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Blick in die Welt von morgen

Erste Absolventen des Studiengangs Zukunftsforschung am Institut Futur der Freien Universität

01.10.2012

Zukunftsforschung ist in der Politik, in der Klimaforschung oder Technikfolgenabschätzung zu einem wichtigen Instrument geworden, weiß Nicole Ambacher
Zukunftsforschung ist in der Politik, in der Klimaforschung oder Technikfolgenabschätzung zu einem wichtigen Instrument geworden, weiß Nicole Ambacher Bildquelle: Marina Kosmalla

„Nein, wir beschäftigen uns nicht nur mit Aliens“, antwortet Nicole Ambacher gelassen. Auch Fragen nach ihren Eulen, ihrer Glaskugel oder dem Ausgang der Lotto-Ziehung der kommenden Woche kennt sie inzwischen. An die vielen Anspielungen, die ihr Berufsziel offenbar provoziert, hat sie sich gewöhnt. Die 30-Jährige zählt zu den ersten Absolventen des 2010 eingerichteten Masterstudiengangs Zukunftsforschung an der Freien Universität – ein Beschäftigungsfeld mit Zukunft.

Fällt im kommenden Winter viel Schnee? Wie sieht die nächste Handy-Generation aus? Wer wird neuer US-Präsident? Zukunftsforschung ist in der Politik, in der Klimaforschung oder Technikfolgenabschätzung zu einem wichtigen Instrument geworden. Aber auch gesellschaftliche Entwicklungen, etwa die Zukunft des Bildungssystems oder der demografische Wandel sind Felder, in denen Zukunftsforschung eingesetzt werden kann. Dass der Name des Studiengangs erklärungsbedürftig ist, versteht Ambacher: „Aber da Zukunft alle Bereiche berührt, lässt sich das Fach relativ schnell erklären und begreifbar machen.“

Wichtiges Instrument, um Entwicklungen abschätzen zu können

Der im deutschsprachigen Raum erste Masterstudiengang Zukunftsforschung startete im Oktober 2010 am Institut Futur der Freien Universität. Er gliedert sich in die Bereiche Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Technik. „Themen zu bearbeiten, die nicht unbedingt mein Fachgebiet betreffen, hat mir während des Studiums am meisten Spaß gemacht“, sagt Ambacher. „Zum Beispiel das Auto der Zukunft. Ich habe kein Auto, ich bin kein Ingenieur, und ich hatte mir noch nie Gedanken über das Auto der Zukunft gemacht. Aber festzustellen, wie komplex und spannend das Thema ist, hat mir viel Freude gemacht.“

Die ursprünglich aus Tübingen stammende Zukunftsforscherin hat nach dem Abitur eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert und anschließend in der Gesundheitsversorgung gearbeitet, bevor sie an der Hochschule Ravensburg-Weingarten am Bodensee Pflegepädagogik studierte. Anschließend arbeitete Ambacher eineinhalb Jahre als Krankenschwester und in der Ausbildung von Pflegepersonal in Gambia, Westafrika. „Es war eine tolle und sehr wertvolle Erfahrung – sowohl fachlich als auch persönlich“, sagt Ambacher.

Über den Tellerrand hinausschauen

Auf der Suche nach einem Masterstudiengang, in dem sie ihr Wissen im Gesundheitswesen verwenden, aber gleichzeitig ihr Themengebiet erweitern könnte, wurde sie schließlich an der Freien Universität fündig: „Zuerst sagte mir der Begriff Zukunftsforschung nicht viel, aber als ich ein wenig recherchiert hatte, fand ich vor allem die Interdisziplinarität reizvoll.“

Der Masterstudiengang steht ausdrücklich allen Studienrichtungen offen. „Das macht auch seinen Charme aus und die Diskussionen spannend“, sagt Ambacher. Sie ist der Meinung, dass die großen Fragestellungen der Zukunft nicht von einer Profession allein beantwortet werden könnten. In Ambachers Semester waren 16 Studierende immatrikuliert – alle mit einem anderen akademischen Hintergrund: von Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft bis hin zu Religionswissenschaften und Psychologie. „Obwohl wir eine kleine Gruppe waren, kamen durch die verschiedenen Lebensläufe viele unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zusammen, was neue Blickwinkel eröffnet hat.“

Die eigene Zukunft gestalten

Zurzeit ist Nicole Ambacher damit beschäftigt, ein eigenes Unternehmen zu gründen: „Wir arbeiten an einer Software, die langfristige Einschätzungen und Strategie-Prozesse im Gesundheitswesen unterstützen soll.“ Einen Namen für das Projekt gibt es bereits: „ExpertSight“. Das Team besteht aus den beiden Ideen-Gebern – Ambacher selbst und Daniel Knapp, den sie durch ihre berufliche Tätigkeit kennenlernte – und einem Masterstudenten. Für die Anfangsunterstützung hat das Team  ein sogenanntes EXIST-Gründerstipendium erhalten – ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. „Unser Projekt verbindet Zukunftsperspektive und Innovation mit meinem Fachgebiet, dem Gesundheitswesen“, sagt Nicole Ambacher.

Weitere Informationen

Der Masterstudiengang Zukunftsforschung

ist eine Initiative des Arbeitsbereichs Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung unter der Leitung von Professor Gerhard de Haan und wurde in Kooperation mit verschiedenen Institutionen und Einzelpersonen aus dem „Netzwerk Zukunftsforschung“ entwickelt. Das Netzwerk ist ein Verbund von rund 20 Institutionen, die in der Zukunftsforschung in Deutschland aktiv sind. Das Team der Lehrenden am Institut Futur kommt meist aus der Praxis und befasst sich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit Zukunftsforschung.