Freie Universität Berlin


Service-Navigation

Journalismus „nah am Menschen“

Berliner Studierende bringen in Eigenregie das Magazin „Dilemma“ heraus

27.05.2014

Genauso bunt wie seine Macher: Im Magazin "Dilemma" geht es um "Geschichten nah am Menschen" und "ehrlichen Journalismus".
Genauso bunt wie seine Macher: Im Magazin "Dilemma" geht es um "Geschichten nah am Menschen" und "ehrlichen Journalismus". Bildquelle: Verena Blindow
Marie Orschulik, Studientin der Filmwissenschaft und Germanistik an der Freien Universität, ist mit dabei im Redaktionsteam von "Dilemma".
Marie Orschulik, Studientin der Filmwissenschaft und Germanistik an der Freien Universität, ist mit dabei im Redaktionsteam von "Dilemma". Bildquelle: Pınar Çakmak

Eigentlich war es purer Zufall, dass Marie Orschulik vor anderthalb Jahren zum Redaktionsteam der Zeitung „Dilemma“ stieß – einer bunt gemischten Gruppe, zu der auch Berliner Studierende gehören. Sie war gerade nach Berlin gekommen und offen für einen Neuanfang. „Ich wollte Praktika machen und sehen, was sonst noch auf mich zukommt“, sagt die 22-Jährige. Was auf sie zukam, war ein Studium an der Freien Universität und die Mitgestaltung einer unabhängigen journalistischen Publikation.

Über eine Freundin hatte Marie Orschulik von dem Zeitungsprojekt erfahren, das Berliner Studierende ins Leben gerufen hatten – „und ehe ich mich versah, war ich Teil davon“. Das Projekt steckte zu dieser Zeit gerade im Umbruch: Das alte Magazin sollte eingestellt werden, ein neues war in Planung. „So gesehen hat es ganz gut zu meiner persönlichen Situation gepasst“, sagt die Studentin der Filmwissenschaft und Germanistik. Die Erstausgabe war im vergangenen November erschienen, vier Monate später folgte das zweite Heft.

Das Redaktionsteam von „Dilemma“ setzt sich aus Studierenden verschiedener Berliner Hochschulen zusammen. Leiter des inzwischen 25-köpfigen Teams und Initiator des Zeitungsprojekts ist Benjamin Köhler. Dem 23-jährigen Wirtschafts- und Politikstudenten von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft kommt es auf den „ehrlichen, unverblümten Journalismus“ an. „Wir möchten Geschichten erzählen, die möglichst nah am Menschen sind“, bestätigt Marie Orschulik.

Eine eingeschworene Gemeinschaft

Die Produktion laufe demokratisch und in Eigenregie, sagt die Studentin: „Wir suchen gemeinsam Themen und Fotos aus, lektorieren die fertigen Artikel gemeinschaftlich und entscheiden zusammen, wie das Layout aussehen soll.“ Diese enge Zusammenarbeit sei sowohl fruchtbar als auch zeitaufwendig. Die Arbeit des Redaktionsteams dauerte ein ganzes Jahr, bis es die erste druckfrische Ausgabe in Händen hielt. Für Marie Orschulik ein Erfolgserlebnis.

Die Themen der Erstausgabe reichen von dem Porträt einer Hobbygärtnerin in einer urbanen Gartenanlage über eine Bilderreihe mit großformatigen Fotos von einer Marokko-Reise bis hin zu einem rhythmischen Prosatext, den die jungen Redakteure als „poetischen Aphorismus“ bezeichnen. Marie Orschulik hat eine „investigative Reportage“ beigesteuert. „Darin nehme ich den Alltag und die Motivation von Promotern an Berliner S-Bahn-Ausgängen und Orten mit vielen Menschen wie dem Alexanderplatz unter die Lupe. Promoter – oder Dialoger – sind Menschen, die auf öffentlichen Plätzen Spenden für Organisationen und Vereine sammeln oder neue Mitarbeiter anwerben wollen“, sagt sie. Die Arbeit an dem Artikel habe ihr Spaß gemacht, sei aber auch sehr anstrengend gewesen. „Manchmal war es schwer, die Dialoger anzutreffen, sodass wir die Plätze häufiger abfahren mussten. Insgesamt war es ein Abenteuer.“

„Ein Dilemma ist vielschichtig und absolut menschlich“

Die Nähe zum Menschen sollte auch im Namen der Zeitung anklingen, sagt Marie Orschulik. „Ein Dilemma ist etwas sehr Menschliches und immer personenbezogen. Außerdem ist der Begriff linguistisch gesehen äußerst ambivalent. Es gibt das ‚Lemma‘ als ‚Schlagwort‘ in der Sprachwissenschaft und Lexikografie. Man kann das Wort akustisch aber auch als ‚die Lämmer‘ verstehen.“ Die Gruppe habe sich alle Bedeutungsmöglichkeiten vor Augen geführt und sich dann gemeinschaftlich dafür entschieden, sagt Marie Orschulik.

Die Vielschichtigkeit des „Dilemmas“ sei auch im zweiten Heft zu finden, das vor kurzem erschienen ist. Auch hier stehen die Menschen im Vordergrund, aber diesmal in Verbindung mit besonderen Orten, etwa dem vietnamesischen Handelszentrum Berlin-Lichtenberg, öffentlichen Verkehrsmitteln und der Redaktion einer Berliner Straßenzeitung. Die Vorbereitungen für die dritte Ausgabe laufen jetzt schon auf Hochtouren.

Weitere Informationen

  • Wer Lust hat, selbst kreativ zu werden und bei „Dilemma“ mitzuwirken, kann eine E-Mail an post@2lemma.de schreiben.
  • Das Magazin liegt an verschiedenen Auslageorten in Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Neukölln zum Mitnehmen bereit. Sowohl die erste als auch die zweite Ausgabe können auch online bestellt werden.