Freie Universität Berlin


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Erster Berliner Queer History Month

Arbeitsbereich Didaktik der Geschichte der Freien Universität unterstützt Bildungsangebot zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt und Antidiskriminierung

03.02.2014

Eröffnung des Queer History Month im Schöneberger Robert-Blum-Gymnasium.
Eröffnung des Queer History Month im Schöneberger Robert-Blum-Gymnasium. Bildquelle: Birgit Marzinka, Agentur für Bildung e.V.

Mobbing aufgrund bestimmter sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität ist unter jungen Menschen zum präsenten Thema geworden. An deutschen Schulen und Freizeiteinrichtungen findet dieses Problem allerdings bisher noch wenig Beachtung. Anders als an englischen Schulen: Dort findet seit 2004 mit stetig wachsendem Erfolg jährlich ein Monat der „queeren“ Geschichte statt. Der Arbeitsbereich Didaktik der Geschichte der Freien Universität hat unter der Leitung von Professor Martin Lücke ein vergleichbares Projekt erarbeitet: Im Laufe des vergangenen Jahres wurde das Internetportal www.queerhistory.de entwickelt, das Unterrichtsmaterialien, Handreichungen, ein Begriffsglossar und vieles mehr zur Verfügung stellt. In diesem Monat startet der Queer History Month zum ersten Mal an Berliner Schulen.

Der Queer History Month ist ein Projekt, das Geschichtsdidaktik-Professor Martin Lücke gemeinsam mit der Bildungsinitiative QUEERFORMAT und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin umsetzt. Das Angebot gilt für Schulen und für Jugendfreizeiteinrichtungen und fordert dazu auf, sich in kleinen Projekten mit Aspekten von „queerer“ Geschichte, den Lebensweisen von Homo- und Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen, Menschenrechten, Vielfalt und Antidiskriminierung zu beschäftigen.

Wie das Thema jeweils behandelt wird, entscheiden die Teilnehmer selbst. So können sie beispielsweise Collagen erstellen, kleine Theaterstücke spielen, Texte schreiben oder auch einen Stadtrundgang zum homosexuellen Leben im Berlin der 1920er- und 1930er-Jahre unternehmen.

Themenvielfalt: von der Geschichte der Empfängnisverhütung zum Thema „Harem im Osmanischen Reich“

Für die Projektarbeit hat Martin Lücke gemeinsam mit Masterstudierenden des Lehramtsstudiengangs Geschichte Lernmaterialien zur Geschichte sexueller Vielfalt entwickelt und zum Download bereitgestellt. „Wir haben zuletzt, neben einigen anderen Themen, Unterrichtsmaterial zur Geschichte der Empfängnisverhütung im 20. Jahrhundert und zum Thema ,Der Harem im Osmanischen Reich‘ erstellt“, sagt Lücke. „Viele haben sehr klischeehafte Vorstellungen von Harems. Die erarbeitete Unterrichtsreihe soll diese falschen Annahmen aufklären und das einzigartige Verhältnis von Herrschaft und Geschlecht im osmanischen Harem zeigen.“

Interesse wecken

Auch außerhalb der Informations- und Kommunikationsplattform beteiligen sich Martin Lücke und seine Studierenden am Queer History Month: Sie unterrichten an verschiedenen Projekttagen zur Geschichte sexueller Vielfalt. „Zum Beispiel nennen wir den Schülern Ereignisse aus der Geschichte von Sexualität, Geschlecht und sexueller Vielfalt und lassen diese chronologisch einordnen. Beispielsweise, zu welchem Zeitpunkt Vergewaltigung in der Ehe verboten wurde, wann in Deutschland zum ersten Mal eine transgeschlechtliche Operation stattfand oder wann sich die erste Homosexuellenbewegung gegründet hatte.“

Die meisten Schüler seien überrascht, dass Vergewaltigung in der Ehe erst 1994 in Deutschland verboten wurde, erzählt Lücke. „Vieles hören die Schüler zum ersten Mal. Wir haben viel erreicht, wenn sie am Ende der Stunde sagen: Wir wollen uns weiter mit dem Thema beschäftigen.“

Auch in anderen Bundesländern anbieten

Noch ist der Queer History Month ein Pilotprojekt. Doch soll er in der Berliner Schul- und Bildungslandschaft verankert und jährlich veranstaltet werden. „Wir können noch nicht genau sagen, wie viele Projekte es im Februar von Schulen und Jugendeinrichtungen geben wird, aber wir hatten bereits mehrere Anfragen zum Material auf der Homepage. Und wir hoffen, zahlreiche Rückmeldungen und Berichte über die einzelnen Projekte zu bekommen. Nach Berlin soll das Geschichtsprojekt möglichst auch in anderen Bundesländern weitergeführt werden.“