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Das Schicksal der Roma in Berlin

Gastprofessorin Heide Castañeda forscht an der Arbeitsstelle für Medizinethnologie der Freien Universität

29.06.2012

Heide Castañeda forscht derzeit als Gastprofessorin am Insitut für Ethnologie der Freien Universität.
Heide Castañeda forscht derzeit als Gastprofessorin am Insitut für Ethnologie der Freien Universität. Bildquelle: privat

Wenn sie krank werden, wird es für sie richtig teuer – oder sie müssen auf die Mildtätigkeit anderer hoffen: Seit dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens in die Europäische Union 2007 haben viele ehemals illegal in Deutschland lebende Roma als EU-Bürger zwar das Recht auf Freizügigkeit, doch krankenversichert sind die wenigsten. Denn eine Arbeitserlaubnis – und damit Zugang zu den Sozialversicherungen – besitzen sie bis 2014 in Deutschland nicht. So wollen es die EU-Erweiterungsverträge. „Als die Politik den Beitritt der osteuropäischen Staaten zur Europäischen Union beschloss, hat sie offenbar die Folgen dieser Entscheidung für die Gesundheitsversorgung nicht ganz bedacht“, sagt Heide Castañeda.

Zudem sind viele Roma auch in ihren Herkunftsländern nicht krankenversichert. Gehen sie in Deutschland zum Arzt, werden sie manchmal gar nicht behandelt, weil niemand weiß, wer für die Kosten aufkommt. „Man ging viel zu lange davon aus, dass diese Menschen ohne Arbeitserlaubnis gar nicht kommen oder nicht lange bleiben würden“, sagt Heide Castañeda. „Dem ist aber nicht so.“ Die Wissenschaftlerin von der University of South Florida in Tampa ist derzeit als Gastprofessorin am Institut für Ethnologie der Freien Universität – gefördert vom deutsch-amerikanischen Fulbright-Programm.

Bislang fehlen Studien, wie sich der Missstand auf die Betroffenen auswirkt, wie die Behörden vor Ort und die Politik darauf reagieren. Das möchte Castañeda ändern. Sie untersucht die Situation der Roma in Berlin, um an diesem Beispiel zu zeigen, auf welche Probleme und Widerstände die Betroffenen stoßen.

Rückkehr in die zweite Heimat

Dazu führt Heide Castañeda Gespräche mit den Immigranten und deren behandelnden Ärzten, mit den Mitarbeitern der Gesundheitsämter in den Bezirken, den Integrationsbeauftragten und nichtstaatlichen Hilfsorganisationen. „Von den unversicherten Patienten, die von staatlichen und nichtstaatlichen Versorgungsstellen in Berlin vermittelt werden, sind allerdings knapp ein Drittel EU-Unionsbürger“, sagt Castañeda. „Und die Krankenhäuser sind oft überfordert, kennen zum Teil nicht einmal die richtigen Formulare.“

Für die Ethnologin ist der Forschungsaufenthalt eine Rückkehr in ihre zweite Heimat: Als Tochter eines Sozialarbeiters beim US-amerikanischen Militär und einer deutschen Mutter wuchs sie in Deutschland auf, machte hier das Abitur und ging nach zwei Jahren Studium in Marburg in die Vereinigten Staaten, wo sie einen Master in Anthropologie und einen weiteren in Gesundheitswissenschaften erlangte.

2007 wurde sie an der University of Arizona promoviert und wechselte dann nach Florida. Dass sie nun nach Berlin gekommen ist, sagt Castañeda, läge nicht nur daran, dass hier deutschlandweit die meisten Roma-Migranten aus anderen EU-Ländern leben. „Mit der Arbeitsstelle für Medizinethnologie bietet die Freie Universität exzellente Forschungsbedingungen.“