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Die Nähe der vergangenen Zeiten

Verena Lepper, Kuratorin der Papyrussammlung des Ägyptischen Museums Berlin, lehrt an der Freien Universität

24.01.2012

Verena Lepper ist Kuratorin der Papyrussammlung des Ägyptischen Museums. Die altägyptischen und orientalischen Papyri, Texte und Zeichnungen auf aus der Papyruspflanze hergestelltem Beschreibstoff, zeugen von den ersten Kulturen der Menschheit.
Verena Lepper ist Kuratorin der Papyrussammlung des Ägyptischen Museums. Die altägyptischen und orientalischen Papyri, Texte und Zeichnungen auf aus der Papyruspflanze hergestelltem Beschreibstoff, zeugen von den ersten Kulturen der Menschheit. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Im Nordflügel des Neuen Museums, gleich hinter dem kleinen Kuppelraum, der die berühmte Büste der Nofretete beherbergt, warten besonders fragile Schätze auf den Besucher: altägyptische und orientalische Papyri, Texte und Zeichnungen auf aus der Papyruspflanze hergestelltem Beschreibstoff, die Zeugnis ablegen von den ersten Kulturen der Menschheit. Seit 2008 ist die promovierte Ägyptologin Verena Lepper Hüterin dieser insgesamt 60.000 Handschriften und Papyri umfassenden Sammlung des Ägyptischen Museums.

„Die Texte dieser Papyri sind keine trockenen, alten Dokumente – ganz im Gegenteil: Sie sind unglaublich lebendig“, versichert die 38-jährige Kuratorin. Viele der Themen aus den Bereichen Literatur, Medizin oder Religion, die die alten Ägypter beschäftigt und niedergeschrieben haben, sind auch heute relevant. Diese Nähe der Vergangenheit fand Verena Lepper schon in ihrer Doktorarbeit über den Westcar-Papyrus, den längsten literarischen Text der klassischen ägyptischen Epoche: „Das sind wunderbare Geschichten, die sich ironisch mit dem Pharao auseinandersetzen  und teilweise richtig viel Humor bergen“, berichtet sie.

Wenn Verena Lepper von ihrem Beruf und ihrem Forschungsgebiet erzählt, merkt man sofort: Diese Frau ist mit vollem Engagement dabei. Die Neigung zur Ägyptologie hat sich schon früh gezeigt: Dank einer engagierten Geschichtslehrerin erwachte ihr Interesse für alte Kulturen bereits in der Schule, und so wechselte Verena Lepper auf ein humanistisches Gymnasium, um die alten Sprachen – Griechisch, Hebräisch und Latein – zu erlernen.

Schlüssel zum Verständnis der Kulturen

Während des Studiums der Ägyptologie, Semitistik und Christlichen Orientalistik in Bonn, Oxford und Tübingen lernte sie neben den fünf ägyptischen Sprachen (Alt-, Mittel-, Neuägyptisch, Demotisch und Koptisch) auch verschiedene semitische Sprachen wie Aramäisch, Arabisch, Syrisch oder Ugaritisch. Die Kenntnisse der Sprachen und Schriften sind für die Wissenschaftlerin der Schlüssel zum Verständnis der Kulturen.

In ihrem umfangreichen akademischen Lebenslauf, der sie neben Bonn auch an die Harvard-University führte, hat Verena Lepper es stets verstanden, ihre wissenschaftliche Arbeit mit gesellschaftlichen Anliegen zu verbinden. Im Zusammenhang mit ihrer Berufung in die Junge Akademie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften setzte sie sich beispielsweise für die Verbesserung der universitären Lehre und für den Stand „kleiner Fächer“, wie der Ägyptologie, ein.

Von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet: eine von „100 Frauen von morgen“

An ihrer jetzigen Stelle als Wissenschaftlerin des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung empfindet Verena Lepper die Verzahnung der Museumsarbeit mit der universitären Lehre als reizvoll: Seit dem Sommersemester 2011 ist sie Lehrbeauftragte am Ägyptologschen Seminar der Freien Universität. Sie lässt ihre Studenten direkt an den Originalen der Sammlung studieren. Damit sieht sie das Museum nicht nur als Ort der Ausstellung, sondern auch als Ort der Forschung.

Das Engagement an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wurde kürzlich durch die gemeinsame Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ von Vertretern aus der Wirtschaft und der Bundesregierung ausgezeichnet: Verena Lepper gehört zu den „100 Frauen von morgen“, die vom Bundespräsidenten ausgezeichnet wurden, weil sie in den unterschiedlichsten Bereichen die Zukunft Deutschlands aktiv mitgestalten. Dass eine Altertumswissenschaftlerin diese zukunftsweisende Auszeichnung erhält, zeige Verena Lepper zufolge einmal mehr, wie relevant die Auseinandersetzung mit den Frühzeiten der menschlichen Kultur für die Gegenwart ist: „Von den altägyptischen und orientalischen Texten können wir vieles lernen und unsere technische Arroganz vielleicht ein bisschen zurücknehmen. Denn viele Entdeckungen sind nicht auf uns zurückzuführen, sondern auf die älteste Kultur der Menschheit.“