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„Mach das, was zu dir passt!“

Biologiestudentin Janna Einöder, gerade vom Auslandssemester in Spitzbergen zurückgekehrt, war bei der Infoveranstaltung „bioJobs – wo soll’s hingehen?“

04.03.2016

Welche vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten es nach einem Biologie-Studium gibt, ist vielen Studierenden gar nicht klar. Deshalb ist es gut, darüber zu reden.
Welche vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten es nach einem Biologie-Studium gibt, ist vielen Studierenden gar nicht klar. Deshalb ist es gut, darüber zu reden. Bildquelle: Freie Universität Berlin
Die Nachfrage war groß: Mehr als 250 Studentinnen und Studenten waren beim bioJobs-Tag, um von Biologie-Absolventinnen und -Absolventen zu hören, in welchen Beruf ihr Studium sie geführt hat.
Die Nachfrage war groß: Mehr als 250 Studentinnen und Studenten waren beim bioJobs-Tag, um von Biologie-Absolventinnen und -Absolventen zu hören, in welchen Beruf ihr Studium sie geführt hat. Bildquelle: Janna Einöder
Gespräche, Infostände und ein Workshop zum Thema Bewerbung – mit dem ausführlichen Angebot auf dem bioJobs-Tag wollten die Initiatorinnen die Möglichkeit bieten, alle Fragen der Studierenden zu beantworten.
Gespräche, Infostände und ein Workshop zum Thema Bewerbung – mit dem ausführlichen Angebot auf dem bioJobs-Tag wollten die Initiatorinnen die Möglichkeit bieten, alle Fragen der Studierenden zu beantworten. Bildquelle: Janna Einöder

Die Frage „Biologie? Was macht man denn damit?!“ hat wohl schon jeder Biostudent zu hören bekommen – ob beim Small-Talk auf einer WG-Party oder beim Kaffeeklatsch mit der Familie. Auch andere kritische Stimmen bleiben oft nicht aus: „Das ist doch brotlose Kunst!“, „Ohne Doktortitel keine Karriere!“ oder „Entweder Familie oder Wissenschaftskarriere!“. Vieles davon sind natürlich überholte Ansichten, manches aber scheint noch immer bittere Wahrheit zu sein und für einige spezielle Berufswege zuzutreffen. Ich war deshalb kürzlich bei der eintägigen Veranstaltung „bioJobs – wo soll’s hingehen?“ am Institut für Biologie der Freien Universität, bei der Abvolventinnen und Absolventen meines Fachs ihre Berufe und Karrierewege vorgestellt haben.

Im Vorfeld habe ich mit den Initiatorinnen Antonia Strutz, promovierte Biologin und Projektkoordinatorin des ABV-Moduls Berufsperspektiven für Biologen, und Jana Petri vom Mentoringreferat am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie gesprochen. Sie wollten, dass die Studierenden bei dem Infotag alles fragen könnten sollen, was ihnen auf der Seele brennt. „Wir haben uns bemüht, Referentinnen und Referenten für die verschiedensten Berufsfelder zu finden, damit auch für jede und jeden etwas dabei ist!“, sagt Antonia Strutz.

Ich freue mich sehr, denn es ist tatsächlich das erste Mal, dass ich die Möglichkeit habe, an einem einzigen Tag Biologen aus so unterschiedlichen Berufen kennenzulernen und ausquetschen zu dürfen. Ich möchte wissen, welchen Weg diese Menschen gegangen sind, welche Schwierigkeiten sich ihnen gestellt haben – und ob sie auch manchmal Angst vor der Zukunft hatten?

Tipps: Über den Tellerrand schauen...

Der Hörsaal ist rappelvoll. 260 Studierende haben sich an diesem Donnerstagmorgen versammelt. Die Stimmung ist locker und das Programm vielfältig. Christine Kehl, promovierte Biologin, macht den Auftakt, sie erzählt auffallend erfrischend. Ihr Job beim Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e.V. macht ihr trotz des hohen Arbeitsaufwands großen Spaß. Ihr Bericht ermutigt uns Studierende, auch mal über den fachlichen Tellerrand zu blicken.

