Freie Universität Berlin


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Antrittsvorlesung Samuel-Fischer- Gastprofessur

Raoul Schrott und Ernst Pöppel über "Dichten und Denken"

10.11.2008

Dr. habil Raoul Schrott (links) und Prof. Dr. Ernst Pöppel (rechts)
Dr. habil Raoul Schrott (links) und Prof. Dr. Ernst Pöppel (rechts) Bildquelle: Freie Universität Berlin

Was verbindet Lyrik und Hirnforschung miteinander? Über das Gedicht als "die komprimierteste Form des Denkens" sprachen der Dichter und Übersetzer Raoul Schrott, in diesem Semester Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin, und Ernst Pöppel, Professor der Psychologie an der Ludwigs-Maximilians-Universität München.

Für seine Antrittsvorlesung als Samuel-Fischer-Gastprofessor hatte Raoul Schrott, Dichter, Übersetzer und Dozent der Vergleichenden Literaturwissenschaft, einen prominenten Wissenschaftler an seine Seite gebeten: Ernst Pöppel gilt als einer der wichtigsten Hirnforscher unserer Zeit. Schrotts Nachdenken über Funktion und Rolle der Poesie hatte ihn schon vor einiger Zeit in Kontakt mit Pöppel gebracht, der über Bewusstsein, Kognition und Neurophysiologie forscht. Eine Verbindung, aus der zurzeit ein gemeinsames Buch entsteht, das Ende kommenden Jahres erscheinen soll.

Wie funktioniert unser Gehirn?

Dass poetische und neurologische Prozesse eng miteinander verknüpft sind, davon sind Schrott und Pöppel überzeugt. Satz- und Reimstruktur, Metaphern, Bilder und Metrik seien Muster, nach denen das menschliche Gehirn Erinnerung speichere und seine Leistung steigern könne: "Der rhythmische Fluss des Sprechens ist in jeder beliebigen Sprache auf der ganzen Welt in gleicher Weise durch die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns bestimmt", erläuterte Hirnforscher Pöppel. Raoul Schrott begründete die Notwendigkeit der Poesie mit der Überzeugung, dass Gedichte in ihrer musikalisch durchgeformten Sprache die komprimierteste Form des Denkens seien.

"Weltliteratur und Poetik"

An einem Gedicht des französischen Poeten François Villon demonstrierte Schrott, was er unter poetischer Interpretation versteht – und was er von den Studenten seines Seminars "Weltliteratur und Poetik" an der Freien Universität erwartet. Gert Mattenklott, Professor am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, an dem die Samuel-Fischer-Gastprofessur angesiedelt ist, bedankte sich bei Schrott und Pöppel mit dem Wunsch, "das Duo als Lehrtandem" auch in Zukunft an der Freien Universität wieder einmal begrüßen zu dürfen.

Nächste Veranstaltung mit Raoul Schrott:

Am Donnerstag, 20. November, 19.00 Uhr c. t., findet unter dem Titel "Die Ilias und ihr Homer" ein episch-homerischer Abend mit Raoul Schrott und Michael Meier-Brügger, Professor am Institut für Griechische und Lateinische Philologie, Indogermanistik, der Freien Universität, statt (Habelschwerdter Allee 45, Raum KL 32/123, 14195 Berlin).