Ins Impfbuch gucken und Vorsorge treffen

Masernerkrankung am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität / Ein Gespräch mit der Ärztin Silvia Schmidt vom Gesundheitsamt Steglitz-Zehlendorf

12.06.2015

Wer zweimal gegen Masern geimpft ist, hat einen ausreichenden Schutz. Alle anderen sollten sich ärztlich beraten lassen.
Wer zweimal gegen Masern geimpft ist, hat einen ausreichenden Schutz. Alle anderen sollten sich ärztlich beraten lassen. Bildquelle: Fotolia Pit24

Bei einem Studenten des Otto-Suhr-Instituts wurde vor wenigen Tagen eine Masernerkrankung festgestellt. Unmittelbar nachdem die Universität durch das Gesundheitsamt Steglitz-Zehlendorf davon erfahren hatte, haben die zuständigen Verwaltungen der Hochschule alle namentlich bekannten Kommilitoninnen und Kommilitonen angeschrieben, die mit dem Erkrankten eines oder mehrere Seminare besucht haben, sowie die entsprechenden Dozentinnen und Dozenten. Zusätzlich wurde über Aushänge an den Instituten informiert. Dazu hatte das Gesundheitsamt als Vorsichtsmaßnahme geraten. Campus.leben sprach mit der Ärztin Silvia Schmidt, Hygienereferentin des bezirklichen Gesundheitsamtes.

Frau Schmidt, was sollte man tun, wenn man nicht sicher ist, ob man Kontakt mit einem an Masern Erkrankten hatte?

Wer zweimal gegen Masern geimpft worden ist oder die Krankheit durchgemacht hat, hat einen ausreichenden Schutz und kann sich nicht anstecken. Wer sich nicht sicher ist, sollte mit seinem Impfbuch zum Arzt gehen. Dort kann entweder zum zweiten Mal geimpft werden oder durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden, ob man Antikörper gegen Masern hat. Denn manchmal hat man eine Krankheit durchgemacht, ohne es zu wissen.

Was sollte man machen, wenn man weiß, dass man Kontakt mit einem an Masern Erkrankten hatte?

Wer keinen ausreichenden Impfschutz hat und wenn der Kontakt nicht länger als drei Tage her ist, dann kann durch eine rechtzeitige postexpositionelle Impfung der Ausbruch von Masern unterdrückt werden. Durch eine spätere Impfung kann der Verlauf eventuell gemildert werden.

Wie steckt man sich eigentlich an?

Masern wird über Tröpfchen übertragen, das heißt durch Anhusten, Anniesen, Sprechen, durch das Trinken aus demselben Glas, durchs Küssen. Gemeinsam dieselbe Türklinke angefasst zu haben, reicht nicht, man muss schon engeren Kontakt gehabt haben.

Angeniest und angehustet wird man ja überall: in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Mensa, überall dort, wo viele Menschen zusammen sind.

Genau, davor kann man sich nicht schützen. Seit Anfang Oktober 2014 gab es insgesamt 1285 Masernfälle in Berlin, deshalb kann man nicht unbedingt ausschließen, Kontakt mit einem Erkrankten gehabt zu haben. Denn ansteckend ist man fünf Tage vor dem Ausbruch der Krankheit und vier Tage danach. Die Inkubationszeit, also die Zeit, bis die Krankheit ausbricht und im Falle von Masern durch den roten Ausschlag sichtbar wird, beträgt gewöhnlich acht bis zehn Tage, 14 Tage bis zum Ausbruch des Masern-Exanthems.

Warum ist man gerade bei Masern so vorsichtig?

Bei Masern handelt es sich um eine ernste Erkrankung. Nach etwa vier bis sieben Tagen kann es in 0,1 Prozent der Fälle zu einer akuten postinfektiösen Enzephalitis (Hirnhautentzündung) kommen. Nach sechs bis acht Jahren kann eine sehr seltene Spätkomplikation auftreten: die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die tödlich verlaufen kann.

Deshalb mein Appell: Nehmen Sie Ihr Impfbuch zur Hand und besprechen Sie eventuelle Impflücken mit ihrem Arzt. Wer sich grundsätzlich informieren möchte: Das Robert-Koch-Institut stellt auf seinen Internetseiten Merkblätter in 16 Sprachen über alle Infektionskrankheiten zur Verfügung und gibt Impfempfehlungen.

Die Fragen stellte Christine Boldt

Weitere Informationen

  • Aushänge befinden sich jeweils in den Eingangsbereichen der Institute ( Ihnestraße 22, Garystraße 55) sowie in der Ihnestraße 21 und 26, im John-F.-Kennedy-Institut, in den beiden Gebäuden in der Boltzmannstraße und den Gebäuden der Ethnologie.
  • Bei medizinischen Fragen wenden Sie sich bitte an den Betriebsarzt Herrn Dr. Bias am Arbeitsmedizinischen Zentrum der Charité, Klinikum Benjamin Franklin, Telefon: 030 / 450 570 775.