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Nano-Materialien in der Medizin

Wissenschaftler diskutieren mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik über die Nutzung von Nano-Materialien in der Medizin

15.03.2010

Möglicher Einsatz von Nano-Materialien in der Medizin: bei der Herstellung von Medikamenten, Diagnostika sowie medizinischen Geräten
Möglicher Einsatz von Nano-Materialien in der Medizin: bei der Herstellung von Medikamenten, Diagnostika sowie medizinischen Geräten Bildquelle: David Ausserhofer

Effektiver, sicherer und besser sollen sie sein. Das sind die Anforderungen an neue Materialien in der Medizin. Das Center for Cluster Development der Freien Universität Berlin (CCD) lud zu seinem zweiten Workshop über „neue Materialien in der Medizin“ im Rahmen des Kolloquiums „Forschung für die Zukunft planen“ ein.

„Innovationen brauchen im Durchschnitt zehn bis zwölf Jahre, um als Produkte auf den Markt zu gelangen“, sagt Dr. Matthias Werner. Er ist Materialwissenschaftler des Beratungsunternehmens NMTC Berlin „In dieser Zeit ändert sich häufig der Markt.“. Das treffe auch auf Nano-Materialien zu. Werner koordiniert den medizinischen Bereich des von der Europäischen Union mit vier Millionen Euro geförderten Projekts „ObservatoryNANO”.

Die 16 beteiligten Institutionen aus zehn Mitgliedsstatten der Europäischen Union versorgen europäische Entscheidungsträger mit Informationen und Analysen zur Entwicklung der Nanowissenschaft und -technologien. Im Rahmen von „ObservatoryNANO“ erstellen die beteiligten Experten unter anderem Marktprognosen. Matthias Werner beziffert den Markt für Nanomaterialien im medizinischen Bereich auf rund 6,8 Milliarden Dollar. Der Wissenschaftler sieht vor allem Chancen für Anbieter von Nischenprodukten: „Mit Nanomaterialien lassen sich zwar ultraleichte Fahrräder und Tennisschläger bauen. Ein flächendeckender Einsatz ist allerdings häufig zu teuer“, erklärt Matthias Werner. Ein mögliches Anwendungsgebiet in der Medizin stellt beispielsweise die Herstellung von Skalpellen dar.

Denn deren Oberflächen, wenn sie  aus Nanoteilchen gefertigt werden, seien  feiner und glatter als bei herkömmlichen Materialien. Ein weiteres Anwendungsgebiet für Nanomaterialien hat der Berliner Wissenschaftler Dr. Andreas Jordan erschlossen. Bei seiner nanogestützten Krebstherapie werden den Patienten Nanoteilchen verabreicht, die später von außen durch ein elektromagnetisches Wechselfeld in Schwingungen versetzt werden. Auf diese Weise wird der Tumor erhitzt und zerstört.

Bundesregierung investiert über 250 Millionen Euro

Dr. Oliver Bujok, der im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) unter anderem den Gesundheitsbereich der Förderinitiative „WING – Werkstoffinnovationen für Industrie und Gesellschaft“ betreut, erläuterte den Gästen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft die Förderaktivitäten der Bundesregierung: Das Programm „WING“ fasst beispielsweise die klassische Materialforschung mit der Forschung zu chemischen Technologien und der werkstoffspezifischen Nanotechnologie zusammen. Die Bundesregierung plant, über 250 Millionen Euro in die Entwicklung neuer Werkstoffe zu investieren.

„Eines der Ziele des Programms ist die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren mit großem gesellschaftlichem Nutzen“, erklärt Oliver Bujok. Der Wissenschaftler betonte, dass vor allem der hohe Preis von Nanomaterialien dafür verantwortlich sei, dass diese noch selten verwendet würden. Das wirtschaftliche Potenzial sei dagegen sehr hoch, beispielsweise bei der Herstellung von Medikamenten, Diagnostika sowie medizinischen Geräten.

An der Freien Universität Berlin arbeiten derzeit mehrere Forschergruppen und Verbünde im Bereich der Nano-Materialien und ihrer Anwendung in der Medizin. „Dieses wäre ohne eine intensive Kooperation mit anderen Disziplinen und Fächern nicht möglich“, erläutert Professor Rainer Haag vom Fachbereich Chemie. „Deshalb sind wir auch sehr an den neuesten Entwicklungen in der Förderung der Nano-Forschung interessiert. Das Center for Cluster Development bietet hier mit seinem Kolloquium eine wichtige Informationsplattform für die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Freien Universität“, sagt Haag.

Die kommenden Termine und Themen des Kolloquiums des Centers for Cluster Development sind: Montag, 31. Mai 2010 um 17.30 Uhr: „Klima, Umwelt, Städte: Veränderungen des Mikroklimas“, sowie im Oktober 2010: „Themen, Strategien und Foresight der Großforschungseinrichtungen im Vergleich“.