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Warum Archäologie höchst aktuell ist

Reinhard Bernbeck ist neuer Professor für Vorderasiatische Archäologie an der Freien Universität Berlin

25.08.2009

Schätzt den wissenschaftlichen Austausch an der Freien Universität: Professor Reinhard Bernbeck
Schätzt den wissenschaftlichen Austausch an der Freien Universität: Professor Reinhard Bernbeck Bildquelle: privat

Wirtschaftsboom, Imperialismus, soziale Ungleichheit: Die Probleme, mit denen sich Reinhard Bernbeck auseinandersetzt, sind hochaktuell. Doch wenn sich der neue Professor für Vorderasiatische Archäologie mit diesen Themen beschäftigt, hat er nicht das 21. Jahrhundert im Blick, sondern das Neolithikum. Im Zentrum seiner Forschung stehen unter anderen Neuassyrer und Urartu, die erste Großmacht in der Menschheitsgeschichte und ein Königreich, das sich dieser Macht widersetzte.

Als Archäologe kommt Reinhard Bernbeck seine internationale Ausbildung zugute. Bei der Feldforschung etwa habe er viel von der französischen Archäologie profitiert, sagt er. In der Theorie und der Interpretation seiner Funde sind es neben französischen Denkern auch angelsächsische Denkweisen, die ihn faszinieren.

Klassische Archäologie reizte ihn nicht lange

Seine akademische Karriere begann in Paris an der Sorbonne mit einem Studium der Archäologie und Kunstgeschichte. Für Früh- und Vorgeschichte konnte sich Bernbeck anfangs jedoch nicht begeistern: „Ich interessierte mich für das, wofür sich die meisten Menschen interessieren, wenn es um Archäologie geht: nämlich das, was gut sichtbar ist.“ Doch die „großen Gebäude“, mit denen sich die klassische Archäologie beschäftigte, reizten ihn nicht lange. Bernbeck, der als Jugendlicher einige Jahre in Afghanistan lebte und nach dem Abitur ein Jahr im Iran verbrachte, entdeckte sein Interesse an den frühen und vorgeschichtlichen Perioden Vorderasiens.

Nach zwei Jahren Paris setzte er sein Studium an der Freien Universität Berlin fort. „Man hatte hier eine sehr große Freiheit bei der Gestaltung seines Studiums, für mich optimale Studienbedingungen“, erzählt er. Als Student arbeitete er auch an Ausgrabungen im syrischen Tell Schech Hamad mit. „1983 etwa durften wir eine Geländebegehung an der syrisch-iranischen Grenze planen und durchführen. Als Professor heute muss ich manchmal schlucken, wenn ich daran denke, welches Vertrauen man in uns Studenten gehabt hat“, sagt Bernbeck.

Engagement auch in politisch unsicheren Gegenden

1995 ging er als Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung in die USA an das Department of Anthropology der State University of New York at Binghamton, wo er nach seiner Habilitation als Professor tätig war. Seine guten Persischkenntnisse setzte er in dieser Zeit auch ehrenamtlich ein und engagierte sich als Übersetzer für das Internationale Komitee des Roten Kreuzes im Afghanistan-Konflikt. In politisch unsicheren Gegenden unterwegs zu sein, ist für Reinhard Bernbeck kein Problem, wie er sagt: „Ich lasse mich von politischen Umständen nicht leicht abschrecken.“ 

Der Umzug nach Berlin in diesem Jahr habe für ihn bisher fast ausschließlich positive Seiten gehabt: „Der Empfang hier war wunderbar. Und der wissenschaftliche Austausch in Berlin ist sehr spannend.“ Wegen der vielen anregenden Konferenzen, sagt Bernbeck, müsse er sich allerdings vermutlich bald Sorgen um seine eigene Forschung machen: „Wenn man nicht aufpasst, hat man dafür kaum noch Zeit.“