Gemeinsam Forschungsfragen lösen

Wissenschaftler aus dem In- und Ausland arbeiten im neuen „Helmholtz Virtuelles Institut“ an multifunktionalen Biomaterialien für die Medizin

21.12.2011

Hinten: M. Ballauff, M. Schäfer-Korting, A. Lendlein, V. P. Shastri, R. Haag; vorne: M. Ganß, A. Kaysser-Pyzalla, P.-A. Alt, J. Rühe
Hinten: M. Ballauff, M. Schäfer-Korting, A. Lendlein, V. P. Shastri, R. Haag; vorne: M. Ganß, A. Kaysser-Pyzalla, P.-A. Alt, J. Rühe Bildquelle: Bernd Wannenmacher

In dem neuen Helmholtz Virtuelles Institut „Multifunktionale Biomaterialien für die Medizin“ widmen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Fragen zum Einsatz multifunktionaler Biomaterialien. Ein Forschungsfeld, das für moderne medizinische Therapien immer wichtiger wird. Kernpartner des Instituts sind neben dem federführenden Helmholtz-Zentrum Geesthacht in Teltow (HZG) das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB), die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und die Freie Universität Berlin.

„Es gibt Forschungsfragen, die eine Einrichtung allein nicht lösen kann“, sagte Professor Andreas Lendlein anlässlich der Eröffnung. Der Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums Geesthacht ist neben Professor Matthias Ballauff vom Helmholtz-Zentrum Berlin und Professor Rainer Haag von der Freien Universität Sprecher des neuen Helmholtz Virtuelles Institut „Multifunktionale Biomaterialien für die Medizin“. „Das Thema Gesundheit ist sehr wichtig“, sagte Lendlein. Es gelte, neue multifunktionale Biomaterialien zu erforschen. Und es gebe noch viel zu tun. „So kann die Dialyse beispielsweise immer noch nicht die Funktionsweise einer Niere ersetzen“, sagte Lendlein.

Die virtuellen Helmholtz-Institute sollen die Zusammenarbeit der Helmholtz-Zentren mit Universitäten initiieren und festigen. Sie besitzen eigene Management-Strukturen und werden von der Helmholtz-Gemeinschaft und den beteiligten Partnern mit einer Summe von bis zu 900.000 Euro für die Dauer von fünf Jahren gefördert. Die virtuellen Institute sollen als Kerneinrichtung für künftige größere strategische Forschungsvorhaben dienen.

Kooperation von außeruniversitären und universitären Forschungseinrichtungen

„Mit dem Institut führen wir außeruniversitäre und universitäre Spitzenforschung zusammen“, sagte Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin. Es gebe schon eine rege Zusammenarbeit zwischen den Helmholtz-Zentren und der Freien Universität Berlin. „Wir haben bereits eine Reihe von gemeinsamen Professoren und Juniorprofessoren berufen“, sagte Alt. Zudem beschlossen das Helmholtz-Zentrum Berlin und die Freie Universität im Juli dieses Jahres die Erweiterung der gemeinsamen Forschung und Nachwuchsförderung. Das Ziel sei eine weitere Stärkung des „Forschungscampus' Dahlem“.

Die Kooperation spiegelte sich auch in den Grußworten wider: Neben Professor Peter-André Alt gratulierten Professorin Anke Kaysser-Pyzalla, Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Helmholtz-Zentrums Berlin, Professor Jürgen Rühe, Prorektor der Universität Freiburg, sowie Michael Ganß, Kaufmännischer Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, den beteiligten Wissenschaftlern zum offiziellen Start dieser Kooperation.

Institut kann sich gegen Konkurrenzanträge durchsetzen

„Wir können stolz sein“, sagte Michael Ganß. Denn es habe 33 Anträge für die zwölf neu gegründeten virtuellen Helmholtz-Institute gegeben. Nun könne durch das neue Institut die Zusammenarbeit zwischen den Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft organisch wachsen. „Ich wünsche den Wissenschaftlern einen realen Erfolg mit dem neuen virtuellen Institut“, sagte Ganß. Dabei sind die Partnerinstitutionen nicht auf sich alleine gestellt. Assoziierte Partner des Forscherteams sind Wissenschaftler der Harvard-Universität in Cambridge (USA), der Universität Tokyo (Japan) und der Sichuan-Universität in Chengdu (China). Hinzu kommen als Industriepartner die Mivenion GmbH und die Fresenius Medical Care AG.

Dass es über die Medizin hinaus wichtig sei, an Biomaterialien zu forschen, belegte Professor Michael Grunze von der Universität Heidelberg und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das Beiratsmitglied des neuen virtuellen Instituts referierte in seinem Festvortrag über „Strategien zur Vermeidung von Biofilmen“. Hierbei handelt es sich um Ablagerungen von Mikroorganismen, die in Form von Biofilmen etwa Einfluss auf die Beschaffenheit von Schiffsrümpfen haben können. „Einer Untersuchung der US-amerikanischen Navy zufolge könnten durch die Vermeidung von Biofilmen und dem damit einhergehenden verringerten Widerstand der Schiffe rund 25 Prozent des Treibstoffes eingespart werden“, sagte Grunze. Auf diese Weise könnte ein bedeutender Beitrag zur Reduktion der Umweltverschmutzung geleistet werden. Denn die Schiffsfahrt ist Grunze zufolge einer der weltweit größten Umweltsünder – und damit auch eine echte Herausforderung für biofilmabweisende Materialien.