Freie Universität Berlin


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Wahlkampf auf dem Seziertisch

Ringvorlesung des OSI-Clubs der Freien Universität zu Strategien von Parteien und Politikern im Superwahljahr 2009

26.05.2009

Jens König, Reporter im Hauptstadtbüro der Zeitschrift "stern", sprach über "Nationaltheater - Politik als Inszenierung".
Jens König, Reporter im Hauptstadtbüro der Zeitschrift "stern", sprach über "Nationaltheater - Politik als Inszenierung". Bildquelle: Antonia Stahl

„Apropos Wahlkampf“ – so lautet das Motto einer etwas anderen Vorlesung, die derzeit am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität stattfindet: Jeden Montag um 18 Uhr analysieren Journalisten, Wahlkampfpraktiker und Wissenschaftler, wie zum Beispiel Jakob Augstein, Matthias Machnig und Hans-Jürgen Beerfeltz, die Wahlkampfstrategien von Parteien und Politikern im Superwahljahr 2009.

„Eine Buchvorstellung in Berlin. Ein Raum in der Bundespressekonferenz. Rund 75 Journalisten sind gekommen, mehr als dreimal soviel wie bei solchen Veranstaltungen sonst üblich. Steinmeier präsentiert an diesem Tag die erste Guido-Westerwelle-Biographie. Neben ihm sitzt, na klar, der FDP-Chef höchstpersönlich…“

Mit dieser atmosphärischen Beschreibung einer Quasi-Koalitionsverhandlung zwischen amtierendem Außenminister und Möchtegern-Außenminister, inszeniert als Buchvorstellung, begann  der Vortrag von Jens König, Reporter im Hauptstadtbüro der Zeitschrift stern. König gab anschließend Einblicke in das „Nationaltheater“ – das Zusammenspiel von Politik und Medien in Berlin , eine ganz eigene Welt, in der „Medienkanzler“ und „Kanzlermedien“ um das hohe Gut der Aufmerksamkeit buhlen. Die Kulisse sei dabei oft wichtiger als der Inhalt: „Es kommt nicht so sehr darauf an, was man sagt, sondern wie und wo man es sagt“, so König. Schuld an dieser Entwicklung, soweit man überhaupt von Schuld sprechen könne, sei letztlich auch der einzelne Bürger: Wer lese schon die seitenlangen Wahlprogramme im Original, fragte König kritisch in die Runde. Der Bürger habe es sich in seiner passiven Publikumsrolle allzu bequem gemacht.

Über Kampagnen und Medientricks

Inszenierungen wie von König beschrieben, kleine und große Tricks, wirkungsvolle Bilder und ausgefeilte Kampagnen wird es im deutschen Superwahljahr 2009 wohl noch reichlich geben. Acht Kommunalwahlen, vier Landtagswahlen, eine Europawahl, die Bundespräsidentenwahl am vergangenen Samstag und nicht zuletzt die Bundestagswahl im September geben mehr als genug Anlass dazu. Grund für den OSI-Club, dem Alumni- und Förderverein des Otto-Suhr-Instituts der Freien Universität, diesen Strategien mit einer Ringvorlesung, die Interessierten ebenso offensteht wie  Studierenden aller Fachbereiche, auf den Grund zu gehen.

Am 8. Juni spricht Matthias Wambach, der die beiden Volksentscheid-Kampagnen „Pro Tempelhof" und “Pro Reli" organisiert hat, über das „Campaigning“ für Plebiszite. Über die Praxis politischer Kommunikation reflektieren auch Hans-H. Langguth von der grünen Haus-Agentur „Zum Goldenen Hirschen“, Matthias Machnig, Mastermind der SPD-Kampa von 1998 und Hans-Jürgen Beerfeltz, Bundesgeschäftsführer der FDP. Bettina Gaus (taz) analysiert den Obama-Wahlkampf  (29. Juni), bevor Marco Althaus am 13. Juli Lehren aus dem Europa-Wahlkampf zieht und damit die Ringvorlesung beschließt.