Freie Universität Berlin


Service-Navigation

Champignon, Steinpilz, Lacktrichterling?

Erweiterte Sprechzeiten: Die kostenlose Pilzberatung im Botanischen Museum reagiert damit auf die große Nachfrage

24.09.2010

Champignon oder Steinpilz? Hansjörg Beyer berät seit vielen Jahren zum Thema Pilze
Champignon oder Steinpilz? Hansjörg Beyer berät seit vielen Jahren beim Thema Pilze Bildquelle: Marina Kosmalla

Des einen Leid ist des anderen Freud: Der feuchte Herbstanfang brachte ideale Wetterbedingungen für Pilze. Weil aber nicht immer eindeutig ist, welcher Pilz genießbar ist und welcher nicht, erfreut sich die Pilzberatung im Botanischen Museum sehr hoher Nachfrage. Über 100 Besucher wurden bereits gezählt. Mehrfach schon wurden in dieser Saison giftige oder sogar tödlich giftige Pilze in die Sprechstunde mitgebracht. „Damit dürfte die Pilzberatung wieder einige Menschen vor schweren Vergiftungen bewahrt haben“, sagt Hansjörg Beyer, Leiter der kostenlosen Pilzberatung.

Während sich andere Kinder mit Klingelstreichen amüsierten, setzte Hansjörg Beyer im Garten seiner Eltern Stinkmorcheln aus – die seitdem prächtig gediehen. Schon als Grundschüler besuchte er die Pilzberatung im Botanischen Museum und versetzte die Berater in Staunen, als ihm bei einem Besuch ein gravierender Fehler auf einer historischen Stelltafel auffiel.

„Dort wurde der sehr giftige Pantherpilz noch als essbar nach Abziehen der Huthaut bezeichnet“, erzählt Beyer. „Der Irrtum reicht bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. Denn damals war der Unterschied zwischen dem sehr giftigen Pantherpilz und dem täuschend ähnlich aussehenden, aber essbaren Grauen Wulstling noch nicht richtig bekannt.“

Mediterrane Pilze in Brandenburg

Die Leidenschaft für Pilze machte Beyer allerdings nicht zu seinem Hauptberuf. Nach dem Studium der Politikwissenschaften an der Freien Universität absolvierte er eine Ausbildung für den nichttechnischen Verwaltungsdienst und ist heute beim Land Berlin beschäftigt.

Sein Interesse an Pilzen ist für Beyer kein „Hobby“, sondern eher „eine Art Berufung“. Seit 2005 ist er geprüfter Pilzsachverständiger nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V. und bereits seit mehr als zehn Jahren Mitglied der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg e.V.

Hier bekommt er immer wieder seltene Funde aus der Region zu sehen. „In den letzten Jahren wurde beispielsweise wiederholt der Fransige Wulstling präsentiert – eigentlich ein eher mediterraner Pilz, doch seit einigen Jahren anscheinend vermehrt auch im Land Brandenburg zu finden“, erklärt der Pilzsachverständige. „Ob das mit dem Klimawandel zu tun hat oder  eine nur zufällige Häufung ist, müsste näher untersucht werden.“

Pilze sammeln in Berlin und Brandenburg

Berlins Wälder und Umgebung sind mit mehr als 1500 bekannten Großpilzarten ein überaus interessanter Ort für Pilzsucher. Was bei der Suche auf keinen Fall fehlen darf, sind ein Korb zur luftigen Aufbewahrung der Pilze sowie ein scharfes Messer zum Reinigen der Funde. Werden die Pilze jedoch damit abgeschnitten, gilt besondere Vorsicht: „So weist der tödlich giftige Grüne Knollenblätterpilz einen knolligen Stielgrund mit häutiger Scheide auf, was leicht übersehen werden kann, wenn der Pilz über dem Erdboden abgeschnitten wurde“, warnt Beyer.

Kostenlose Pilzberatung mit langer Tradition

Ist nun der gefundene Pilz giftig oder nicht? Essbar oder ungenießbar? Wie unterscheidet er sich von ähnlich aussehenden Pilzen? „Wer Pilze essen möchte, muss den betreffenden Pilz mit absoluter Sicherheit erkennen können und sich auch über seine Genießbarkeit im Klaren sein“, betont der Pilzberater. Bei der Bestimmung des Fundes hilft die kostenlose Pilzberatung im Botanischen Museum Berlin-Dahlem bereits seit 1890. Außerdem gibt es hier auch den einen oder anderen Zubereitungstipp mit auf den Weg.

Kostenlose Pilzberatung im Botanischen Museum Berlin-Dahlem:

Ort: Botanisches Museum, Königin-Luise-Str. 6 – 8, 14195 Berlin (Bus X83, 101)
Zeit: September: montags von 13.00 bis 16.30 Uhr,
        Oktober bis November: montags von 12.00 bis 16.30 Uhr
Infos: www.bgbm.org/BGBM/pr/about/pilze.htm