Freie Universität Berlin


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Objekte zwischen Kulturen

Forschungsprojekt der Freien Universität vermittelt Museumsbesuchern die transkulturellen Bezüge der „islamischen Kunst“

29.01.2016

Das Schachspiel ist im frühen Mittelalter aus dem arabischen Raum nach Europa gekommen und ist ein gutes Beispiel für Wanderungen von Kulturgut. Die Kunsthistorikerin Isabelle Dolezalek von der Freien Universität hat die Ausstellung mitkonzipiert.
Das Schachspiel ist im frühen Mittelalter aus dem arabischen Raum nach Europa gekommen und ist ein gutes Beispiel für Wanderungen von Kulturgut. Die Kunsthistorikerin Isabelle Dolezalek von der Freien Universität hat die Ausstellung mitkonzipiert. Bildquelle: Klara Wortmann

Dinge im Museum erzählen häufig Geschichten, die Zeitalter und Kulturräume überschreiten. „Wir nennen sie deshalb Gegenstände des Transfers“, sagt Isabelle Dolezalek. „Sie zeigen, wie vernetzt unsere Welt schon immer war.“ Im Rahmen des Forschungsprojekts „Gegenstände des Transfers. Konzepte zur Vermittlung von Transferprozessen zwischen Nahem Osten und Europa in der Vormoderne im musealen Kontext“ macht die Kunsthistorikerin mit ihren Kolleginnen diese transkulturellen Bezüge durch verschiedene Vermittlungsangebote im Museum für Islamische Kunst sichtbar.

Mehr als ein Dutzend Gegenstände haben die Wissenschaftlerinnen ausgewählt und deren Transfer-Geschichten erforscht. Über Erläuterungstafeln, interaktive Angebote und Tablet-Stationen werden die vielfältigen Beziehungen der Objekte zu anderen Zeit- und Kulturräumen aufgezeigt.

So machen etwa türkis-blaue Klebepfeile neben einzelnen Stücken auf mit ihnen verwandte Objekte in anderen Berliner Museen aufmerksam: Ein Pfeil führt von einem anatolischen Teppich im Museum für Islamische Kunst zur Gemäldegalerie. Dort nämlich hängt ein Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren – der in einem Porträt eines wohlhabenden europäischen Händlers genau diesen Teppichtypus, der im 16. Jahrhundert als Statussymbol galt, malte. Ein anderes Beispiel: Von einer blau-weißen persischen Schale mit einem Drachen verweist ein Pfeil auf eine weitere Drachenschale im Museum für Asiatische Kunst.

Dass die Objekte, die in so enger Verbindung stehen, in Berlin auf verschiedene Sammlungen verteilt und somit an verschiedenen Orten zu sehen sind, liegt Isabelle Dolezalek zufolge eher „an unseren modernen westlichen Kategorien als an den tatsächlichen historischen Zusammenhängen“. Für die Problematik solcher kulturräumlicher Eingrenzungen möchte das Ausstellungsprojekt ein Bewusstsein schaffen.

Arbeit zwischen Universität und Museum

Auch das Schachspiel, das im frühen Mittelalter aus dem arabischen Raum nach Europa kam, ist ein gutes Beispiel für Wanderungen von Kulturgut. Nicht nur die Figuren, auch die Spielregeln haben sich im Laufe der Zeit und auf der Reise nach Westen verändert. So wurde die Begleitfigur des Königs, der arabische „Firzan“ oder Wesir, zur Dame im heutigen Spiel – und stieg damit von einem der schwächsten Steine zum mächtigsten des Spiels auf. An einem Schachbrett in der Sammlung können Museumsbesucher die alten Spielregeln nachspielen.

„Wir arbeiten zwischen Universität und Museum“, erklärt Isabelle Dolezalek: Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte und von der Kunsthistorikerin Vera Beyer geleitete Projekt ist eine Kooperation des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereichs „Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit“ der Freien Universität Berlin mit dem Museum für Islamische Kunst.

Die Interventionen sollen fester Bestandteil der Dauerausstellung werden

Die Ausstellung konfrontiert die Besucher deshalb auch mit aktuellen Forschungsfragen: So zeigt eine Intervention beispielsweise Signalhörner aus Elfenbein, sogenannte Oliphante, die in mehreren Berliner Museen unter verschiedenen Etiketten präsentiert werden, nebeneinander: Indem die Zuschauer aufgefordert werden, ein Puzzle aus Teilen verschiedener Hörner zusammenzusetzen, erfahren diese, wie problematisch es ist, Objekte eindeutig bestimmten Kulturräumen zuzuordnen.

Der Direktor des Museums für Islamische Kunst Stefan Weber plant, die Interventionen als festen Bestandteil der Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst zu verstetigen. „So können wir zeigen, dass die sogenannte islamische Kunst keineswegs in einem abgeschlossenen Kulturkreis entstanden ist“, sagt Isabelle Dolezalek, „sondern im Transfer zwischen Epochen und kulturellen Räumen.“

Weitere Informationen

Einzelne Ausstellungsinterventionen sind bereits im Museum für Islamische Kunst zu sehen.

Ort und Verkehrsverbindungen

Museum für Islamische Kunst im Pergamon Museum, Besuchereingang: Bodestraße, 10178 Berlin (U-Bhf. Friedrichstraße, U6; S-Bahn S1, S2, S25 (Friedrichstraße); S5, S7, S75 (Hackescher Markt); Tram M1, 12 (Am Kupfergraben); M4, M5, M6 (Hackescher Markt); Bus TXL (Staatsoper); 100, 200 (Lustgarten); 147 (Friedrichstraße)

Die feierliche Eröffnung sämtlicher Interventionen, die das Transferprojekt des Sonderforschungsbereichs 980 für das Museum für Islamische Kunst entwickelt hat, findet am 28. April 2016 statt.