Nachhaltig leben – wie geht das?

Im Projektkurs „Vom Wissen zum Handeln“ erarbeiten Studierende Ideen für alternative Lebensweisen

20.03.2014

In dem Pilotprojekt überlegen Studierende, wie sich theoretisches Know-how zur Nachhaltigkeit in den Alltag übertragen ließe.
In dem Pilotprojekt überlegen Studierende, wie sich theoretisches Know-how zur Nachhaltigkeit in den Alltag übertragen ließe. Bildquelle: Karola Braun-Wanke
Teilnehmer und Mentoren des Projektkurses  "Vom Wissen zum Handeln".
Teilnehmer und Mentoren des Projektkurses "Vom Wissen zum Handeln". Bildquelle: Annika Middeldorf

In unserer globalen Welt kriselt es: Um die Finanzmarkt- sowie Energie- und Umweltprobleme lösen zu können, sind nachhaltige politische, soziale und ökologische Konzepte erforderlich. Im Rahmen des Projektkurses „Vom Wissen zum Handeln“ unter der gemeinsamen Leitung von Achim Brunnengräber und der Initiative SUSTAIN IT am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität haben Studierende nicht nur die Theorie hinter den Krisenphänomenen ergründet, sondern auch praktische Lösungen und Handlungsalternativen für eine nachhaltige Lebensweise entwickelt.

„Es ist toll, ein Seminar zu besuchen, an dessen Ende man mehr als eine Hausarbeit in den Händen hält“, sagt Phillip Kalweit, einer der Seminarteilnehmer. Kursleiter Achim Brunnengräber hat gemeinsam mit der vom Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) koordinierten Nachhaltigkeitsinitiative SUSTAIN IT! ein Kurskonzept entwickelt, das Theorie und Praxis verbindet.

Der zweisemestrige Kurs ist ein Pilotprojekt, in dem die Studierenden theoretisches Know-how mit der praktischen Umsetzung von Projekten verbinden. Vier Ideen haben die Studierenden in diesem Wintersemester bislang erarbeitet. Ein weiteres Projekt ist in Planung. Umgesetzt werden sollen die Vorhaben im Sommersemester.

Projektidee „Essbarer Balkon“

Phillip Kalweits Gruppe hat sich mit der Thematik des Nahrungsmittelkonsums und dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen befasst. Herausgekommen ist die Projektidee „Essbarer Balkon“: „Auf einem Gelände des Botanischen Gartens der Freien Universität Berlin werden wir im Sommer den Prototyp eines ‚essbaren Balkons‘ pflanzen“, sagt der Student.

„Think globally, act balcony“ heißt der griffige Slogan der Gruppe, die mit dem Selbstanbau von Obst und Gemüse gleich mehrere Probleme lösen könnte: Weil die Transportwege entfallen, wird Kohlenstoffdioxid eingespart. Kreativ sind auch die Ideen für die Gestaltung der Beete Marke Eigenbau: „Aus alten Tetra Paks lassen sich prima Pflanzkübel basteln“, sagt Julie Habersetzer, eine der acht Studierenden, die neben den Modell-Balkons auch einen Informationspfad zum Thema planen.

Codierte Servietten fürs Studentenwerk

„Die Studierenden haben sehr viel Engagement und Herzblut in die Realisierung ihre Projektideen gesteckt “, so der Seminarleiter Brunnengräber vom FFU. Neben dem „Essbaren Balkon“ werden andere Kursteilnehmende eine Podiumsdiskussion zur Frage „Ist ein grüner Kapitalismus möglich?“ organisieren.

Eine weitere Gruppe plant eine Energie-Lernwerkstatt für Kinder, die zunächst während der Langen Nacht der Wissenschaften in Kooperation mit der SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz vorgestellt wird und danach über mehrere Tage in den Berliner Schulferien im Sommer durchgeführt werden soll. Die Studierenden möchten so Schülerinnen und Schüler für das Thema erneuerbare Energien sensibilisieren. Eine vierte Gruppe möchte QR-Codes auf Servietten des Studentenwerks drucken und die Mensa-Besucher so zu ausgewählten Plattformen für Nachhaltigkeit führen.

„Auch für das Team von SUSTAIN IT war die Gestaltung der praktischen Teile des Projektkurses eine Art soziales Experiment“, sagt Karola Braun-Wanke, Koordinatorin der Initiative für Nachhaltigkeit und Klimaschutz SUSTAIN IT!. Schließlich seien kreative Gruppenarbeitsprozesse im Voraus schwer zu planen, sagt die Politikwissenschaftlerin.

Ein fünfköpfiges Team von SUSTAIN IT! sorgte für den methodischen Teil und die transdisziplinäre Ausrichtung des Kurses. Um von dem Erfahrungsschatz der Initiative zu profitieren, wird jedes Studierenden-Projektteam von einem SUSTAIN IT!-Mitarbeiter als Mentor betreut.

„Im Seminar haben uns auch lokale Akteure besucht, etwa die BUNDJugend oder die Genossenschaft ‚BürgerEnergie Berlin‘“, sagt Karola Braun-Wanke. Dass das Experiment geglückt ist, davon können sich Besucher der Podiumsdiskussion, des Botanischen Gartens und der Langen Nacht der Wissenschaften überzeugen.

Weitere Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit

Podiumsdiskussion: Ist ein grüner Kapitalismus möglich?

  • Termin: 7.Mai 2014, 18.00 Uhr
  • Mit Prof. Dr. Markus Wissen (HWR Berlin), Prof. Dr. Birgit Mahnkopf (HWR Berlin), Sven Giegold (angefragt, MdEP)
  • Moderation: Susanne Götze (Klimaretter)
  • Ort: Freie Universität Berlin,  Otto-Suhr-Institut, Ihnestraße 21, Hörsaal A

„Energiewerkstatt: Erneuerbare Energien verstehen, entdecken und selber machen“