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Das Olympia der Tiermedizin

Veterinärmediziner erklimmt als Erster der Klinik für Pferde der Freien Universität die höchste europäische Ausbildungsstufe der Tiermedizin

11.03.2014

Pferdemediziner Christoph Klaus und seine tierische Patientin - eine Stute mit Beinbruch
Pferdemediziner Christoph Klaus und seine tierische Patientin - eine Stute mit Beinbruch Bildquelle: Mona Muth
Auf dem digitalen Röntgenbild zeigt Dr. Klaus die komplizierte Beinfraktur eines Pferdes
Auf dem digitalen Röntgenbild zeigt Dr. Klaus die komplizierte Beinfraktur eines Pferdes Bildquelle: Mona Muth
Auch Pferde brauchen manchmal eine Zahnspange: Auf dem Röntgenbild erkennt man das verdrahtete Gebiss eines jungen Pferdes
Auch Pferde brauchen manchmal eine Zahnspange: Auf dem Röntgenbild erkennt man das verdrahtete Gebiss eines jungen Pferdes Bildquelle: Mona Muth

Die Zeit läuft, während Pferdemediziner Christoph Klaus konzentriert das Röntgenbild einer komplizierten Beinfraktur betrachtet. Mit detektivischem Gespür rekonstruiert er die Krankengeschichte des Pferdes und wählt nach einiger Überlegung seine Behandlungsstrategie – einmal getroffene Entscheidungen lassen sich nicht rückgängig machen. Dabei steht der promovierte Veterinärmediziner nicht im Operationssaal der Pferdeklinik auf dem Campus der Freien Universität, sondern vor dem Prüfungskomitee des größten Colleges der Tiermedizin in Europa, dem ECVS. Als Erster der Klinik für Pferde an der Freien Universität hat er die höchste Ausbildungsstufe in der Veterinärmedizin erreicht.

Der Druck auf die Examenskandidaten ist groß: Nur ein Drittel besteht die Prüfung des europäischen Colleges der Veterinärmedizin ECVS (European College of Veterinary Surgeons) im ersten Anlauf. „Dieser Abschlusstest ist so etwas wie das Olympia der Tiermedizin. Dabeisein ist erst einmal alles“, erzählt der Pferdemediziner Christoph Klaus. Und doch hat es der 34-Jährige geschafft. Nach dem Studium und der Promotion an der Freien Universität behandelte er bereits als Assistenzarzt Pferde und schloss seinen Fachtierarzt an. Die zusätzlichen drei Lehrjahre darüber hinaus hält er für sinnvoll: „Die ECVS-Ausbildung in Kooperation mit den Universitäten ist europaweit einheitlich geregelt. Wissen und Forschung schreiten in der Tiermedizin so schnell voran und machen auch vor Ländergrenzen keinen Halt. Der europaweite Austausch von Fachmedizinern ist deshalb unverzichtbar.“

Auch Pferde brauchen Zahnspangen

An gerade einmal drei universitären Ausbildungsstätten in Deutschland wird die spezialisierte ECVS-Ausbildung für Pferdemediziner angeboten, eine davon ist die Freie Universität. Die Anforderungen an die Hochschulen sind hoch: eine technische Ausstattung auf dem neuesten Stand, internationale Fachtagungen und das Angebot verschiedener Disziplinen, in denen ausgebildet wird. Auslandsaufenthalte gehören selbstverständlich auch dazu: Einige seiner Kurse hat Christoph Klaus in Amerika und der Schweiz absolviert, wo er zu neuen Heilungstechniken geforscht hat.

So entwickelte er ein Implantat zur Unterkieferverlängerung bei Zahnfehlstellungen bei Pferden. Denn ein Überbiss ist nicht nur kosmetisch unschön, sondern behindert das Tier auch beim Fressen. So wie unzähligen Kindern der Mund verdrahtet wird, bleibt auch jungen Pferden der Besuch beim Kieferchirurgen manchmal nicht erspart. Bei älteren Tieren hilft der Zahnspangendraht nicht mehr, nur noch das entwickelte Implantat, das operativ eingesetzt wird.

Ein Pferd im Vorlesungssaal

Anwendung finden Christoph Klaus‘ Forschungsergebnisse in der Klinik für Pferde der Freien Universität. Hier stehen in der hellen Stallgasse die tierischen Patienten: von Trab- und Galopprennpferden aus Karlshorst und Hoppegarten, Warmblütern und Westernpferden bis hin zu Island- und Freizeitpferden. Die Pferdeklinik nimmt überwiegend chirurgische Spezialfälle auf, behandelt häufig komplizierte Brüche und Koliken. Neben dem Operationssaal werden Studierende der Veterinärmedizin im Vorlesungssaal ausgebildet. Eine Besonderheit des Lehrraums: Neben dem Rednerpult steht ab und an ein Pferd als Untersuchungsobjekt. Als neu ernannter Diplomate ist Christoph Klaus auch für die Ausbildung nachfolgender ECVS-Fachtierärzte zuständig. Das europäische ECVS-Diplom ist eine Grundvoraussetzung, um auf eine Professur europaweit berufen zu werden. Außerhalb der Universität werden die Absolventen bevorzugt an internationalen, spezialisierten Privatkliniken angestellt.

In der Klinik für Pferde der Freien Universität behandelt Christoph Klaus momentan eine Stute mit einer komplizierten Beinfraktur. „Früher kam ein Beinbruch bei einem Pferd einem Todesurteil gleich“, erläutert der tiermedizinische Chirurg, „doch heute haben selbst Pferde mit komplizierten Frakturen dank internationaler Forschungserkenntnisse und immer neuerer Implantat-Techniken deutlich bessere Heilungschancen.“