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„Ich würde mich immer wieder für ein Sprachstudium entscheiden“

Wolfgang Mackiewicz als Direktor des Sprachenzentrums der Freien Universität verabschiedet

18.01.2012

Prof. Dr. Wolfgang Mackiewicz war Direktor des 1973 gegründeten Sprachenzentrums der Freien Universität, das er gemeinsam mit Harald Preuss aufgebaut hat.
Prof. Dr. Wolfgang Mackiewicz war Direktor des 1973 gegründeten Sprachenzentrums der Freien Universität, das er gemeinsam mit Harald Preuss aufgebaut hat. Bildquelle: Jan Hambura

Seit über 45 Jahren ist Wolfgang Mackiewicz an der Freien Universität: zunächst als Student, dann als Assistent am Englischen Seminar, seit 1973 am kurz zuvor gegründeten Sprachenzentrum. Nun hat der inzwischen Anfang 70-jährige Linguist die Leitung der Zentraleinrichtung an seine Nachfolgerin Ruth Tobias abgegeben. Der Freien Universität bleibt Wolfgang Mackiewicz auch weiterhin erhalten: als Beauftragter für die europäische Hochschulkooperation (SOKRATES/ERASMUS) des Sprachenzentrums, als Europa-Beauftragter des Präsidiums sowie als Honorarprofessor.

Wolfgang Mackiewicz studierte Germanistik und Anglistik an der Freien Universität. Eine prägende Erfahrung aus dieser Zeit war die Begegnung mit Péter Szondi, dem großen Literaturwissenschaftler und Begründer des Instituts für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität, das heute seinen Namen trägt: „Er hat mich sehr beeindruckt“, sagt Wolfgang Mackiewicz. „Die Note der Seminararbeit, die ich bei ihm geschrieben habe, war nicht so berauschend, doch das wirklich Tolle daran war, dass sich Péter Szondi für mich, einen Studenten, so viel Zeit nahm“, sagt er.

Nach 13 Monaten in Braunschweig, wo Wolfgang Mackiewicz an der Technischen Universität ein Sprachenzentrum aufbaute, kehrte er an die Freie Universität zurück – um dort das 1973 gegründete Sprachenzentrum gemeinsam mit Harald Preuss aufzubauen.

ERASMUS-Kooperation begann am Sprachenzentrum

Eng verknüpft mit dem Sprachenunterricht ist der internationale Austausch von Studierenden und Dozierenden. Das ERASMUS-Büro an der Freien Universität wurde deshalb zunächst dem Sprachenzentrum angegliedert. Der Studierendenaustausch ist Wolfgang Mackiewicz bis heute ein persönliches Anliegen. „Das prägt und bildet einen jungen Menschen ungemein“, sagt er. Einen Auslandsaufenthalt an der Universität Leeds in Großbritannien habe er nur dank eines Stipendiums der Studienstiftung des deutschen Volkes realisieren können.

Der Sprachwissenschaftler, der – ursprünglich Literaturwissenschaftler – mit 41 Jahren mit einer Arbeit über Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ an der Freien Universität promoviert wurde, ist besonders stolz darauf, dass die Kurse des Sprachenzentrums von Studierenden der Freien Universität kostenlos genutzt werden können. Vorschläge, was sich am sprachenbezogenen Angebot der Hochschule weiter verbessern ließe, entwickelt Mackiewicz am Vorbild anderer Länder: „An der Universität Helsinki gibt es beispielsweise für Studenten die Möglichkeit, sich kostenfrei englischsprachige Arbeiten durchschauen zu lassen“, sagt er.

Noch kein Abschied in den Ruhestand

Der Ruhestand – im eigentlichen Wortsinn – wäre nichts für Wolfgang Mackiewicz. Denn neben seiner Honorarprofessur für Englische Philologie und der Tätigkeit als Beauftragter für die europäische Hochschulkooperation des Sprachenzentrums sowie als Europa-Beauftragter des Präsidiums der Freien Universität gehört Wolfgang Mackiewicz zahlreichen nationalen und europäischen Beiräten an. Unter anderem ist er Präsident des Europäischen Sprachenrats. Zudem wurde er dreimal mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet: Von der Universitatea Babeş-Bolyai, Cluj-Napoca im rumänischen Klausenburg, der Université Charles-de-Gaulle – Lille 3 in Frankreich und der belgischen Vrije Universiteit Brussel in Belgien.

Vieles treibt den Linguisten um: „In der Europäischen Union sind 25 Prozent der 15-Jährigen Analphabeten.“ Dagegenzusteuern sei sehr wichtig. Sorgen bereitet Mackiewicz auch, dass viele gut ausgebildete Sprachwissenschaftler keine Beschäftigung in ihrem Fach finden. „Auf Stellenausschreibungen des Sprachenzentrums bewerben sich häufig weit über hundert Kandidaten.“ Fast allesamt mit Doktortiteln.

Wolfgang Mackiewicz würde sich jederzeit wieder für ein Sprachstudium entscheiden. Eine Alternative zu seiner Arbeit am Sprachenzentrum wäre die Tätigkeit als Konferenzdolmetscher gewesen. Für diese Arbeit müsse man sich eine gewisse geistige Agilität bewahren. „Die  Dolmetscher in Brüssel sind wahre Künstler“, sagt Mackiewicz.