Freie Universität Berlin


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Poetics and Politics mit Jacques Rancière

Der französische Philosoph war als Research Fellow an der Freien Universität

27.10.2009

Prof. Jacques Rancière (links) im Gespräch mit Dr. Armen Avanessian (rechts), auf dessen Initiative Rancière als Research Fellow am Sonderforschungsbereich 626 zu Gast war
Prof. Jacques Rancière (links) im Gespräch mit Dr. Armen Avanessian (rechts), auf dessen Initiative Rancière als Research Fellow am Sonderforschungsbereich 626 zu Gast war Bildquelle: Imke Busch

Jacques Rancière, französischer Philosoph und emeritierter Professor für Philosophie und Ästhetik der Universität Paris VIII (St. Denis), war im September aufgrund gemeinsamer Forschungsinteressen als Research Fellow zu Gast am Sonderforschungsbereich 626 „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“.

Neben den internen Workshops am Sonderforschungsbereich der Freien Universität hielt Rancière drei öffentliche Lectures im Rahmen der Vortragsreihe „Poetics and Politics“, in denen er seine Konzeption demokratischer Ästhetik am realistischen Roman des 19. Jahrhunderts sowie an zeitgenössischer Fotographie und Film darstellte.

Rancières Lecture im Institute for Cultural Inquiry in Berlin eröffnete seine Vortragsreihe, in der er die Möglichkeit des Durchbrechens bestehender Ordnungen und die Neuverteilung von Räumen und Zeiten in den verschiedenen Künsten beleuchtete. In seinem Vortrag "The Reality Effect and the Politics of Fiction" legte der Philosoph das politische Potential von Literatur dar und erläuterte das demokratische Moment des Ästhetischen unter anderem an Werken von Flaubert und Stendhal. Ausgehend von Roland Barthes’ Definition des Wirklichkeitseffektes im realistischen Roman ging Rancière dabei insbesondere auf die Rolle der realistischen Details und den Bruch in der Logik des Handlungsablaufes ein.

Eine weitere Lecture fand in der Neuen Nationalgalerie Berlin unter dem Motto "Seeing, showing, demonstrating" anlässlich einer Ausstellung der Fotografien von Thomas Demand statt.

Die Konfiguration von Raum und Zeit war zudem Thema seiner dritten, filmästhetischen Lecture "Narrations of Time and Space" im Anschluss an den Film Gabbla (Inland) des algerischen Regisseurs Tariq Teguia im Kino Arsenal. Im Spannungsfeld zwischen polizeistaatlicher sowie islamistischer Gewalt und der Migration von Afrikanern Richtung Europa wird die Reise des Protagonisten Malek und der afrikanischen Emigrantin zu einer Reise "through forms of existence and spaces". Dabei gehe es, so Rancière, weniger um die reine Handlungsebene als um die Möglichkeit des Sichtbar- und Sagbar-Machens jener Räume und Zeiten, die die bestehenden durchkreuzen.