Freie Universität Berlin


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„Fast schon ein Studium generale“

Mehr als 70 Seminare und Veranstaltungen im Wintersemester zu Fragen der Frauen- und Geschlechterforschung

17.10.2013

Im laufenden Wintersemester werden 70 Veranstaltungen an der Freien Universität angeboten, die einen Gender-Bezug haben. Gebündelt werden die Aktivitäten im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung am ZEFG.
Im laufenden Wintersemester werden 70 Veranstaltungen an der Freien Universität angeboten, die einen Gender-Bezug haben. Gebündelt werden die Aktivitäten im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung am ZEFG. Bildquelle: roobcio - Fotolia_com
Die Soziologin Dr. Ulla Bock ist Geschäftsführerin der 1981 gegründeten Zentraleinrichtung für Frauen- und Geschlechterforschung.
Die Soziologin Dr. Ulla Bock ist Geschäftsführerin der 1981 gegründeten Zentraleinrichtung für Frauen- und Geschlechterforschung. Bildquelle: Privat

Als 1981 an der Freien Universität Berlin die Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung (ZEFG) gegründet wurde, zählte sie zu den ersten ihrer Art. Seitdem sind Infrastruktur und Netzwerke ausgebaut worden, parallel wurde das Wissenschaftsfeld der Frauen- und Geschlechterforschung kontinuierlich erweitert. Das zeigt sich in dem umfangreichen Seminarangebot im gerade angelaufenen Semester. Aktuell seien Gender-Fragen noch immer – mehr denn je, sagt Ulla Bock. Ein Gespräch mit der promovierten Soziologin, die als ZEFG-Geschäftsführerin die Gender-und-Diversity-Aktivitäten an der Freien Universität bündelt.

Frau Bock, die Gender-Perspektive richtet den Blick auf die gesellschaftlichen Lebensverhältnisse von Frauen und Männern. Was bringt diese Perspektive der Wissenschaft?

Es profitieren alle Wissenschaftsdisziplinen, da durch die Erweiterung der Forschungsfragen um die Gender-Perspektive viele zusätzliche Antworten entstehen. Fast unendlich scheint hier die Anzahl der Fragen. So geht es etwa um die Funktionsweise der Gesellschaft, um die Frage nach der Arbeitsteilung der Geschlechter untereinander oder um die Gestaltung der Herrschaftsstrukturen hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses. Mit diesen Blickwinkeln hat sich die Wissenschaft früher überhaupt nicht beschäftigt.

Eine Veranstaltung, die in diesem Semester am Lateinamerika-Institut angeboten wird, hat den Titel „Im Zeitalter von trans/post/inter... Warum Gender Studies heute?". Warum ist die Gender-Perspektive nach über 30 Jahren, in denen die Zentraleinrichtung besteht, noch immer wichtig?

Unsere Gesellschaft verändert sich permanent, deshalb müssen auch Forschungsfragen immer wieder neu gestellt werden. Insofern profitiert die Wissenschaft, wenn auch immer die Geschlechterperspektive mit einbezogen wird.

Wie profitieren die Studierenden von der Frauen- und Geschlechterforschung ganz konkret?

An der Hochschule bewegen sich die Studierenden gewissermaßen in einem geschützten Raum. Hier können sie noch alle sie bewegenden Fragen stellen und darüber diskutieren. Im späteren Berufsleben ist dies kaum mehr möglich. Außerdem nehmen die Studierenden von heute nach ihrem Universitätsabschluss Einfluss auf das künftige Geschehen in der Gesellschaft, beispielsweise in einem Beruf als Lehrerin und Lehrer. Daher kommt den Hochschulen eine grundlegende Bedeutung als Ort der Wissensweitergabe und der Auseinandersetzung mit den Inhalten der Frauen- und Geschlechterforschung zu. Ein Verzicht auf die Vermittlung der inzwischen sehr differenzierten Erkenntnisse in der Genderforschung würde bedeuten, die Studierenden halbblind aus der Hochschule zu entlassen.

Das Vorlesungsverzeichnis listet rund 70 Veranstaltungen mit Gender-Bezug auf. Was wird im Wintersemester angeboten?

