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Augen auf im Straßenverkehr!

Video: Wissenschaftler der Freien Universität steuern Auto allein mit den Augen

23.04.2010

Augen auf im Straßenverkehr: Was bisher als einfache Verhaltensregel galt, erhält durch Informatikprofessor Raúl Rojas der Freien Universität und seine Mitarbeiter eine ganz neue Bedeutung. Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin Tempelhof demonstrierte das Team der „AG Künstliche Intelligenz“ ein Fahrzeug, das sich allein durch Augenbewegungen steuern lässt. Mit dabei: 60 Journalisten aus aller Welt.

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Radio- und Fernsehteams aus Japan, Italien, Polen und Spanien, Printjournalisten von Zeitungen, Agenturen und Magazinen – alle drängelten sich bei strahlendem Sonnenschein am Freitagmittag um Professor Raúl Rojas und sein Team. Auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof demonstrierten die Informatiker der Freien Universität, was die von ihnen entwickelte „EyeDriver“-Software kann: ein Auto nur durch Augenbewegungen steuern. Dabei wirkt die Grundausstattung für das neue Projekt zunächst recht unaufwändig. Man braucht: ein Auto, ein Fahrradhelm, ein Laptop. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch schnell klar, dass das Ganze so unaufwändig nicht ist. Das Auto ist ein zur führerlosen Steuerung umfunktionierter Chrysler-Van, der Fahrradhelm mit Kameras und einer Infrarot-LED ausgestattet, auf dem Laptop ist eine speziell entwickelte „EyeDriver“-Software installiert.

Die Augenbewegung wird in Steuersignale umgewandelt

Eine der Helmkameras erfasst die Augenbewegung des „Fahrers“. Über die „EyeDriver“ Software wird die Bewegung in Steuersignale für das Lenkrad umgewandelt, das Fahrzeug kann mit den Augen gelenkt werden. Gas geben kann man mit den Augen allerdings nicht: Die Geschwindigkeit des Fahrzeuges muss vorab eingestellt und während der Fahrt konstant gehalten werden. Sollte die Software einmal nicht erkennen, wohin der „Fahrer“ blickt, zum Beispiel weil er beim Niesen die Augen schließt, bremst das Fahrzeug automatisch ab.

Im Gegensatz zum oben beschriebenen „Freie-Fahrt-Modus“ steuert Spirit of Berlin im „Wegewahl-Modus“ dagegen die meiste Zeit selbst, fährt also autonom. Lediglich an Weggabelungen, wie etwa Kreuzungen, hält das Fahrzeug an und bittet den Fahrer mittels Sprachausgabe darum, die nächste Route zu bestimmen. Dafür muss der Träger des Helms für drei Sekunden nach links oder rechts blicken. Verweilt sein Blick lange genug in einer Richtung, wird ihm von der eyeDriver-Software akustisch bestätigt, dass die Wahl akzeptiert wurde. Die getroffene Entscheidung wird dem Fahrplaner im Fahrzeug mitgeteilt. Daraufhin kann die künstliche Intelligenz im Spirit of Berlin die weitere Route entsprechend planen und die Fahrt autonom fortsetzen. So müsse sich der Fahrer nicht die ganze Zeit konzentrieren, sondern nur an den entscheidenden Stellen, etwa an Kreuzungen, erklärt Raúl Rojas: "Man kann den Blick auf gerader Strecke schon mal schweifen lassen."

Vor dem Eye-Driver war das iPhone-gesteuerte Auto

Berühmt sind Professor Rojas und sein Team schon lange: Im vergangenen Jahr stellten sie ein per iPhone gesteuertes Fahrzeug vor: Fernseh- und Radiosender aus aller Welt berichteten über das „James-Bond-Auto“ – das Video über den führerlos fahrenden Chrysler wurde auf Youtube mehr als 500.000 Mal angeschaut.

Melanie Hansen

Weitere Informationen

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:

  • Raúl Rojas, Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838 – 75102, E-Mail: rojas@inf.fu-berlin.de
  • Tinosch Ganjineh, AG Künstliche Intelligenz, Institut für Informatik, Tel.: 030 / 838-75128, E-Mail: ganjineh@inf.fu-berlin.de

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