Freie Universität Berlin


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Tempo, Tapas, Start-Ups

Das "Netzwerk Unternehmertum der Freien Universität" brachte junge Gründer mit erfahrenen Unternehmern und Kapitalgebern beim „Speed-Dating“ zusammen

04.12.2012

Dr. Sven Klussmann (li), Noxxon Pharma AG und Wolfgang Lauterbach vom Start-up sorglos internet.
Dr. Sven Klussmann (li), Noxxon Pharma AG und Wolfgang Lauterbach vom Start-up sorglos internet. Bildquelle: Marion Kuka
Trafen beim "Speed-Dating" auf erfahrene Unternehmer und Kapitalgeber: Marc Sperling (li.) vom Start-up Traxas Media und Philip Paar, Gründer der Laubwerk GmbH.
Trafen beim "Speed-Dating" auf erfahrene Unternehmer und Kapitalgeber: Marc Sperling (li.) vom Start-up Traxas Media und Philip Paar, Gründer der Laubwerk GmbH. Bildquelle: Marion Kuka

„Wenn Sie zu den Gründern gehören, haben Sie einen Laufzettel bekommen. Der zeigt Ihnen, wann Sie an welchem Tisch sein müssen“, erklärt Ulrike Ernst. Laufzettel ist hier wörtlich zu verstehen und hat deshalb etwas mit Tempo zu tun. Mit Speed eben: Fünfzehn Gründerteams der Freien Universität und der Charité treffen sowohl auf Alumni, die bereits erfolgreich ein Unternehmen gegründet haben als auch auf solche, die als Kapitalgeber Ausgründungen finanzieren. Fünf Minuten hat jedes Team Zeit, sein Gegenüber von einer Geschäftsidee zu überzeugen und Fragen zu beantworten. Wie beim „Dating“ sollen im Idealfall aus der kurzen Begegnung langfristige Partnerschaften entstehen.

An einem der Tische des spanischen Restaurants sitzt Philipp Semmer. Der Rechtsanwalt und Ehemalige der Freien Universität ist Partner im Berliner Büro der internationalen Wirtschaftskanzlei „Hogan Lovells". Er berät Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen sowie bei Risikokapital-Finanzierungen. Er lässt sich die Geschäftsidee des Start-ups mit dem Namen „Cloudheizung“ erklären: Computer kommen beim Rechnen ins Schwitzen, sie erzeugen Wärme. Viele große Computer an einem Ort erzeugen viel Wärme. So viel Wärme, dass man damit heizen kann. „Wir betreiben Server mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen und nutzen die Abwärme zum Heizen“, erklärt Finn Malte Hinrichsen. Seine Strategie: „Das ist echte Green IT, so können auch Unternehmen, die nur virtuelle Produkte haben, einen Imagegewinn durch nachhaltige Produktion erzielen.“

Strategien und Speckpflaumen – das erfordert Konzentration

Philip Semmer fühlt der Idee auf den Zahn, fragt nach Details zur Kostenstruktur. Im Großen und Ganzen ist er sichtlich beeindruckt. Auch weil Finn Malte Hinrichsen auf jede Frage eine überzeugende Antwort parat hat. Kein Wunder, denn Cloudheizung hat es schon zu olympischen Ehren gebracht: Das Team gewann den Wettbewerb „Start-up Olympics“, Teil des Gewinns ist ein Gründerbüro an der Freien Universität und Betreuung durch profund, die Gründungsförderung der Hochschule.

Schließlich wird der Schwierigkeitsgrad der schnellen Präsentation erhöht: Es werden Tapas serviert, um das überzeugende Argumentieren auch mit Speckpflaume im Mund zu üben. Dann klingelt die Glocke zur Pause: Nun darf jeder reden, mit wem er will. Karsten Stein, Vorsitzender des Netzwerks Unternehmertum und Mitinitiator des Abends, ist aus der Puste: „Es ist schon anstrengend, sich alle paar Minuten auf eine neue Idee zu konzentrieren. Aber es lohnt sich: Das Team pijajo entwickelt zum Beispiel ein Portal für das Management von Standpersonal auf Messen. Ein Freund von mir plant Messeauftritte für Kunden und braucht genau solch ein System.“

Das „Abchecken“ dauert etwas länger

Auch für die Gründer ist es ein spannender, wenn auch kein gemütlicher Kneipenabend: Jeder erzählt seine Geschichte mindestens fünf Mal, einmal an jedem Tisch. Liebe auf den ersten Blick gibt es in der Unternehmenswelt eher selten, das „Abchecken“ einer Geschäftsidee dauert meist länger – es wird sich weniger auf das Bauchgefühl verlassen, stattdessen werden mehr Informationen benötigt, um zu entscheiden, ob eine Geschäftsidee plausibel ist oder nicht.

Marc Sperling von Traxas Media fängt seine Geschichte immer mit der gleichen Frage an: „Was glauben Sie, wie viele Werbebotschaften umgeben Sie täglich?“ Die meisten Gesprächspartner verschätzen sich, müssen aber aktiv überlegen, und darum bleibt seine Botschaft hängen. „15.000 bis 30.000 Impulse feuert die Werbeindustrie täglich auf Sie ab“, setzt Sperling fort. „Wahrnehmen können Sie allenfalls 100 bis 250.“ Danach erklärt der Gründer, wie Marken mit der Erfindung seines Start-Ups einen bleibenden Eindruck hinterlassen können: „Stellen Sie sich vor, Sie gehen an einem Schaufenster vorbei. Sie werden von unserer Kamera registriert und können sich sofort auf einem Monitor im Fenster in Kleidern aus der neusten Kollektion der Ladenkette sehen.“ Bei Sven Klussmann hat Sperling sein Ziel erreicht, er ist aufmerksam geworden: „Können Sie das wiederholen? Wie funktioniert das?“.

Gegen 23.30 Uhr verabschieden sich auch die Teilnehmer, die nach Absolvieren ihrer Laufzettel noch in Gespräche vertieft geblieben sind. Die Veranstalter ziehen Bilanz: „In so kurzer Zeit auf so viele Leute und Ideen zu treffen, begeistert fast alle. Aber es war ein echter Marathon, die Köpfe haben geraucht. Die Gründer haben viele Tipps mitgenommen. Wie beim echten Date wird sich erst in ein paar Wochen zeigen, ob mehr daraus wird.“

Weitere Informationen

Netzwerk Unternehmertun (NUFUB)

Auf Initiative von profund, der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, haben erfolgreiche Unternehmer aus den Reihen der Freien Universität zusammen mit Experten für Gründungsfragen das „Netzwerk Unternehmertum der Freien Universität Berlin" – kurz NUFUB – unter dem Dach der Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freunde, Förderer und Ehemaligen der Freien Universität Berlin e.V. (ERG) gegründet.