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Student und Starkoch

Physik-Student Attila Hildmann kocht am 19. April im ZDF-Mittagsmagazin / Mit seinen veganen Kochbüchern ist er in den Bestseller-Listen vertreten

18.04.2013

Vom Junkfood-Fan zum Starkoch für vergane Ernährung: Physik-Student Attila Hildmann hat sich das Kochen selbst beigebracht.
Vom Junkfood-Fan zum Starkoch für vergane Ernährung: Physik-Student Attila Hildmann hat sich das Kochen selbst beigebracht. Bildquelle: Sandra Czerny

Aus Zucchini hergestellte Pasta, dazu Pesto aus getrockneten Tomaten und zum Nachtisch selbstgemachte Schokolade: Wer sich frei von tierischen Produkten wie Fleisch, Milch, Ei oder Honig ernähren will, muss erfinderisch sein – aber nicht auf Genuss verzichten. Das zumindest ist das Credo von Attila Hildmann. Der 31-jährige Physik-Student der Freien Universität begann vor mehr als 12 Jahren, sich vegan zu ernähren. Damals waren solche Koch- und Backrezepte rar, also dachte Hildmann sie sich selbst aus. Auf Youtube bot er Einblick in seine Küche. Heute ist er Kochbuch-Autor und auch im Fernsehen gefragt.

Attila Hildmann macht keine halben Sachen: Er ernährt sich nicht nur zu 100 Prozent vegan, auch Wissenschaft und Kochen bilden für ihn eine Einheit. „In meine Kochbücher fließen Erkenntnisse aus Biologie und Chemie ein“, erklärt Hildmann, „und ein gutes Rezept zeichnet sich durch exakte Mengenangaben und Anweisungen aus – wie bei der Arbeit im Labor.“ Sein Vordiplom in Physik hat er an der Freien Universität bereits abgelegt, 2014 soll der Abschluss folgen, danach vielleicht eine Promotion. „Eine solide Ausbildung ist mir wichtig.“ Am Arbeitsbereich Experimentalphysik untersucht Hildmann mithilfe von Laserstrahlen das Pigment Melanin. Es bestimmt beim Menschen etwa den Farbton von Haut und Haaren, kann aber auch Krebs verursachen. „Die Erkenntnisse könnten eines Tages in der Krebstherapie von Nutzen sein.“

Hildmanns Ziel: Selbstoptimierung

Gesundheit war nicht immer ein zentrales Thema im Leben des 31-Jährigen. Vor rund zehn Jahren wog er noch 35 Kilogramm mehr als heute. Nächtelang habe er am Computer gespielt, anstatt sich um sein Studium zu kümmern, schreibt er in seinem jüngsten Kochbuch „Vegan for Fit“. Wenig Bewegung und Fastfood prägten seinen Alltag: „Ich war kurz davor, Diabetiker zu werden“, sagt er rückblickend. Nachdem sein Vater im Jahr 2000 infolge zu hoher Cholesterinwerte gestorben war, beschloss Hildmann, seine Lebensweise zu ändern. Er wurde erst Vegetarier, dann Veganer und begann, Bewegung in seinen Alltag zu integrieren. Statt Computerspiel-Charaktere zu entwickeln, habe er begonnen, sich selbst aufzubauen.

Ran an den Speck: Mit Quinoa, Nüssen oder Grüntee

Mit einer Webseite und selbst entwickelten veganen Rezepten sowie einem Youtube-Kanal hat Hildmann den Grundstein des heutigen Erfolgs gelegt. Allerdings sieht er sich nicht als Moralapostel: „Es muss nicht jeder sofort Veganer werden“, sagt er, „jedes einzelne umgestellte Essen zählt.“

Knapp hunderttausendfach verkaufte sich allein das jüngste Kochbuch, das auch eine Art Wegweiser zum Wunschgewicht sein soll. „Der Erfolg liegt in den Rezepten“, ist Hildmann überzeugt. Der Einstieg in die vegane Küche falle vielen Menschen leichter, wenn sich die neuen Gerichte geschmacklich nicht allzu sehr von alten Gewohnheiten unterschieden.

Als Sportler sieht Hildmann kein Problem, seinen Proteinbedarf durch pflanzliche Nahrung zu decken. Vielmehr erschreckt ihn das Essverhalten vieler Akademiker: „Heute führen die Menschen ihrem Körper große Mengen an Energie zu, sind aber in Bezug auf Vitamine, Aminosäuren oder Mineralstoffe unterversorgt. Weiße Brötchen oder Softdrinks sind im Uni-Alltag nur ein Beispiel.“ Beim Kochen greift Hildmann daher grundsätzlich zu Lebensmitteln aus biologischem Anbau – stark verarbeitete Produkte und raffinierten Zucker klammert er aus.

Umdenken in der Bevölkerung: Beispiel Veggie No. 1

In den Mensen ist Hildmann selten zu Gast. Am Angebot liege das aber nicht: „Ich bewundere den Pioniergeist des Studentenwerks und der Freien Universität mit der vegan-vegetarischen Mensa.“ Derzeit arbeitet er an den Rezepten für sein neues Buch, das im November erscheinen soll: „Da muss ich einfach viel selbst kochen und ausprobieren – Salate zum Mitnehmen und Sandwiches beispielsweise.“ In nicht allzu ferner Zukunft werde man „an jeder Ecke“ vegane Snacks kaufen können, sagt Hildmann, das zeige die Entwicklung der vergangenen Jahre. Die stetig steigende Zahl der Vegetarier stützt diese Prognose: Nach Angaben des Vegetarierbundes ernähren sich bereits rund sieben Millionen Deutsche vegetarisch, etwa 700.000 Menschen leben vegan.

Weitere Informationen

TV-Hinweis

Das ZDF-Mittagsmagazin zeigt am 19. April einen Beitrag über Attila Hildmann. Einige Szenen wurden an der Freien Universität gedreht. Die Sendung fängt um 13.00 Uhr an

Im Internet:

http://mittagsmagazin.zdf.de