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Die Welt mit anderen Augen sehen

Mentoring-Projekt „Nightingale“ in neue Runde gestartet

30.10.2013

Ein eingespieltes Team: Mentee Merve liest gerne und viel, Mentorin Emely unterstützt sie dabei und hilft, wenn es Schwierigkeiten gibt. Gemeinsam haben sie schon eine Menge erlebt.
Ein eingespieltes Team: Mentee Merve liest gerne und viel, Mentorin Emely unterstützt sie dabei und hilft, wenn es Schwierigkeiten gibt. Gemeinsam haben sie schon eine Menge erlebt. Bildquelle: Verena Blindow

Trotz des Altersunterschieds von 14 Jahren haben die Studentin Emely Menzel und die Grundschülerin Merve einiges gemeinsam. „Wir sind beide Linkshänder – das haben wir gleich am Anfang festgestellt“, sagt Emely Menzel. „Am Anfang“, das war vor gut einem Jahr. Seitdem haben Emely und Merve viel Zeit miteinander verbracht. „Nightingale“ heißt das Patenschaftsprojekt, durch das sich die beiden kennengelernt haben, und bei dem Studierende jeweils einen Tag in der Woche mit einem Grundschulkind mit Migrationshintergrund verbringen. Für die Kinder bedeutet das, aus ihrem Kiez herauszukommen und dadurch ihren kulturellen und sozialen Horizont zu erweitern. Die Mentoren wiederum lernen die Lebenswelt eines Kindes mit Migrationshintergrund kennen und sammeln praktische Erfahrungen im Umgang mit Kindern im Grundschulalter. Studierende können sich noch für eine Mentorschaft im laufenden Durchgang 2013/14 bewerben.

Ursprünglich kommt „Nightingale“ aus Schweden, seit 2006 gibt es das Projekt durch die Kooperation von der Freien Universität Berlin und der Kreuzberger Otto-Wels-Grundschule auch in Berlin. Seit 2009 wird es als Modellprojekt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert und ist seitdem auf zwei weitere Kreuzberger Grundschulen ausgeweitet worden.

Kontakt über das Mentoring hinaus

Emely Menzel war schon zweimal Mentorin, zum ersten Mal im Herbst 2011. „Mir hat das so viel Spaß gemacht, dass ich mich für den nächsten Durchgang gleich wieder angemeldet habe“, erzählt die angehende Grundschullehrerin. So lernte sie Merve kennen. „Wir haben eine sehr enge Beziehung“, sagt Emely. Zwischen Oktober 2012 und Juni 2013 haben die beiden regelmäßig etwas zusammen unternommen. Jetzt ist ihre Zeit als Tandem zwar vorbei, doch Emely und Merve haben nach wie vor guten Kontakt und treffen sich ab und zu für gemeinsame Unternehmungen.

Merve ist mittlerweile in der vierten Klasse, ihre Lieblingsfächer sind Deutsch, Kunst und Sport, ihre Lieblingsfarbe ist Pink. Sie kommt aus einer türkischen Familie, mit der sie in Berlin-Kreuzberg lebt, wo sie die Otto-Wels-Grundschule besucht. Heute findet eines der seltener gewordenen Treffen von Emely und Merve statt, und ausgelassen erzählt die Neunjährige aus der Schule: „Ich habe in Deutsch eine Eins plus bekommen, und demnächst sollen wir ein Buch vorstellen. Ich nehme extra eines mit wenig Bildern.“ Auch Emely freut sich, ihren ehemaligen Schützling wiederzusehen. Früher sei Merve eher schüchtern gewesen, doch das habe sich geändert: „Sie ist viel selbstbewusster!“

Karussell fahren und Muffins backen

In einem Café bestellen Emely und Merve Apfelsaft und unterhalten sich über ihre gemeinsame Zeit. Sie haben viel zusammen unternommen, sind ins Aquarium gefahren, in der Geisterbahn gewesen und Kettenkarussell gefahren, und Emely hat zusammen mit Merve ihre Eltern in Reinickendorf im Norden Berlins besucht. „Wir haben auch mal zusammen Armbänder gemacht“, erzählt Emely. „Genau“, knüpft Merve an, „und dann haben wir Muffins für deinen Freund gebacken und daraus die Zahl 24 gelegt.“ Emely Menzel ist überrascht und erfreut zugleich, was sich Merve alles gemerkt hat: „Stimmt, für seinen 24. Geburtstag.“ Das gemeinsam verfasste Tagebuch aus der Tandemzeit durfte Merve behalten – als Erinnerung.

Emely Menzel hat ihr Bachelorstudium in Grundschulpädagogik und Englisch mittlerweile abgeschlossen und ist im ersten Semester des Masterstudiums. Sie wäre gern weiterhin Mentorin, doch jetzt geht die Uni vor. Ganz verabschiedet hat sie sich von dem Projekt allerdings nicht: Als studentische Hilfskraft koordiniert sie im „Nightingale“-Team das Projekt hinter den Kulissen. „Ich freue mich über jeden neuen Studenten, der zu uns kommt und mitmachen möchte. Mir selber hat das Projekt viel gebracht – ich sehe die Welt jetzt mit anderen Augen.“ Und auch Merve hat die Zeit mit „ihrer Studentin“ – wie sie Emely nennt – genossen: „Emely ist einfach die Beste!“

Mentorinnen und Mentoren gesucht

Für den laufenden Durchgang 2013/14 können sich noch Studierende aller Fachrichtungen als Mentorin oder Mentor bewerben. Dazu schicken sie eine E-Mail mit Namen, Anschrift, Immatrikulationsbescheinigung einer Berliner Hochschule, einem Motivationsschreiben (ca. 500 Wörter) sowie einem Foto an Alexandra Blankenburg (alexandra.blankenburg@fu-berlin.de).

Weitere Informationen

  • Teilweise wird das Engagement als Praktikum oder (bei Lehramtsstudierenden) als Leistungsnachweis anerkannt.
  • Eintritts- und Fahrgelder für die Unternehmungen werden erstattet.
  • Etwa einmal monatlich finden Treffen der Mentorinnen und Mentoren zum Austausch der Erfahrungen statt.
  • Der wöchentliche Aufwand beträgt etwa vier Stunden.

Kontakt

Alexandra Blankenburg, Projektkoordinatorin des Projekts „Nightingale“, Telefon: 030 / 838-56258, E-Mail: alexandra.blankenburg@fu-berlin.de