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Umweltschutz als Exportschlager

Chinesische Delegation besuchte die SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz, die seit zehn Jahren an der Freien Universität stattfindet

11.03.2016

Nachhaltigkeit und Klimaschutz schon Schülern vermitteln: Karola Braun-Wanke (2. v. r.), Initiatorin der SchülerUni, hatte die Lehrer und Mitarbeiter der Grundschule an der Pekinger Universität nach Berlin eingeladen.
Nachhaltigkeit und Klimaschutz schon Schülern vermitteln: Karola Braun-Wanke (2. v. r.), Initiatorin der SchülerUni, hatte die Lehrer und Mitarbeiter der Grundschule an der Pekinger Universität nach Berlin eingeladen. Bildquelle: Manuel Krane
Wie viel Herstellungsfläche brauchen eigentlich... ein Roggenbrot, Kartoffeln, Sonnenblumenöl oder ein Schweineschnitzel? Die Schüler stecken das Terrain ab.
Wie viel Herstellungsfläche brauchen eigentlich... ein Roggenbrot, Kartoffeln, Sonnenblumenöl oder ein Schweineschnitzel? Die Schüler stecken das Terrain ab. Bildquelle: Manuel Krane
Wollen von Schülern lernen: „Erziehung wird bei uns anders betrachtet als in Deutschland“, sagt die Leiterin der Grundschule der Peking-Universität Yin Chao.
Wollen von Schülern lernen: „Erziehung wird bei uns anders betrachtet als in Deutschland“, sagt die Leiterin der Grundschule der Peking-Universität Yin Chao. Bildquelle: Manuel Krane

Auf der Wiese vor dem Neubau für die Kleinen Fächer an der Dahlemer Fabeckstraße stecken Schüler mit Seilen unterschiedlich große Felder ab. Sie sollen schätzen, wie viel Fläche Erde jeweils für die Produktion von Roggenbrot, Kartoffeln, Sonnenblumenöl und Schweineschnitzel benötigt wird. Den Kindern ist schnell klar: Das Schweineschnitzel braucht den meisten Platz. „Bei Rindfleisch wäre die Fläche noch dreimal größer“, erklärt Daniel Diehl vom Projekt „Mein kleiner Weltacker“. Der Bildungsreferent möchte den Kindern zeigen, wie sich täglicher Fleischkonsum auf die Umwelt auswirkt.

Im Osteuropa-Institut zeigen währenddessen Mitglieder der Bienen-AG des Herder-Gymnasiums anderen Schülern, wie Honig hergestellt wird. In ihrem Schulgarten in Charlottenburg haben sie sogar eigene Bienenstände. „Peer-to-Peer-Workshop“ nennt sich das Konzept, bei dem Schüler andere Schüler unterrichten.

Sensibilisierung für eine nachhaltige Entwicklung

Die Mitglieder der chinesischen Delegation, die die SchülerUni in der vergangenen Woche besuchte, hören aufmerksam zu, sie sind vom Vortrag der jungen Imker ebenso fasziniert wie die Schüler. „Schulgärten schaffen eine hohe Identifikation“, weiß Karola Braun-Wanke, Projektleiterin am Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität und Initiatorin der SchülerUni. Die schuleigene Honigherstellung sensibilisiere Kinder ganz besonders für den Erhalt der Biodiversität: „Sie merken am Schluss: Aha, das hat auch was mit mir zu tun“, sagt Braun-Wanke.

Während der fünftägigen SchülerUni an der Freien Universität konnten Klassen mehr als 80 Mitmachworkshops zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz besuchen; der Zugang zum Thema ist dabei oft praktisch, indem etwas gebastelt wird: „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ lautet das Motto.

Das leuchtete auch den chinesischen Besuchern ein: „Erziehung wird bei uns anders betrachtet als in Deutschland“, sagt die Leiterin der Grundschule der Peking-Universität Yin Chao, „wir wissen, dass Umwelterziehung hier sehr wichtig ist, davon möchten wir etwas lernen.“

Zehn Jahre SchülerUni

In diesem Jahr feiert die SchülerUni ihr zehnjähriges Bestehen. Anfangs habe man elf Workshops angeboten, sagt Karola Braun-Wanke, mittlerweile seien es mehr als 80: „Die Nachfrage der Schulen ist einfach riesig.“ Begonnen hatte die Initiative als Pilotprojekt, bei dem neue Formen von Wissensvermittlung entwickelt werden sollten. Von 2008 bis 2011 wurde das Bildungsformat als internationales Forschungsprojekt von der Europäischen Kommission gefördert und gemeinsam mit Universitäten aus Riga, Aalborg, Roskilde, Twente, London und Wien weiterentwickelt. Als die EU-Förderung auslief, ging es in Berlin auf städtischer Ebene weiter. Die SchülerUni wird noch bis Ende 2020 angeboten.

Gute Verbindungen nach Peking

Als der Präsident der Freien Universität, Professor Peter-André Alt, im April 2015 die Peking-Universität besuchte, mit der die Freie Universität eine strategische Partnerschaft verbindet, gehörte auch Karola Braun-Wanke zur Delegation. Initiiert hatte das Beate Rogler, die Leiterin des Verbindungsbüros der Freien Universität in Peking. Karola Braun-Wanke stellte dort das Konzept der SchülerUni vor und kam über Beate Rogler in Kontakt zur Grundschule der Peking-Universität.

„Das Interesse an unserem Bildungsformat freut uns natürlich sehr, und unsere Erfahrungen aus dem internationalen Projekt haben gezeigt, dass sich das Modell auf andere kulturelle Kontexte übertragen lässt“, sagt Braun-Wanke. Die chinesische Schule strebe eine Zusammenarbeit mit der Freien Universität an, um gemeinsam mit der Peking-Universität in kleinerer Form ein der Berliner SchülerUni vergleichbares Projekt etablieren zu können.

Mit der Peking-Universität kooperiert die Freie Universität bereits in zahlreichen Programmen, die sich um das Thema Nachhaltigkeit drehen. „Aktuell verändert sich die Sicht auf Umweltthemen in unserem Land ein wenig“, sagt Yin Chao, „es ist wichtig, dass wir den Schülern vermitteln, dass die Ressourcen dieser Erde begrenzt sind.“