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Kapitalismus, Konjunktur und andere Krisengebiete

Susanne Lütz ist neue Professorin für Politikwissenschaft der Arbeitsstelle Internationale Politische Ökonomie

15.01.2009

Die Neigung zum Journalismus hat Susanne Lütz zurückgestellt zugunsten der wissenschaftlichen Karriere. Ihr Arbeitsplatz ist seit dem vergangenen Sommer das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität
Die Neigung zum Journalismus hat Susanne Lütz zurückgestellt zugunsten der wissenschaftlichen Karriere. Ihr Arbeitsplatz ist seit dem vergangenen Sommer das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Bildquelle: privat

Seit mehr als zehn Jahren erforscht die Politikwissenschaftlerin Susanne Lütz die Regulierung von Finanzmärkten in Zeiten der Globalisierung – nicht nur während der Finanzkrise ein brisantes Forschungsgebiet.

Susanne Lütz ist Politikwissenschaftlerin. An politischen Akteuren hat die Professorin für Internationale politische Ökonomie deshalb in erster Linie ein wissenschaftliches Interesse. Finanzminister Peer Steinbrück tut ihr jetzt, in der aktuellen Krise, dennoch fast ein wenig leid: „Seine Rolle als Hüter eines stabilen Staatshaushaltes kann er nicht durchhalten. Er muss Rettungspakete für Banken ausarbeiten, von denen er nicht weiß, ob sie ankommen – da hat er einige fundamentale Probleme.“ Wenn Susanne Lütz jemals die Möglichkeit hätte, sich mit dem Minister unter vier Augen zu unterhalten – sie würde mit ihm am liebsten ihre Forschungsfragen diskutieren: Welche Rolle haben die Finanzminister der Nationalstaaten bei der Entscheidung über die Finanzarchitektur der Welt? Welche Möglichkeiten gibt es, die Interessen der USA und der europäischen Länder mit denen der aufstrebenden Schwellenländer auszubalancieren?

Das Comeback des Nationalstaates in Zeiten der Krise

In Zeiten der Krise des Finanzmarktkapitalismus hat das Interesse an dem komplexen Thema Konjunktur. Nicht nur politische Fachmagazine, auch Publikumszeitschriften beschäftigen sich mit der Frage, ob Geld die Welt regieren sollte – und welche Rolle der Nationalstaat in einer globalisierten Welt überhaupt noch bei der Regulierung spielen kann. Vor über zehn Jahren, als Susanne Lütz begann, sich mit Fragestellungen zur staatlichen Regulierung und Steuerung von Finanzmärkten zu beschäftigen, stand sie dagegen mit ihrem Forschungsinteresse recht allein. „Ich hatte festgestellt, dass das Thema in der angelsächsischen Literatur bereits intensiv bearbeitet worden war, aber dass es kaum Arbeiten dazu gab, die sich mit Deutschland beschäftigten.“ Lütz entdeckte eine Forschungslücke, die für sie wegweisend war.

Promotion statt Printjournalismus

Dabei hatte sie während ihres Studiums der Politikwissenschaft, Geschichte und Volkswirtschaftslehre an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg zunächst nicht an eine wissenschaftliche Karriere gedacht. Stattdessen tendierte sie zum Journalismus. Nach einigen Praktika in den Redaktionen verschiedener Zeitungen war dieser Berufswunsch allerdings ein wenig entzaubert: „Ich wollte mich lieber intensiver und über einen längeren Zeitraum mit einem Thema auseinandersetzen“, erzählt Lütz. Eine erfolgreiche Bewerbung beim Graduiertenkolleg für Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln und ein Stipendium der Stiftung Volkswagenwerk ermöglichten ihr die Promotion: Ihre Arbeit wurde mit der Otto-Hahn-Medaille für den wissenschaftlichen Nachwuchs der Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet. Danach arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. „Bis dahin war mein wissenschaftliches Interesse am Thema Finanzmärkte eher diffus. Im Max-Plack-Institut bekam ich die Gelegenheit, mich so intensiv damit auseinanderzusetzen, dass daraus die Habilitationsschrift entstand.“ Auch die Habilitation wurde ausgezeichnet: Für ihre Arbeit „Der Staat und die Globalisierung von Finanzmärkten. Regulative Politik in Deutschland, Großbritannien und den USA“ bekam Lütz den Post-Doc-Förderpreis der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW).

Von der Ruhr an die Spree

Nach Lehrtätigkeiten an der Universität Köln und einer Professur an der FernUniversität Hagen ist Susanne Lütz nun seit dem vergangenen Sommersemester am Otto-Suhr Institut der Freien Universität. Hier fühlt sie sich „sehr gut aufgehoben“. Berlin findet sie ausgesprochen „spannend“, auch wenn die Mentalität etwas rauer sei, als sie es aus dem Ruhrgebiet gewohnt ist. Viel Zeit, die Stadt zu erkunden, hat sie seit ihrer Ankunft jedoch nicht, denn ihre Forschungsinteressen umfassen neben Finanzmärkten auch vergleichende Politikfeldanalyse, Corporate Governance und geistige Eigentumsrechte. „Je mehr Forschungsprojekte man hat, desto mehr Zeit muss man in Projektmanagement investieren“, sagt sie. Beschweren würde sie sich darüber jedoch nie: „Dieses Problem kennt wahrscheinlich jeder Wissenschaftler.“