Das Angebot ist vielfältig und breit in den Fachbereichen und Instituten verankert. Es umfasst zweierlei: Zum einen sind es Veranstaltungen mit sehr speziellen Inhalten. Beispielsweise wird am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie eine Lernwerkstatt zum Thema „Geschlecht und Gesundheit“ durchgeführt. Zum anderen haben wir eine breite Palette an Vorlesungen und Seminaren, in denen grundlegende Fragen gestellt werden. Spannend finde ich auch die Ringvorlesung „Perspektiven der Genderforschung auf Globalisierungsprozesse“ am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften, denn Globalisierung betrifft uns alle. Schön ist, dass man auch als Fachfremder an den Veranstaltungen teilnehmen, über den Tellerrand hinausschauen und den eigenen Horizont erweitern kann. Insgesamt ermöglicht die große Themenvielfalt an der Freien Universität eine Art „Studium Generale“ zu Fragen der Frauen- und Geschlechterforschung.

Die Fragen stellte Torsten Schaletzke

Weitere Informationen

  • Themenauswahl

GESELLSCHAFT / POLITIK / INTERNATIONALES

  • Queer theory and politics (JFKI, Benjamin James Trott)
  • Im Zeitalter von trans/post/inter... Warum Gender Studies heute?" (LAI, Teresa Orozco Martinez, Martha Zapata Galindo)
  • Intersektionalität als Methode der Geschlechterforschung (LAI, Teresa Orozco Martinez, Martha Zapata Galindo)
  • Geschlecht regieren?* - Feministische Staats- und Demokratietheorien (FB PolSoz, Madeleine Sauer)
  • Masculinity and Violence. Feminist and Postcolonial Perspectives (FB PolSoz, Moritz Konradi, Ruth Streicher)
  • Methoden der Ägyptologie: Gender Studies in der Ägyptologie - Anwendungen, Nutzen und Probleme (FB GeschKult, Jan Moje)
  • Gender und Diversity: Zentrale soziale Kategorien im 21. Jh. (ZEFG, Katrin Dreier)
  • Science, Gender, and the Post Colonial State in South Asia (FB PolSoz, Sabil Francis)
  • Konflikt, Gewalt und Gender (FB PolSoz, Judith Albrecht)
  • Frauen, Frauenbewegung und "Feminismus" in China (FB GeschKult, Heike Frick)
  • Vorstellungen von Männlichkeit in der Islamischen Welt (FB GeschKult, Birgit Krawietz)

MEDIEN / KUNST / KULTUR

  • Gender Media Studies (FB PolSoz, Margreth Lünenborg)
  • Geschlecht im Museum (FB GeschKult, Rosemarie Beier-de Haan)
  • Genderforschung in der Musikwissenschaft (FB PhilGeist, Christa Brüstle)
  • Klassiker feministischer Theorie (FB PhilGeist, Daniela Plügge, Silvia Vormelker)

GESCHLECHT UND NATURWISSENSCHAFTEN

  • Frauen in der Geschichte der Mathematik und Informatik im 19. und 20. Jahrhundert (FB Mathe/Informatik, Anina Mischau)
  • Gender & Science Studies (FB Physik, Elvira Scheich)
  • Geschlecht und Gesundheit (FB EWiPsych, Ralph Oliver Schilling)

BILDUNG

  • Die Analyse der Entwicklungschancen von Frauen aus einer bildungshistorischen Perspektive (LAI, Claudia Lozano)
  • Geschlechtergeschichte im Geschichtsunterricht (FB GeschKult, Martin Lücke)
  • Vertiefung Fachdidaktik Informatik: Forschungsprojekt Gender in MINT (FB Mathe/Informatik, Carsten Schulte)

RINGVORLESUNG

  • Perspektiven der Genderforschung auf Globalisierungsprozesse (FB GeschKult, Nadin Hee, Ulrike Schaper)

Weitere Informationen

Zentraleinrichtung Frauen- und Geschlechterforschung

Veranstaltungen zur Frauen- und Geschlechterforschung im Wintersemester 2013/2014