Bestens vorbereitet

Im Studienkolleg der Freien Universität werden studieninteressierte Flüchtlinge mit Deutschunterricht und fachspezifischen Kursen für die Uni fit gemacht

25.10.2016

Freuen sich auf ihr Studium in Deutschland – und arbeiten im Studienkolleg auf ihre Immatrukaltion hin: Lorin und Maher aus Syrien.
Freuen sich auf ihr Studium in Deutschland – und arbeiten im Studienkolleg auf ihre Immatrukaltion hin: Lorin und Maher aus Syrien. Bildquelle: Annika Middeldorf
Unterstützen Flüchtlinge bei der Aufnahme eines Studiums (v. l. n. r.): Florian Kohstall, Stefanie Böhler, Dorothee Mackowiak, Fatima Ajroudi und Kyra Gawlista.
Unterstützen Flüchtlinge bei der Aufnahme eines Studiums (v. l. n. r.): Florian Kohstall, Stefanie Böhler, Dorothee Mackowiak, Fatima Ajroudi und Kyra Gawlista. Bildquelle: Annika Middeldorf

„Ihr sprecht doch alle hervorragend Deutsch. Die englischen Flyer brauchen wir doch gar nicht“, sagt Stefanie Böhler. Sie läuft durch die Reihen eines Hörsaals auf dem Campus Lankwitz und verteilt Infomaterial zum studentischen BAföG. Deutsch, das ist die gemeinsame Sprache der studieninteressierten Flüchtlinge, die an diesem Tag zur Informationsveranstaltung des Studienkollegs gekommen sind. Das Angebot ist Teil des Welcome@FUBerlin-Programms, das Stefanie Böhler gemeinsam mit ihrem Kollegen Florian Kohstall leitet. Viele der Teilnehmer kommen aus Syrien, einige aus Ägypten oder Afghanistan. Allen ist gemein, dass sie in Deutschland studieren und sich ihre Zukunft aufbauen wollen.

Geflüchteten den Einstieg in ein reguläres Studium zu erleichtern, ist Ziel des Welcome@FUBerlin-Programms der Freien Universität. Um an einer deutschen Hochschule immatrikuliert zu werden, brauchen Bewerber neben Deutschkenntnissen häufig auch besondere Kenntnisse für ein Fach. Diese fachspezifische Ausbildung leistet das Studienkolleg, das über ein Jahr lang belegt werden muss. „Zum Abschluss legen die Schüler eine sogenannte Feststellungsprüfung zur Hochschuleignung ab“, erklärt Vida Kaluza vom Studienkolleg der Freien Universität. „Das klingt kompliziert, aber letztlich ist die bestandene Prüfung eine Art fachgebundenes Abitur.“

Das Studienkolleg gibt es an der Freien Universität seit mehr als 50 Jahren. Die erfolgreiche Teilnahme ermöglicht Studieninteressenten aus dem Ausland, deren Ausbildung in ihrem Heimatland sie nicht direkt berechtigt, in Deutschland zu studieren, die Zulassung zu einem Studium an einer deutschen Hochschule. Seit dem Sommersemester 2016 bietet das Studienkolleg spezielle Kurse für Flüchtlinge an.

Die 21-jährige Lorin ist eine der 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Durchgangs in diesem Wintersemester. Die Syrerin floh vor zwei Jahren nach Deutschland und hat im vergangenen Semester bereits Deutschkurse im Rahmen des Welcome@FUBerlin-Programms absolviert. Ihr Deutsch ist schon so gut, dass sie sich damit für ein reguläres Studium bewerben kann. Trotzdem glaubt Lorin, von dem Angebot des Studienkollegs profitieren zu können. „Ich möchte unbedingt Pharmazie studieren. Das Studienkolleg hilft mir, mich auch inhaltlich auf das Studium vorzubereiten“, sagt Lorin.

Unterrichtssprache: Deutsch, fünf Tage die Woche

Die Kurse des Studienkollegs finden täglich statt, unterrichtet wird ausschließlich auf Deutsch. „In fast allen Bachelor-Studiengängen an der Freien Universität ist Deutsch die Unterrichtssprache. Darum sind gute Sprachkenntnisse so wichtig“, sagt Florian Kohstall vom Welcome@FUBerlin-Programm. Vier Schwerpunkte werden unterrichtet. Sie bereiten auf wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Studiengänge vor, auf technische, mathematische und naturwissenschaftliche, auf medizinische und biologische sowie geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Studiengänge.

Auch Maher besucht seit Mitte September das Studienkolleg. In seinem Heimatland Syrien hat der 26-Jährige bereits ein Bachelor-Studium der Betriebswirtschaft abgeschlossen. Nun möchte er an der Freien Universität einen Master anschließen.

Ob Geflüchtete gleich mit dem Studium beginnen können oder ob sie zunächst die sogenannte Feststellungsprüfung ablegen müssen, bei der fachliche und sprachliche Voraussetzungen für ein Studium abgefragt werden, entscheidet sich bei der Durchsicht der vorgelegten Zeugnisse. Zuständig dafür ist die Prüfstelle Uni-Assist.

Diejenigen, die an diesem Nachmittag in den Reihen des Hörsaals G auf dem Campus in Lankwitz sitzen, haben diesen Schritt schon hinter sich. Für sie sind trotzdem noch viele Fragen offen: Was mache ich, wenn mein Asylantrag noch nicht bewilligt ist? Wie bereite ich mich auf die Feststellungsprüfung vor? Habe ich einen BAföG-Anspruch? Und wenn ja: Wie kann ich die Fördergelder beantragen?

Auskunft geben an diesem Nachmittag nicht nur Mitarbeiter des Studierenden-Service-Centers, des Welcome@FUBerlin-Programms und des Studienkollegs, sondern auch Studierende des AStA. „Für uns alle ist das eine Premiere und für so manches spezielle Anliegen müssen wir individuell nach einer Lösung suchen", sagt Florian Kohstall. „Aber wir haben ein gemeinsames Ziel: Alle studieninteressierten Flüchtlinge so zu unterstützen, dass sie ein reguläres Studium aufnehmen können.“

Weitere Informationen

Termine und Infos zum Welcome@FUBerlin-Programm unter: www.fu-berlin.de/welcome