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Ein Mann, zwei Welten

Der Deutschlandstipendiat Florian Spatz macht einen deutsch-französischen Doppelmaster in „European Affairs“ und ist nebenbei schon für Unternehmen tätig

16.06.2015

Wissenschaft und Wirtschaft: Deutschlandstipendiat Florian Spatz bewegt sich bereits im Studium in beiden Welten.
Wissenschaft und Wirtschaft: Deutschlandstipendiat Florian Spatz bewegt sich bereits im Studium in beiden Welten. Bildquelle: Marion Kuka

Diplomatische Volten auf internationalem Parkett oder kreatives Gestalten im Großraumbüro eines Jungunternehmens? Florian Spatz hat einen Fuß in beiden Welten – und ist froh, dass er sich noch nicht entscheiden muss. Der 25-Jährige hat seinen Bachelor-Abschluss an der Freien Universität Berlin und der Sorbonne in Paris gemacht und steckt nun mitten im Studium für den Doppel-Master „European Affairs“, den das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft und das Institut d’Etudes Politiques de Paris (Sciences Po) gemeinsam anbieten.

„Nach deutschem Verständnis ist das sehr viel Politik, die Franzosen machen ein bisschen mehr Recht und Wirtschaft“, sagt er. Das Studium sei im Grunde die optimale Vorbereitung auf eine Tätigkeit im Auswärtigen Amt oder in einer anderen international agierenden Behörde. Bei Praktika in der Deutschen Botschaft in Paris und der Ständigen Vertretung der Französischen Sozialversicherung bei der EU in Brüssel hat Florian Spatz diese Welt sehr gut kennengelernt.

Deutschlandstipendium für engagierte Studierende vom Netzwerk Unternehmertum

Für den Erhalt des Deutschlandstipendiums gab ein weiterer Eintrag in seinem Lebenslauf den Ausschlag: Bei Juwelo TV, einem Shoppingkanal für Edelsteinschmuck, baute Spatz neben dem Studium einen Tochtersender für den italienischen Markt auf, der heute rund 50 Mitarbeiter beschäftigt. Der Leistungsbegriff, der dem Stipendium zugrunde liegt, ist bewusst weit gefasst: Gute Noten und Studienleistungen gehören ebenso dazu wie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen oder das erfolgreiche Meistern von Hindernissen im eigenen Lebens- und Bildungsweg. Florian Spatz erhielt eines der beiden Deutschlandstipendien, die 2014 vom Netzwerk Unternehmertum der Freien Universität Berlin für Studierende mit gesellschaftlichem oder unternehmerischem Engagement gestiftet wurden.

Sofort Feedback auf neue Ideen

Zusammen mit einer weiteren Produzentin war er an zwei Tagen in der Woche für das gesamte Programm zuständig – für die Planung und Aufzeichnung der Sendungen, für Moderatoren-Castings sowie die Auswahl und die Preise der Schmuckstücke. „Wie in einem Start-up konnte ich viel beeinflussen und Ideen schnell umsetzen. Durch die Verkäufe bekam ich sofort das Feedback der Kunden.“ Bei Freunden und Bekannten stieß er manchmal auf Vorurteile gegenüber Teleshopping. „Dabei ist Juwelo ein sympathisches Unternehmen mit fairem Geschäftsmodell“, kontert er dann. Viele Käufer blieben treu, weil sie feststellten, dass toller Schmuck dort einfach günstiger sei als beim Juwelier.

Nach zwei Jahren hatte sich der Tochtersender trotz Wirtschaftskrise etabliert und zog mit einem wachsenden Team nach Rom. Spatz wechselte für ein Praktikum in die Abteilung Politik und Recht des Konzernvorstands der Deutschen Bahn und organisierte anschließend den transatlantischen Debattierwettbewerb zwischen Cambridge, Yale, Princeton und der Sciences Po im französischen Parlament.

Ein krasses Kontrastprogramm zu dem hierarchieflachen TV-Sender? „Es hat auch Vorteile, sich in einem Verwaltungsapparat zu bewegen“, sagt der Masterstudent. „Die Aufgaben sind klar, es gibt feste Strukturen und Ansprechpartner, und man kann trotzdem seine Ideen einbringen.“ Im Start-up ginge es dagegen manchmal unübersichtlicher zu: „Man kommt morgens an, hat eine neue Aufgabe und denkt: Um Gottes willen, das kann ich nicht, dafür bin ich doch gar nicht qualifiziert! Dann beißt man sich durch und ist am Abend überrascht, was man geschafft hat.“

Businesspläne für Europa

Genau dieses Gefühl hat er inzwischen wieder an zwei Tagen in der Woche: Als Business Development Manager bereitet er für die Juwelo-Holding die Expansion in neue europäische Märkte vor. Statt mit Topas und Tahiti-Perlen hat er nun mit Businessplänen und internationalem Unternehmensrecht zu tun. Das Potenzial sei enorm, sagt Spatz, auch wenn viele das nicht glauben wollten: „Die nächsten 20 Jahre gehören dem Teleshopping.“

Wem seine nächsten zwanzig Jahre gehören, darauf will sich der Deutschlandstipendiat noch nicht festlegen. Er fühlt sich in beiden Rollen wohl, als Entrepreneur wie als Staatsdiener. Zum Glück muss er sich noch nicht entscheiden, denn zunächst steht erst einmal seine Masterarbeit an.

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