das Klinikum weitergehen werde. Beide hoben hervor, dass die Charité und die Humboldt-Universität sich immer mit dem UKBF solidarisiert habe, "mit Ausnahme eines Ausrutschers in der vorigen Woche".

Außerdem wurde vereinbart, die 30 Millionen Euro Einsparungssumme aus den Hochschulverträgen auf die 98 Millionen Euro anzurechnen. Das Gutachten der Expertenkommission wird im Juni erwartet. Der Wissenschaftsrat wird das Ergebnis der unabhängigen Kommission bis November begutachten. Das Gesetz über die Hochschulmedizin soll im Dezember verabschiedet werden.

Nach den von SPD und PDS unterzeichneten Koalitionsvereinbarungen soll das Universitätsklinik Benjamin Franklin in ein einfaches Versorgungskrankenhaus umgewandelt und der Fachbereich Humanmedizin an der FU geschlossen werden. Die neue Regierung erhoffte sich davon Einsparungen in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Gegen die Pläne hatte sich die Freie Universität auf das entschiedenste verwahrt: In wenigen Wochen haben rund 220.000 Berliner Bürgerinnen und Bürger gegen die Schließung des Klinikums mit ihrer Unterschrift protestiert.