...Geduld und langer Atem!

Sarah Kiefer, die als promovierte Biologin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung arbeitet, schließt sich ihrer Vorrednerin an: Englischkenntnisse, universitäre Zusatzqualifikationen, zum Beispiel durch die Teilnahme am Mentoring-Programm der Freien Universität, und Sprachen oder andere fachfremde Interessen können den späteren Arbeitgeber überzeugen. Sie betont: „Ihr müsst Geduld und einen langen Atem für die Jobsuche mitbringen. Lasst euch nicht verunsichern!“

Katja Naie von der Schering-Stiftung geht motivationstechnisch noch einen Schritt weiter: „Das Wichtigste: Mach das, was zu dir passt!“ Puh! Das macht immerhin ein bisschen Mut. Gute fachliche Kenntnisse haben zu müssen – diese Bedingung ist nicht überraschend. Aber dass auch andere Qualifikationen und Interessen einen Vorteil bringen können, lässt mich aufatmen.

Wege in die Wissenschaft

Einige Dämpfer gibt es dann doch noch. Der erste kommt von Professorin Elke Genersch. Die Wissenschaftlerin arbeitet am Länderinstitut für Bienenkunde. Ihr Lebenslauf zeigt, dass sie sich schon früh für die Wissenschaftskarriere interessiert und hart dafür gearbeitet hat. Sie macht deutlich: „Ohne Doktortitel keine Wissenschaft!“ Sie sagt auch: „Wissenschaft ist messbar, Publikationen sind enorm wichtig.“ Auch Dorothee Andres, promovierte Biologin und ehemalige Harvard-Postdoktorandin – jetzt für Bayer Health Care tätig – , erzählt vom eher verbreiteten Bild der Biologin in der Wissenschaft.

Familie und Karriere – geht das?

Eine Frage, die vor allem mich und meine Kommilitoninnen interessierte, war der Mythos von der Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Kann ich nun Kinder haben und trotzdem Karriere in der Biologie machen? Eine klare Antwort scheint es hier nicht zu geben. Es gäbe viele Jobs, bei denen neben der Zeit auch das Geld fehle, um für ein Kind zu sorgen, sagten einige Referentinnen. Dass es dennoch funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Dorothee Andres, die an der Harvard University durch ihren Chef unterstützt wurde und deshalb die Doppelaufgabe Karriere und Kind bewältigen konnte. Auch der promovierte Biologe Daniel Frein vom Umweltbundesamt macht Hoffnung. Bei ihm gäbe es „eine Kindertagesstätte in unmittelbarer Nähe“, und die Arbeitszeiten seien „extrem flexibel“. Es gibt sie eben doch, die familienfreundlichen Arbeitgeber.

Mit vielen weiteren Vortragenden, einem gut bestückten Infostand und einem Workshop zum Thema „Bewerbung“ hielt die Veranstaltung, was sie versprach. Ich hatte die Möglichkeit, verschiedene Wege, Persönlichkeiten und Einschätzungen kennenzulernen und die Arbeitswelt durch die unterschiedlichsten Blickwinkel zu sehen. Das motiviert und eröffnet Perspektiven! Auf die Frage „Biologie? Was macht man denn damit?!“ habe ich jetzt vielfältige Antworten. Welchen Weg ich persönlich einschlagen werde, weiß ich noch nicht. Es bleibt spannend.

Weitere Informationen

Die nächste bioJobs-Veranstaltung im Rahmen des Mentoringprogramms findet im Wintersemester 2016/2017 statt. Ein ABV-Modul zum Thema Berufsperspektiven für Biologinnen und Biologen wird ebenfalls im WS 16/17 angeboten werden.