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Mit Bits und Bytes in Belgien

Der angehende Fachinformatiker René Skillen vertritt die Freie Universität bei der „EM der Berufe“

04.10.2012

Seit diesem Donnerstag kämpft der deutsche Meister René Skillen von der Freien Universität in Belgien um den Europameisterschaftstitel.
Seit diesem Donnerstag kämpft der deutsche Meister René Skillen von der Freien Universität in Belgien um den Europameisterschaftstitel. Bildquelle: Gisela Gross

Gespannte Vorfreude und ein bisschen Nervosität lagen in den vergangenen Tagen am Institut für Informatik in der Luft: Während sich im Foyer die Erstsemester zur Einführungsveranstaltung zusammenfanden, bereitete sich René Skillen in einem Büro nebenan gedanklich auf die anstehenden Europameisterschaft vor. Seine Disziplin ist allerdings keine sportliche: Der 21-jährige Auszubildende der Freien Universität wird sich vom heutigen Donnerstag an in seinem Berufsfeld IT und Netztechnik beweisen. Erst kürzlich zum Deutschen Meister gekürt, wird Skillen im belgischen Spa-Francorchamps drei Tage lang an technischen Aufgaben tüfteln.

Die Veranstalter hätten es sich kaum besser wünschen können: Ausgerechnet der Auszubildende mit dem Nachnamen Skillen ging Mitte September als Sieger aus dem „SkillsGermany-Wettbewerb“ hervor und sicherte sich damit den Titel des Deutschen Meisters in Informationstechnologie und Netztechnik.

Damit löste der Berliner das Ticket für den „SkillsEurope-Wettbewerb“ in Belgien, bei dem die jeweils drei besten Auszubildenden einer Nation antreten. Im Team müssen sie Hard- und Softwarekenntnisse unter Beweis stellen und verschiedene Netzwerkinfrastrukturen unter Windows-, Cisco- oder Open-Source-Systemen beherrschen.

„Die Aufgaben sind prinzipiell sehr realitätsnah“, sagt René Skillen, „aber es werden schwierige Details kombiniert, die doch im Alltag an der Universität so nicht vorkommen.“ Die Herausforderung besteht für den 21-Jährigen vor allem im engen zeitlichen Rahmen, der den Teilnehmern zur Lösung der einzelnen Aufgaben zur Verfügung steht. Es werden lange Tage: Um 5 Uhr gibt es Frühstück, zwischen 9 und 18 Uhr findet der Wettbewerb statt. „Um mir Belgien anzusehen, bleibt wohl kaum Zeit“, sagt Skillen.

Mit Abitur in die Ausbildung

Der angehende Fachinformatiker im dritten Lehrjahr absolviert seine Ausbildung am Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität. „Dabei war es eigentlich Zufall, dass ich überhaupt auf die Möglichkeit einer Ausbildung an der Freien Universität aufmerksam wurde“, sagt René Skillen. „Die Mutter meiner Freundin hat mir davon erzählt, als ich noch zwischen Polizist und Pilot schwankte.“ Das Vertrauen auf die eigenen Interessen und das Abschicken nur einer einzigen Bewerbung hat er bis heute nicht bereut: „Auf gar keinen Fall“, sagt Skillen, „die Ausbildung ist zwar fordernd, aber ich habe wirklich Lust darauf und interessiere mich für die Themen. Studieren kann ich später immer noch.“

Derzeit pendelt der angehende Fachinformatiker noch zwischen Institut und Berufsschule: Auf zwei Wochen Dahlem folgt eine Woche in Britz. „Die Ausbildung im Verband afib ist so aufgebaut, dass zu Beginn in Seminaren eine gemeinsame Wissensgrundlage für alle Auszubildenden eines Lehrjahres gelegt wird“, erzählt Skillen. Erst dann werden die jungen Männer und Frauen zeitweise in die Betriebe „entlassen“. 

Von der Europa- zur Weltmeisterschaft?

Den meisten Spaß bereite ihm eindeutig die Arbeit am Fachbereich, wo er derzeit etwa daran feilt, die Druckserver und damit die Verwaltung einzelner Druckaufträge zu verbessern. Doch die Arbeit des Auszubildenden läuft nicht nur hinter den Institutskulissen ab, auch bei täglichen Nutzeranfragen ist er Ansprechpartner.

Nur in der Freizeit steht dann einmal nicht die Technik im Vordergrund: „Musik ist sehr wichtig für mich“, sagt der Auszubildende, der Klavier, Gitarre und Saxophon spielt. „Leider kommt das ein bisschen zu kurz in letzter Zeit.“ Doch das Engagement an der Universität zahlt sich aus: Für die Europameisterschaft ist René Skillen ebenso zuversichtlich wie für seine berufliche Zukunft. „Ich würde nach der Abschlussprüfung im nächsten Jahr gerne an der Freien Universität bleiben, die Unterstützung seitens der Ausbildungsleitung ist genial.“ Sollte Skillen in Belgien erfolgreich sein, bestünde dann sogar die Möglichkeit, dass die Universität 2013 einen IT-Weltmeister unter ihren Beschäftigten hätte.