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Ein Gesicht für die Mathematik

Günter M. Ziegler ist seit März Professor für Diskrete Geometrie an der Freien Universität

Der Mathematiker Günter M. Ziegler ist neu an der Freien Universität und leitet die Arbeitsgruppe Diskrete Geometrie.
Der Mathematiker Günter M. Ziegler ist neu an der Freien Universität und leitet die Arbeitsgruppe Diskrete Geometrie. Quelle: Gisela Gross

14.03.2011

Die Presse nennt ihn „Mathe-Guru“, sein Verlag bezeichnet ihn als den „smartesten Mathematikprofessor Deutschlands“ und das Fach als „8000 Prozent cool“. Günter M. Ziegler hat wesentlich dazu beigetragen, dass Mathematik in der Öffentlichkeit heute ein positiveres Ansehen genießt. Dass das Rechnen bei ihm dennoch nicht zu kurz kommt, beweist er unter anderem als Leiter der 25-köpfigen Arbeitsgruppe Diskrete Geometrie, die er von der Technischen Universität mit nach Dahlem brachte.

Günter M. Ziegler ist kein Wissenschaftler, der im Elfenbeinturm sitzt. Die Türen zu seinem Büro im Erdgeschoss der frisch sanierten „Mathematik-Villa“ in der Arnimallee stehen offen, der Blick geht in den Garten. Doch das schöne Büro sei nicht allein ausschlaggebend gewesen für den Wechsel nach 16 Jahren Professur an der Technischen Universität, sagt Ziegler. Die langjährige Verzwurzelung in der Berliner Mathematik und der gleichzeitige Wunsch nach einer Veränderung hätten den 47-Jährigen nach Dahlem geführt. Und mit ihm die 25 Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Diskrete Geometrie. „Mathe zu machen ist für mich etwas sehr Dialogisches, das mit Doktoranden, Post-Docs und Diplomanden zusammen passiert.“ Technische Hilfsmittel kommen dabei weniger zum Einsatz, zur Problemlösung schwört der ehemalige Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung auf den klassischen Karoblock, Bleistift und die Handbibliothek.

Schwerpunkt Diskrete Geometrie

Die Diskrete Mathematik beschäftigt sich mit zählbaren Objekten, im Gegensatz zu glatten, kontinuierlichen Prozessen. Ziegler beschreibt sein Fach folgendermaßen: „Ich arbeite mit geometrischen Objekten, die aus endlich vielen Bauteilen zusammengesetzt sind, wie man das etwa von Gerüsten und von Glasdächern kennt.“ Was genau er da eigentlich macht, ist eine Frage, die Ziegler immer wieder beantworten muss und die ihn immer öfter auf die öffentliche Bühne treten ließ. Es begann mit einer Vorlesung über Mathematik im Spiegel der Öffentlichkeit, die er 2001 als frischgebackener Leibniz-Preisträger hielt. Das hatte Konsequenzen: „Ich bin teilweise wegen dieses Vortrags in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen worden. Dann wollte ein erster Verlag ein Mathebuch für Jugendliche auflegen. Und ich habe gemerkt, dass es meinem Ansehen als Wissenschaftler nicht schadet, wenn ich an die Öffentlichkeit gehe“, sagt Ziegler, der bereits als Schüler Mathe-Wettbewerbe gewann und sich mit 29 Jahren habilitierte.

Von der Mathematik ins Fernsehen

Der Satz „Wer sich verteidigt, ist ein Loser“ dient ihm als Maxime: „Wenn ich schreibe, dass Mathe in der Schule für viele furchtbar war, aber dass ich nun trotzdem erkläre, warum es spannend ist – dann habe ich schon verloren.“ So entstand das Buch „Darf ich Zahlen?“ (2010 bei Piper), in dem Ziegler Geschichten aus der Mathematik so erzählt, wie er es im Freundeskreis tun würde. Das führte ihn in Stefan Raabs Sendung „TV Total“. Einen Folgetitel sähe man im Verlag gerne, doch Ziegler ist vielbeschäftigt.

Bis 2015 läuft ein Forschungsprojekt, das Diskrete Geometrie und Topologie mit Fragen der Numerik verbindet und mit 1,85 Millionen Euro vom European Research Council (ERC) finanziert wird. Nachwuchsförderung, Reisen, Netzwerken, all das gehört neben der reinen Mathematik zu Zieglers Job. Auch in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften will er sich an der Freien Universität engagieren. „Und in meiner Freizeit schreibe ich meine Kolumne für die ‚Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung’. Ich mache das alles mit Vergnügen“, betont er.

Die Vermittlung dieser Begeisterung wird seit 2008 durch ein Medienbüro unterstützt, etwa bei Initiativen wie dem MatheMonatMai und dem Jahr der Mathematik. Mit seinem Engagement reihe er sich gerne etwa neben Ehrhard Behrends, Konrad Polthier oder Christof Schütte in die Riege der Mathematik-Professoren der Freien Universität ein, die ebenfalls erfolgreich für ein vielfältiges Bild ihres Faches in der Öffentlichkeit werben, sagt Ziegler. Auch für die diesjährige Lange Nacht der Wissenschaften gibt es schon gemeinsame Pläne am Institut für Mathematik. Ein Arbeitstitel jedenfalls lautet vielversprechend: „Schlag den Prof“.

Gisela Gross

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