"Biographisches Erzählen"

Tagung an der Freien Universität Berlin 10. September 1999

Nr. 182/1999 vom 10.09.1999

Welchen Wert haben biographische Informationen für die Deutung literarischer Werke? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der Tagung "Biographisches Erzählen”, die von der Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauenstudien und Frauenforschung an der Freien Universität und dem Seminar für Deutsche Philologie der Universität Göttingen veranstaltet wird. Die Tagung ist geplant als Vorbereitung des Bandes 6 (2001) der Reihe Querelles. Jahrbuch für Frauenforschung 2001.

Geschichten aus dem Leben bekannter und weniger bekannter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens spielen im Medienzeitalter eine zentrale Rolle. Die Doppelbiographie über Goethe und seine Frau Christiane von Sigrid Damm steht auf der Bestsellerliste weit oben. Der Buchmarkt reagiert auf das große Interesse nach wissenschaftlich und literarisch anspruchsvoll geschriebenen Biographien. Dem Boom der Biographie steht jedoch ein auffälliger Mangel an systematischer Reflexion der Gattung gegenüber. Welche poetische und poetologische Bedeutung besitzt überhaupt biographisches "Material”? Gibt es Kriterien für die gelungene "Konstruktion” von biographischer "Wahrheit”? Können - wie im anglo-amerikanischen Raum diskutiert - in Biographien neuere Formen frauen- und geschlechtergeschichtlicher Forschung entwickelt werden? In vier unterschiedlichen Sektionen versucht das Kolloquium, Antwort auf diese Fragestellungen zu geben.

Unter anderem wird Helmut Scheuer über "Moderne Schriftsteller/innen-Biographien” sprechen, Hiltrud Häntzschel über den "wissenschaftlichen Umgang mit den Lehrstellen im biographischen Material. Der Fall der Irmgard Keun”. Irmela von der Lühe referiert über "Biographie als Versuch über weibliche Intellektualität: Hannah Arendt ´Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin der Romantik”, Hans Höller stellt "Überlegungen zu einer Bachmann-Biographie" an, und Angelika Schaser spricht über "Frauenbiographie und Geschichtswissenschaft".

Die Tagung wird ergänzt durch eine öffentliche Abendveranstaltung am 1. Oktober um 20 Uhr in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Berlin in der Fasanenstr. 23: Autorinnen neuerer Biographien (Carola Stern, Dagmar von Gersdorff, Ulrike Edschmid und Renate Feyl) sprechen mit der Germanistin Claudia Schmölders über ihr "Handwerk”.

Die Tagung findet vom 30. Sept. bis 2. Oktober 1999 in der Heimvolkshochschule Glienicke, Königstr. 36, 14109 Berlin, statt. Es werden 70 Mark Tagungsgebühren erhoben. Anmeldungen sind bis 15. September möglich.

Weitere Informationen

Dr. Anita Runge, ZE Frauenstudien, Königin-Luise-Str. 34, 14195 Berlin, Tel. (030) 838-2482, Fax. (030) 838-6183, E-Mail: arunge@zedat.fu-berlin.de