Abschied von der Garystraße

Langjähriger Leiter der Universitätsbibliothek im Ruhestand

29.08.2013

Hat den Übergang zum digitalen Katalog- und Ausleihwesen der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin begleitet: Prof. Dr. Ulrich Naumann.
Hat den Übergang zum digitalen Katalog- und Ausleihwesen der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin begleitet: Prof. Dr. Ulrich Naumann. Bildquelle: Gisela Gross

Ob er ein Faible für Bücher habe? Ulrich Naumann lacht. Die Universitätsbibliothek (UB) der Freien Universität mehr als 20 Jahre lang zu leiten, sei vor allem eine Management-Aufgabe gewesen, sagt er. Deren Überführung in das digitale Zeitalter gehörte ebenso zu seinen Aufgaben wie der Überblick über die verschiedenen universitären Fachbibliotheken und mehrere Hundert Mitarbeiter. Um zwei Jahre hatte der gelernte Volkswirt seinen Ruhestand zuletzt hinausgeschoben. In diesem Sommer hat er das Amt im Alter von 67 Jahren an seinen bisherigen Stellvertreter, Jirí Kende, übergeben.

Ulrich Naumann kam an die Freie Universität, als die Mauer noch stand: 1982 verließ er seine Heimatstadt Marburg, der Arbeit wegen. „Die Stelle des stellvertretenden Leiters der Universitätsbibliothek war ausgeschrieben“, erzählt Naumann, der damals an der Frankfurter Bibliotheksschule in der Lehre tätig war. „Ich pendelte über Jahre bis zu vier Stunden täglich zwischen Marburg und Frankfurt“, sagte er. Bis zum Angebot aus Berlin habe sich seine Frau stets gegen einen Umzug in eine größere Stadt ausgesprochen – heute könnten sich beide eine Rückkehr nach Hessen nicht mehr vorstellen.

Ruhestand keine Abkehr vom akademischen Betrieb

Der Ruhestand nach mehr als 30 Jahren an der Freien Universität bedeutet für Ulrich Naumann vor allem mehr Platz im Terminkalender, wie er sagt. Eine Abkehr vom akademischen Betrieb sei es jedoch nicht – zu sehr ist er an den Hauptstadtuniversitäten verwurzelt.

Der studierte Volkswirt und staatlich geprüfte Assessor des wissenschaftlichen Bibliotheksdienstes hatte nach seinem Wechsel nach Berlin 1984 wieder begonnen, nebenbei zu lehren: am Institut für Bibliothekarausbildung, das damals als bundesweit einzige Institution dieser Art zur Freien Universität gehörte. Nach der Wende wurde es mit der entsprechenden Einrichtung der Humboldt-Universität zusammengelegt. Dort erhielt Naumann 1996 eine Honorarprofessur mit den Schwerpunkten Bibliotheksbau und -management. „Zu diesen Themen will ich künftig neben einzelnen Vorlesungen noch ein paar Aufsätze schreiben“, sagt er.

Erste UB-Homepage schon 1996

Während seiner Laufbahn galt es, mit dem digitalen Wandel schrittzuhalten: Basierte die Ausleihe in der UB zu Beginn noch auf dem Lochkartensystem, hielten in den 1980er Jahren einzelne Computer Einzug. An der Freien Universität habe man dann bald auf einen Online-Katalog und später auf ein Informationssystem im Verbund mit anderen großen wissenschaftlichen Bibliotheken in Berlin und Brandenburg gesetzt. „Mit der ersten Homepage waren wir 1996 auch recht früh“, sagt Naumann.

Weniger vorhersehbar als der Erfolg des Internets war es allerdings, dass Teile der UB-Software vom Jahr 2000 an nicht mehr tauglich sein würden. „Bei den Details des Bibliotheksbetriebs, insbesondere bei den EDV-Fragen konnte ich zum Glück immer auf meine Mitarbeiter zählen“, sagt Naumann.

Kooperatives Miteinander zwischen Fachbibliotheken und UB

Für seine eigene Arbeit gab vor allem die finanzielle Situation der Bibliothek den Kurs vor: „Eine Zeit lang ging es uns sehr gut: Noch 1994 konnten wir große Summen für Neuanschaffungen ausgeben“, erzählt Naumann. Später folgten starke Einschnitte bei den staatlichen Mitteln, was Stellenkürzungen zur Folge hatte.

Grundsätzlich sei das Klima zwischen UB und Fachbibliotheken damals angespannt gewesen, erinnert sich Naumann. Denn einerseits galt es, kleinere Bibliotheken aus wirtschaftlichen Gründen zu größeren Einheiten zusammenzufassen. Andererseits sieht die Bibliotheksordnung der Freien Universität viel Freiraum und eine weitgehend eigenständige Organisation der Fachbibliotheken vor. „Mit der Zeit ist es zum Glück gelungen, ein kooperatives Miteinander aufzubauen.“ Dazu habe auch der Neubau der Philologischen Bibliothek beigetragen. Das weitere Zusammenwachsen soll in Zukunft der Bibliotheksanbau für die Kleinen Fächer und die Naturwissenschaften an die grundsanierte Erziehungswissenschaftliche Bibliothek fördern, bei dessen Planung Naumann noch involviert war.

Bis der Neubau steht, legt Naumann Studierenden „sein“ Haus ans Herz: „Selbst wenn es in der Philologischen Bibliothek eine Schlange gibt, finden sich in der Universitätsbibliothek in der Garystraße oft noch freie Plätze.“ Dafür, dass dort mittlerweile viele Bücher im Freihandmagazin zugänglich sind und Fernleihgebühren für Studierende im Vergleich zu anderen Universitäten gering ausfallen, wurden in der Vergangenheit in seinem Büro die Weichen gestellt.