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Neue Perspektiven in der Globalisierungsforschung

Feierliche Eröffnung des Internationalen Gradudiertenkollegs „Zwischen Räumen. Bewegungen, Akteure und Repräsentationen der Globalisierung“ in Mexiko

21.04.2010

in Mexiko (v.l.n.r.): Stefan Rinke, Marianne Braig, Ursula Lehmkuhl, Sophie Esch, Barbara Fritz, Dieter Ingenschay
in Mexiko (v.l.n.r.): Stefan Rinke, Marianne Braig, Ursula Lehmkuhl, Sophie Esch, Barbara Fritz, Dieter Ingenschay Bildquelle: Freie Universität Berlin

Geldüberweisungen von Migranten in ihr Heimatland, technokratische Eliten in Chile, Wissenstransfer zwischen Asien und dem kolonialen Lateinamerika sowie Corrido-Sänger in Überlandbussen in Mexiko – die historischen und aktuellen Bewegungen, Akteure und Repräsentationen der Globalisierung sind divers und vielschichtig, ebenso wie die Forschungsprojekte der 20 Stipendiaten und Stipendiatinnen des Graduiertenkollegs „Zwischen Räumen“, die sich am vergangenen Montag zusammen mit über 150 Gästen am renommierten Colegio de México in Mexiko Stadt einfanden, um das Graduiertenkolleg feierlich zu eröffnen.

Viele Jahre hatten die beteiligten ForscherInnen der drei deutschen und drei mexikanischen Universitäten auf diesen Moment hin gearbeitet und so herrschte eine freudig-angespannte Stimmung, als die vielen Gäste in das Auditorium strömten.“Scientific community“ war das alles beherrschende Stichwort dieses Abends, wie es Professor Dr. Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), treffend ausdrückte.

So fand sich eine hochrangige DFG-Delegation ein, um an der Eröffnung dieses außergewöhnlichen sozial- und kulturwissenschaftlichen Graduiertenkollegs zwischen Deutschland und Mexiko teilzunehmen. Ein internationales Graduiertenkolleg, wie das deutsch-mexikanische hat es in dieser Form in Lateinamerika noch nicht gegeben: Die Neuartigkeit besteht nicht nur in der Komplementärfinanzierung durch die mexikanische Wissenschaftsförderorganisation CONACYT, sondern insbesondere im innovativen Forschunthema und in einem auf Gegenseitigkeit basierenden Forschungs- und Qualifizierungsprogramm, das zur Stärkung und Weiterentwicklung der Area Studies beitragen wird.

In den Eröffnungsreden wurde mehrfach auf die lange Tradition des wissenschaftlichen Austausches zwischen Mexiko und Deutschland hingewiesen: zurück geht diese Tradition auf Alexander von Humboldt, die im 20. Jahrhunderts von international angesehenen Wissenschaftlern fortgesetzt wurden, wie dem Historiker Friedrich Katz, Ehrendoktor der Freien Universität, und dem Soziologen Rodolfo Stavenhagen, der den feierlichen Eröffnungsvortrag hielt. Sie gehören zu einer Reihe von Intellektuellen, deren jüdische Familien aus Deutschland und Europa vor der Verfolgung durch das NS-Regime nach Mexiko fliehen mussten. Dort fanden sie eine neue insbesondere auch intellektuelle Heimat.

Insbesondere der Präsident des Colegio de México, Professor Dr. Javier Garciadiego, und die amtierende Präsidentin der Freien Universität Berlin, Professorin Dr. Ursula Lehmkuhl, verwiesen auf diese Traditionen, während DFG-Präsident Matthias Kleiner und der Vizepräsident von CONACYT, Professor Dr. José Antonio de la Peña, die in den letzten Jahren stark zunehmende akademische Kooperation zwischen Deutschland und Mexiko betonten. Auch die Repräsentantinnen der beiden anderen beteiligten mexikanischen Institutionen, Professorin Dr. Virginia García Acosta (Direktorin von CIESAS) und Professorin Dr. Estela Morales Campos (Koordinatorin für die Geisteswissenschaften an der UNAM) verwiesen auf den hohen Wert dieser Zusammenarbeit.

Ursula Lehmkuhl hob hervor, dass sich die Wissenschaftslandschaft Berlin/Potsdam aufgrund des Lateinamerika-Instituts der Freien Universität und den ebenfalls am Graduiertenkolleg beteiligten Institutionen wie der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Potsdam und dem Iberoamerikanischen-Institut sowie dem Ethnologischen Museum zu einem zentralen Ort der Lateinamerikaforschung in Deutschland entwickelt habe.

Die Sprecher des Graduiertenkollegs, Professor Dr. Carlos Alba und Professor Dr. Stefan Rinke stellten abschließend die Grundzüge des Programms vor und dankten den Förderinstitutionen und den bezeiligten Einrichtungen und Wissenschaftlern. Höhepunkt der Eröffnungsveranstaltung war der Festvortrag von Professor Dr. Rodolfo Stavenhagen, der die Probleme der Globalisierungsdynamiken in historischer Dimension verdeutlichte.

Die Eröffnung wurde abgerundet durch einen Empfang, zu dem die DFG und der Chargé d'Affaires der deutschen Botschaft in Mexiko, Hans Günther Mattern, eingeladen hatten. Hier traf eine disziplinär vielfältige und internationale gut vernetzte „scientific community“ aufeinander, und die angeregten Gespräche zogen sich noch bis tief in die Nacht.