Mathematik-Kongress an der Freien Universität Berlin

3rd International ISAAC Congress vom 20. bis 25. August 2001

Nr. 205/2001 vom 17.08.2001

Vom 20. bis 25. August 2001 tagen Mathematikerinnen und Mathematiker anläßlich des 3rd International Isaac Congress in der Silberlaube der Freien Universität. Die International Society for Analysis, Applications and Computation, ISAAC, wurde 1994 gegründet und als wissenschaftliche Gesellschaft registriert mit dem Ziel, das größte Teilgebiet in der Mathematik, die Analysis, sowie deren Anwendungen und Verbindungen zu computergestützten Methoden zu fördern. Dazu finden zweijährlich internationale Kongresse statt. Durch die Vergabe von Preisen (ISAAC Awards) werden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter 40 für hervorragende Forschungsleistungen in der Analysis ausgezeichnet. Zwischen den Kongressen werden unregelmäßig Workshops abgehalten. Die diesjährigen Preise sind Stiftungen der Firmen Siemens, DaimlerChrysler und Motorola sowie der Berliner Mathematische Gesellschaft. Buchpreise kommen von den wissenschaftlichen Verlagen Springer, Kluwer, Birkhäuser, Elsevier und World Scientific.

Im Eröffnungsvortrag stellt Prof. Ioannis Antoniou aus Brüssel Ergebnisse seiner Arbeit mit Ilya Prigogine vor. Prof. Prigogine erhielt als physikalischer Chemiker 1977 den Nobelpreis für Chemie. Seine Arbeiten zur Thermodynamik und statistischen Mechanik irrevesibler Prozesse benutzen mathematische Methoden. 1917 in Moskau geboren, kann er aus Altersgründen selbst nicht mehr am Kongress teilnehmen. Da es keinen Nobelpreis für Mathematik gibt, taucht nur selten der Name eines Nobelpreisträgers auf einem mathematischen Kongress auf.

Die Analysis hat in der ehemaligen Sowjetunion eine große Tradition und es ist kein Zufall, dass 4 der 11 Plenarvortragenden aus Moskau kommen, 2 weitere stammen aus Russland und leben heute in westlichen Ländern. Der älteste Teilnehmer, Prof. Sergej M. Nikolskii, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, ist einer der grossen russischen Mathematiker. Die von ihm und seinem Schüler Prof. O.V. Besov vor mehr als 30 Jahren eingeführten Funktionenräume: "Nikolskii-Besov Räume" genannt, spielen auf dem Kongress eine wesentliche Rolle. Die weiteren Teilnehmenden stammen Ländern wie z.B. Armenien, Belgien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Japan, Kanada, Mexico, Neuseeland, Polen, Rußland, Schweden, Taiwan, der Türkei, der Ukraine, den USA und Weißrussland.

Aus dem Spektrum der Plenarvorträge seien 3 Themenschwerpunkte erwähnt: Prof. Peter Kuchment untersucht am 21. August physikalische Prozesse in dünnen Röhrensystemen, wie sie etwa in chemischen Verbindungen in der Molekülstruktur vorhanden sind. Mathematisch handelt es sich dabei um Differentialgleichungen in Graphenstrukturen. Prof. Alexander D. Bruno stellt am 22. August seine neue, "Potenzgeometrie" genannte Theorie vor. Prof. Margarita Eglit spricht am 24. August über Homogenisierungen: Inhomogene Materialien sind mathematischer Behandlung sehr schwer zugänglich. Durch Mittelung lassen sich homogene Strukturen konstruieren, die mathematisch behandelbar sind. Die für sie erhaltenen Lösungen liefern näherungsweise Lösungen für das inhomogene Material.

Ort und Zeit:

Silberlaube der FU, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin-Dahlem; U-Bhf. Thielplatz, Linie 1; täglich 09.00 – 19.00 Uhr

Weitere Informationen

Prof. Dr. H. Begehr, Mathematisches Institut der Freien Universität Berlin, Arnimallee 3, 14195 Berlin, Tel.: 030/838-75373, -75374, Fax: 838-75503; E-Mail: isaac@math.fu-berlin.de

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